Die Trump-Regierung plante offenbar, 2,7 Millionen lebende Menschen in den Akten der US-Sozialversicherungsbehörde als verstorben zu kennzeichnen. Ziel dieser Maßnahme war es, Einwanderer finanziell zu isolieren und sie zur Ausreise zu zwingen. Ein Whistleblower enthüllte den Plan in einem 49-seitigen Bericht an den US-Senat, nachdem die Umsetzung intern gestoppt wurde.
Die Mechanik der finanziellen Auslöschung
In den Vereinigten Staaten ist die Sozialversicherungsnummer weit mehr als ein bloßes Verwaltungsmerkmal; sie ist der zentrale Identitätsnachweis für nahezu jeden Aspekt des öffentlichen und privaten Lebens. Wer in den Datenbanken der Social Security Administration (SSA) als tot geführt wird, verschwindet faktisch aus dem legalen Finanzsystem. Wie T-Online berichtet, wäre es für Betroffene ohne eine gültige Nummer nahezu unmöglich geworden, Lohnzahlungen zu erhalten, Bankdienstleistungen zu nutzen oder staatliche Unterstützungsleistungen in Anspruch zu nehmen.
Der Plan sah vor, 2,7 Millionen Menschen systematisch aus den Datenbanken zu löschen. Diese Strategie der finanziellen Isolation sollte einen massiven psychologischen und wirtschaftlichen Druck aufbauen, der die Betroffenen entweder in die freiwillige Ausreise treiben oder sie in eine ausweglose Lage bringen sollte.
Wie Jeremiah Schofield den Plan aufdeckte
Die Enthüllung dieses Vorhabens verdanken wir Jeremiah Schofield, einem ehemaligen leitenden Mitarbeiter der Sozialversicherungsbehörde mit über 25 Jahren Berufserfahrung. Schofield stieß auf die Unregelmäßigkeiten, als er beauftragt wurde, Namen aus einer Kartei der Behörde in eine Liste von verstorbenen Personen zu überführen. Misstrauisch wurde er, als er eine Stichprobe von 25 Personen aus der Liste der 2,7 Millionen Namen überprüfte.
Das Ergebnis war eindeutig: Alle 25 überprüften Personen lebten. Besonders brisant ist laut Berichten von 20min.ch, dass sich unter den Opfern nicht nur Einwanderer befanden, sondern auch US-Bürger, rechtmäßige Daueraufenthaltsberechtigte, Jugendliche und Senioren.
Schofield dokumentierte diese Erkenntnisse in einem 49-seitigen Bericht, den er an die Mitglieder des Finanzausschusses des Senats, darunter die Senatorin Elizabeth Warren und den Juristen Richard Blumenthal, übermittelte.
Doge und die Strategie der Behördenfalle
Hinter den Kulissen spielte die Organisation Doge eine entscheidende Rolle, die zu Beginn der Amtszeit von Donald Trump mit dem Abbau von Bürokratie und Kostensenkungen betraut worden war. Mitarbeiter von Doge versuchten, Zugriff auf die sensiblen Daten der Sozialversicherungsbehörde zu erhalten, um die verschärfte Einwanderungspolitik der Regierung durchzusetzen.
Die Strategie war dabei zynisch kalkuliert: Die Betroffenen sollten durch die finanzielle Sperrung gezwungen werden, Hilfe in den Sozialversicherungsämtern zu suchen. Sobald diese Personen die Behörden aufsuchten, um ihren Status zu klären, sollten sie von Einwanderungsbeamten identifiziert und direkt vor Ort verhaftet werden.
„Ich war schockiert.
Jeremiah Schofield, ehemaliger SSA-Manager, via Washington PostDieser Moment markierte für Schofield einen Wendepunkt in seiner Karriere. Er beschrieb das Gespräch über diesen Vorschlag als eines der enttäuschendsten seiner gesamten Laufbahn.
Rechtliche Warnungen und politische Reaktionen
Der Plan scheiterte letztlich am Widerstand innerhalb der Behörde. Sowohl Schofield als auch die internen Juristen der SSA warnten eindringlich davor, dass die Maßnahme gegen das Bundesrecht verstoßen würde. Die US-Sozialversicherungsbehörde bestätigte gegenüber News Nation, dass die Liste der 2,7 Millionen Namen letztlich nicht in die Sterberegisterdatenbank (Death Master File) aufgenommen wurde und man weiterhin höchste interne Kontrollstandards
pflege.

Politisch löste der Fall heftige Kritik aus. Senatorin Elizabeth Warren bewertete das Vorgehen als einen gezielten Angriff auf die Integrität staatlicher Institutionen.
Elizabeth Warren, US-SenatorinDie Tragweite dieses Vorfalls wird erst deutlich, wenn man ihn in einen größeren Kontext setzt. Die Washington Post berichtete bereits zuvor über einen ähnlichen Fall, bei dem tatsächlich die Daten von 6.100 Einwanderern in eine Kartei von Verstorbenen überführt worden waren. In diesem Fall mussten die Betroffenen mühsam nachweisen, dass sie noch am Leben waren, um ihre Existenzgrundlage zurückzuerhalten.
Die Implikationen für die staatliche Überwachung
Der Versuch, eine Identitätsdatenbank als Instrument der Deportation zu nutzen, offenbart eine gefährliche Verschiebung in der Nutzung von Verwaltungsdaten. Es ging hier nicht mehr um die effiziente Verwaltung von Sozialleistungen, sondern um die aktive Sabotage der Lebensgrundlage von Millionen Menschen.
Dass die Regierung Doge Anfang des Jahres der Zugriff auf diese Daten entzogen wurde, zeigt zwar, dass interne Kontrollmechanismen griffen. Dennoch bleibt die Frage, welche anderen Datenbanken bereits für ähnliche Zwecke instrumentalisiert wurden. Die Grenze zwischen Bürokratieabbau und der gezielten Waffnung staatlicher Register ist in diesem Fall nicht nur überschritten, sondern wurde bewusst eingerissen.
Für die Betroffenen bedeutet dieser Fall, dass ihre rechtliche Identität in den USA einem extremen Risiko ausgesetzt war – unabhängig davon, ob sie US-Bürger oder legale Bewohner waren. Die bloße Existenz einer solchen Liste belegt die Bereitschaft, die rechtsstaatliche Sicherheit der persönlichen Identität zugunsten einer aggressiven Migrationspolitik zu opfern.