Zum Inhalt springen
Nachrichten

Netzwerk Kinderrechte Schweiz: Fast jedes fünfte Kind ist armutsbetroffen oder -gefährdet

In der Schweiz sind laut einem Bericht des Netzwerks Kinderrechte Schweiz vom Oktober 2026 rund 425’000 Kinder von Armut betroffen oder armutsgefährdet.

Armutsbetroffene und gefährdete Kinder in der Schweiz

Die Zahlen zeichnen ein drastisches Bild der sozialen Realität in einem wohlhabenden Land. Schweizweit sind 114’000 Kinder von Armut betroffen, während weitere 315’000 Kinder als armutsgefährdet gelten (wie Blick berichtet). Zusammengenommen entspricht dies fast jedem fünften Kind im Land (gemäss der Auswertung von Nau). Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz stellte diese Zwischenbilanz anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut vor und zog damit eine Bilanz zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (KRK).

Das Fazit der Organisation lautet, dass Kinderarmut in der Schweiz keineswegs ein Randphänomen darstellt. Neben den 114’000 betroffenen Kindern sind die weiteren 315’000 Kinder gefährdet, womit fast jedes fünfte Kind in dieser Situation lebt. Diese Betroffenheit schränkt den Alltag der Heranwachsenden massiv ein. Den Familien fehlt oft das Geld für den Znüni im Kindergarten oder in der Schule, für ein eigenes Zimmer im Wohnbereich oder für die Mitgliedschaft in einem Turn- oder Fussballklub (laut den Schilderungen des Wirtschafts-Desks).

kinderarmut
Foto: Nau

Die Organisation weist darauf hin, dass Kinderarmut nicht nur den allgemeinen Lebensstandard beeinträchtigt, sondern auch negative Folgen für Bildungs-, Entwicklungs- und Gesundheitschancen sowie für die soziale Teilhabe mit sich bringt.

Kritik am föderalen Flickenteppich und Forderung nach einer nationalen Strategie

Die Unterstützung für armutsgefährdete Familien variiert stark je nach Wohnkanton und Aufenthaltsstatus (wie Nau festhält). Da in der föderalen Schweiz die Kantone für die Umsetzung der Sozialhilfe zuständig sind und viele Kantone diese Aufgaben wiederum an die Gemeinden delegieren, entsteht ein unübersichtlicher Hilfsdschungel (erklärt Blick). Wer in der Schweiz von Armut betroffen ist, hat zwar grundsätzlich Anspruch auf Leistungen des Sozialstaats, doch die konkrete Ausgestaltung bleibt regional stark unterschiedlich.

Co-Geschäftsführerin Rahel Zimmermann kritisiert dieses System scharf: Kinderarmut sei kein regionales oder auf bestimmte Gruppen beschränktes Problem, sondern betreffe Kinder in der ganzen Schweiz in Stadt und Land (so Zimmermann gegenüber Medien). Es brauche deshalb eine nationale Antwort statt eines kantonalen Flickenteppichs an Leistungen.

Das Netzwerk fordert deshalb vehement eine nationale Strategie zur Bekämpfung der Kinderarmut (berichtet Nau). Diese soll verbindliche Ziele, systematische Erfolgskontrollen, eine eigenständige kinderspezifische Dimension im Nationalen Armutsmonitoring sowie schweizweite Mindeststandards bei Familienleistungen umfassen (erläutert das Portal im Detail).

Besonders gefährdet sind Kinder aus Einelternhaushalten und kinderreichen Familien, wie ein Bericht des Netzwerk
Foto: Watson

Streitpunkt Ombudsstelle und mangelnde Umsetzung von Kinderrechten

Neben der finanziellen Not rügt das Netzwerk auch die Umsetzung weiterer zentraler Kinderrechte, die fünf Jahre nach den Empfehlungen des UN-Kinderrechtsausschusses noch immer unbefriedigend verlaufe (berichtet die Nachrichtenplattform Nau). So beschränkt sich die Kinderrechtsfolgenabschätzung lediglich auf eine blosse Erwähnung im Botschaftsleitfaden.

Am deutlichsten zeigt sich der Rückstand laut dem Netzwerk jedoch bei der geplanten Ombudsstelle für Kinderrechte.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.