Zaza im ORF: Ein glitzernder Auftritt mit Augenzwinkern
Mit Perücke und aufwendigem Kostüm sorgte Alfons Haider für eine Überraschung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. In der Rolle der Zaza, einer Figur aus dem Musical-Klassiker „Ein Käfig voller Narren“ (La Cage aux Folles), präsentierte er den Song
„Ich bin, was ich bin“
. Dieser Auftritt war kein Zufall, sondern diente als Vorbote für die diesjährige Inszenierung des Hits bei den Seefestspielen in Mörbisch, wo Haider die Rolle der Drag Queen ebenfalls auf die Bühne bringen wird.
Die Interaktion mit Moderatorin Barbara Schöneberger unterstrich den humorvollen Charakter des Abends. Haider blieb konsequent in seiner Rolle und schlug scherzhaft vor, gemeinsam mit Schöneberger ein neues TV-Format unter dem Namen „die Schössler-Zwillinge“ zu starten, ergänzt durch
„ein bisschen Tanzbein und so“
. Sogar eine Teilnahme am Song Contest brachte er ins Spiel, wobei er auf den früheren Erfolg Österreichs mit Conchita Wurst anspielte.
Kritik an der „politischen Korrektheit“ im Mindgames-Podcast

Während die TV-Performance auf Bewunderung stieß, löste ein Gespräch im Mindgames-Podcast eine gegenteilige Reaktion aus. Der 68-jährige Moderator, der seit über 50 Jahren in der Unterhaltungsbranche tätig ist, positionierte sich dort deutlich gegen aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Haider kritisierte insbesondere die Ausweitung von Gender-Begriffen, die er als Überlastung der Normalbevölkerung empfindet.
Political Correctness geht mir auch furchtbar auf die Nerven. Diese zig Gender-Begriffe, wie jemand sich fühlt […] Ich habe ja jeden Respekt und ich habe auch mitgekämpft, dass Menschen frei werden und sich frei entscheiden dürfen. Aber dass wir jetzt irgendwie 30 Gender-Bezeichnungen haben, wo sich keiner mehr auskennt, man überlastet die Normalbevölkerung.
Alfons Haider, Moderator und Schauspieler
Haider argumentiert, dass akademische Feinheiten im Alltag der Menschen keinen Platz hätten. Für ihn sei es paradox, dass man sich über Gender-Vorwürfe streite, während fundamentale Probleme wie die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern weiterhin bestehen. Die zunehmende Kategorisierung in Begriffe wie Transgender oder Genderfluid empfindet er nicht als hilfreich, sondern als eine Art
„kastenmäßig“
Einordnung, die er als Rückschritt bewertet.
Der Schlagabtausch mit Miss Ivanka T.
Diese Aussagen blieben in der LGBTQ-Community nicht unwidersprochen. Die Drag-Artist Miss Ivanka T. reagierte via Instagram mit scharfer Kritik. Sie warf Haider vor, ein
„Horrorszenario von 30 verschiedenen Gender-Begriffen“
zu zeichnen, das in der Realität nicht existiere, sondern primär von rechten Positionen genutzt werde, um Stimmung gegen die Community zu erzeugen.
Besonders deutlich wurde die Kritik an Haiders aktueller gesellschaftlicher Position. Miss Ivanka T. beschuldigte ihn, aus einer
„mittlerweile sehr komfortablen Position“
heraus einem heteronormativen Publikum nach dem Mund zu reden und damit Spaltung innerhalb der eigenen Community zu produzieren.
Haider reagierte auf diese Vorwürfe jedoch nicht mit Gegenangriffen, sondern suchte die Versöhnung. In den Kommentaren unter dem Video zeigte er sich offen für neue Perspektiven und forderte zum Dialog auf:
„Dann lass uns gerne darüber reden. Ich freu mich über neue Perspektiven. Beim Reden kommt die Community zammen“
.
Von 1999 bis heute: Die Kosten des Outings

Um die aktuelle Kontroverse einzuordnen, ist ein Blick auf Haiders persönliche Geschichte unerlässlich. Im Jahr 1999 war er der erste Mensch, der in einer österreichischen Hauptnachrichtensendung offen über seine Homosexualität sprach. Zuvor war sein Image das des
„Handküssekönigs“
und
„Traumschwiegersohns“
.
Die Reaktion der Gesellschaft war damals weit weniger versöhnlich als die heutige Debatte. Haider berichtet von einem massiven Aufschrei im Land und persönlichen Angriffen, bei denen beschmierte Hauswände
„gang und gäbe“
waren. Die wirtschaftlichen Folgen waren unmittelbar spürbar.
- Verlust von Werbeverträgen: Haider verlor schlagartig einen Werbevertrag, da man damals glaubte, mit einem schwulen Moderator könne man kein Produkt verkaufen.
- Gesellschaftliche Ablehnung: Viele Menschen reagierten mit Unverständnis oder dem Gefühl, es handle sich um einen Schwindel.
- Familiäre Spannungen: Das erste Gespräch mit seiner Mutter nach dem Outing beschrieb er als
„nicht lustig“
.
Eine gewisse Ironie wohnt der Entwicklung inne: Dieselbe Firma, die ihn vor über zwei Jahrzehnten aufgrund seiner Sexualität fallen ließ, fragte ihn 30 Jahre später erneut an – diesmal explizit für
„Schwulen-Werbung“
.
Die aktuelle Situation zeigt das Spannungsfeld, in dem sich Alfons Haider bewegt. Während er einerseits als Zaza die Sichtbarkeit von Drag und queeren Identitäten im Mainstream-TV feiert, lehnt er die sprachliche Evolution der Gender-Debatte ab. Dieser Konflikt zwischen der Pionierarbeit des Outings von 1999 und der modernen Identitätspolitik von 2026 spiegelt eine tiefe Kluft innerhalb der LGBTQ-Generationen wider.