Allein im Einzugsgebiet der Four-Corners-Staaten und in Nevada fielen nach Berechnungen des ehemaligen NOAA-Chefwissenschaftlers Ryan Maue in den vergangenen zwei Wochen mehr als 20 Billionen Gallonen Regen (ABC News). In Colorado, Arizona und New Mexico haben schwere Regenfälle seit Ende Oktober 2026 zu schweren Überschwemmungen, Evakuierungen und Straßensperrungen geführt.
Katastrophale Pegelstände am San Juan River in Pagosa Springs
In Pagosa Springs im Südwesten von Colorado stieg der San Juan River am Sonntagabend, dem 1. November 2026, auf 16.81 Fuß (5,1 Meter) an (ABC News).
Zuvor hatte das Büro des Sheriffs von Archuleta County vor potenziell katastrophalen Überschwemmungen gewarnt, da Pegelprognosen einen Anstieg auf über 20 Fuß vorhergesagt hatten – Werte, die sich dem historischen Rekordhoch des großen Hochwassers von Oktober 1911 mit rund 17,8 Fuß genähert beziehungsweise dieses übertroffen hätten.
Der Fluss erreichte am Sonntagabend schließlich 16,8 Fuß und lag damit knapp unter dem historischen Scheitelpunkt von 1911, bevor das Wasser am Montag zurückging (Kiowa County Press, ABC News).

Wassermassen rissen in Pagosa Springs ein ganzes Wohngebäude von seinem Fundament, das daraufhin führerlos abtrieb und gegen eine Fußgängerbrücke prallte (ABC News).
Ein Straßenbrückenabschnitt westlich des Ortes brach unter den Fluten ein, wie die Sprecherin des Sheriff-Büros, Vicki Schaffer, mitteilte (ABC News). Meteorologin Briana Bealo vom National Weather Service erklärte, dass in Lagen oberhalb von 11.000 Fuß in Südwest-Colorado zwischen Freitag und Sonntag zwischen 8 und 12 Zoll Niederschlag gefallen waren.
Die La Plata County Sheriff’s Office betonte das Ausmaß der Rettungsmaßnahmen, als Deputy Brayton Thurber einen Säugling aus einem Anhänger trug, während der Junction Creek den gleichnamigen Wohnmobilpark nordwestlich von Durango überschwemmte. Wegen steigender Fluten schloss das Colorado Department of Transportation die Colorado Highway 151 zwischen den Meilensteinen 27 und 30, und das Archuleta County Sheriff’s Office schränkte ab dem frühen Sonntagnachmittag den einwärts gerichteten Verkehr nach Pagosa Springs ein, während Adair Christensen als Sprecherin des Verkehrsministeriums die Sperrung des US Highway 160 über den Wolf Creek Pass und der Colorado Highway 17 bestätigte.
Die Wetterdienste verzeichneten extreme Regenmengen: Das Flagstaff-Büro des National Weather Service registrierte in Crown King 7.54 Zoll, am Village of Oak Creek 6.70 Zoll, in Forest Lakes 6.60 Zoll, in Munds Park 6.17 Zoll, in McNary 5.87 Zoll und am Gerichtsgebäude von Prescott 5.61 Zoll. Allein am Flughafen in Flagstaff fielen am Sonntag 3.37 Zoll Regen, womit sich die Gesamtsumme seit dem 1. Oktober auf 9.65 Zoll belief – das Sechsfache des normalen Wertes. In Tucson betonte Meteorologe Aaron Hardin, dass die Region innerhalb weniger Tage die Regenmenge von zwei bis drei Monaten erhalte. Flutwarnungen und -beobachtungen galten für fast ganz Arizona, Teile von Südwest-Colorado, West-Neumexiko, Süd-Utah sowie Teile von Süd-Nevada.

Evakuierungen und Rettungseinsätze in Arizona und Durango
In Arizona rief Gouverneurin Katie Hobbs am Montag, den 2. November 2026, einen landesweiten Notstand aus, um Hilfsgelder in Höhe von 200.000 US-Dollar sowie staatliche Ressourcen für Rettungs- und Aufräumarbeiten freizugeben (AZ Family). Betroffen von der Notstandserklärung sind unter anderem die Countys Apache, Coconino, Gila, Greenlee, Navajo, Pinal und Yavapai sowie das Gebiet der Hopi-Nation, der Navajo Nation, der San Carlos Apache Tribe, die San Juan Southern Paiute Tribe und die White Mountain Apache Tribe.
Polizeichef Brice Current berichtete, dass Rettungskräfte in Durango versuchten, Kontakt zu Familien zu halten, die in schwer zugänglichen Gebieten ausharrten, da Zufahrtswege weggespült worden waren.
In Sedona wurden Einwohner im Bereich des Oak Creek zur sofortigen Evakuierung aufgerufen, nachdem Schlamm und reißende Fluten Wohngebiete geflutet und rund 2.700 Gallonen ungeklärten Abwassers in den Bach gelangt waren (The Guardian, FOX 10 Phoenix). Die Sedona Fire Department berichtete, dass Einsatzkräfte allein an einem Tag rund 40 Menschen in Sicherheit brachten. Anwohner wie Cindy Wilmer und Glen Baker schilderten nach ihrer Rückkehr meterdicken Schlamm und Wasserränder, die weit in ihre Häuser vorgedrungen waren. In Flagstaff wurden zwei Todesopfer gemeldet: Der 73-jährige Williams Singavarapu aus New York wurde am Montag tot aufgefunden, nachdem er am Vortag in der Nähe schneller Fluten den Halt verloren hatte (ABC News, The Arizona Republic), berichtet Azcentral. Ein weiterer Mann wurde tot in einem Entwässerungsgebiet geborgen (ABC News).
Im US-Bundesstaat Colorado liefen in Durango und Umgebung Aufräumarbeiten an. Der Animas River in Durango erreichte am Montagmorgen einen Scheitelpunkt von 13.000 Kubikfuß pro Sekunde – der dritthöchste Wert seit 1898 und der höchste seit 1927. Der Coronado National Forest berichtete zudem, dass Gesetzeshüter des Forstdienstes gestrandete Besucher am Sabino-Staudamm unterstützen mussten, während im Raum Tucson der Tucson Fire Department und die Pima County Sheriff’s Department Dutzende Wasserrettungen an Örtlichkeiten wie dem Alamo Wash, der Kreuzung South Yale Drive und East Fordham Drive sowie an der Calle Marte vornahmen.
Auswirkungen auf die Dürre und Pegelstände der Stauseen
Während am 13. Oktober 2026 laut dem U.S. Drought Monitor noch die gesamte Fläche des Archuleta County von Dürre betroffen war, zeigte die Karte zwei Wochen später keine Dürregebiete mehr im County.
In Arizona profitierten die Stauseen ebenfalls von den Wassermassen. Der Salt River bei Roosevelt erreichte einen Scheitelpunkt von 143.000 Kubikfuß pro Sekunde und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem Januar 1993.
Wetterprognose und anstehende Aufräumarbeiten
Meteorologen prognostizierten für den Dienstag, den 3. November 2026, eine Rückkehr trockenerer Wetterbedingungen im Südwesten, rechtzeitig zum Wahltag. Behörden in Colorado und Utah richteten wegen der blockierten Routen alternative Wahlpläne für evakuierte und eingeschlossene Anwohner ein.
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