Eine neue Pilotstudie der University of California, San Francisco zeigt, dass eine drastische Reduktion hochverarbeiteter Lebensmittel bei Menschen mit Depressionen zu messbaren Verbesserungen führt. Die Probanden senkten ihren Fertigkostkonsum um über 85 Prozent und verzeichneten in vierwöchigen Untersuchungsphasen Rückgänge bei standardisierten Depressionswerten.
Die Rolle der täglichen Ernährung für das seelische Wohlbefinden rückt in der medizinischen Forschung stärker in den Mittelpunkt. Aktuelle Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, inwiefern eine Reduktion stark verarbeiteter Industrieprodukte zur psychischen Stabilität beitragen kann. Im JAMA Psychiatry veröffentlichten Fachbericht präsentierten Forschende der University of California, San Francisco, Ergebnisse einer Untersuchung zur Reduktion industriell gefertigter Nahrungsmittel bei Menschen mit Depressionen. Die in den Jahren 2023 bis 2024 durch die National Institutes of Health finanzierte Arbeit gilt als eine der ersten Untersuchungen, die depressive Symptome bei denselben Personen vor und nach einer gezielten Ernährungsumstellung verglichen hat.
Ergebnisse der Crossover-Studie und veränderte Depressionswerte
An der Untersuchung nahmen 20 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren teil, von denen rund 70 Prozent weiblich waren; insgesamt 19 Personen beendeten beide Abschnitte. Alle Probanden litten neben einer klinischen Depression an Übergewicht sowie mindestens einer Stoffwechselstörung wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhtem LDL-Cholesterin; zudem berichteten 14 Teilnehmer über zusätzliche Angstzustände.

In einem vierwöchigen Crossover-Design wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe behielt ihre gewohnte Ernährung bei, während die andere auf eine nahrungsarme Kost mit extrem wenigen Fertigprodukten umstieg. Die Probanden kauften ihre Lebensmittel dabei selbst ein und wurden vom Forschungsteam unterstützt. Nach vier Wochen wechselten die Schemata. Während der Umstellungsphase reduzierten die Probanden ihren Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel um mehr als 85 Prozent. Dabei sanken die Werte auf standardisierten Depressionsskalen deutlich, wie die Auswertung der Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale von durchschnittlich 18,9 auf 8,05 dokumentiert. Auch beim Patient Health Questionnaire sank der Durchschnittswert von 8,68 bei üblicher Ernährung auf 5,53 in der Interventionsphase. Zusätzlich verbesserten sich die Angstwerte der Teilnehmer.
Mögliche Mechanismen an der Darm-Hirn-Achse
Als biologische Erklärung für den beobachteten Zusammenhang diskutieren die Wissenschaftler die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Stark verarbeitete Produkte umfassen abgepackte Snacks, Fast Food, zuckerhaltige Getränke sowie weitere industriell hergestellte Artikel, die Konservierungsstoffe, künstliche Farbstoffe, Geschmacksverstärker und Emulgatoren enthalten können. Diese Nahrungsmittel sind oft preiswert, bequem verfügbar und äußerst schmackhaft, da sie das Belohnungshormon Dopamin anregen und Verlangen auslösen.

„Diese Darmschädigung kann eine schwache, chronische Entzündung im ganzen Körper hervorrufen, die entweder direkt Depressionen verursacht oder Menschen anfälliger dafür macht.“
Nyasha Chagwedera, MD, PhD, Abteilung für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften der UCSF
Die Gründerin des UCSF Metabolic and Mental Health Program und korrespondierende Autorin, Nyasha Chagwedera, führt aus, dass eine fehlerhafte Verarbeitung den schützenden Darm verletzen kann. Chagwedera merkte ergänzend an: „In other words, junky processing may harm your gut in ways that ripple up to your brain. Die beschriebenen Schäden am Darm können im gesamten Körper eine geringgradige, chronische Entzündung erzeugen, die entweder direkt Depressionen auswirkt oder Menschen dafür anfälliger macht.
Ausblick und geplante Phase-2-Studie im Jahr 2028
Trotz der positiven Tendenzen betonen die Autoren um den leitenden Autor Andrew Krystal – Ray-und-Dagmar-Dolby-Distinguished-Professor an den UCSF-Fachbereichen für Psychiatrie, Verhaltenswissenschaften und Neurologie – sowie der leitende Autor Andrew Krystal gemeinsam mit weiteren beteiligten Einrichtungen wie der University of Queensland in Australien, der Mayo Clinic und der Emory University den explorativen Charakter der Pilotuntersuchung. Die geringe Kohortengröße und das unverblindete Design lassen keine generellen Verallgemeinerungen zu. Mediziner raten Patienten daher ausdrücklich davon ab, bestehende Therapien oder Medikationen ohne ärztliche Rücksprache eigenmächtig zu verändern.
Die Forschenden bereiten derzeit eine größere Folgestudie vor. Die im Jahr 2028 geplante Rekrutierungsphase für die zweite Studienphase soll helfen, die Beobachtungen an einem größeren Patientenkreis zu überprüfen. Unterstützt wurde das Projekt von den National Institutes of Health über den National Center for Advancing Translational Sciences sowie durch weitere institutionelle Fördermittel.
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