US-Stürmer Folarin Balogun kritisierte am 14. Juli 2026 in der Sendung „CBS Mornings“ die psychologischen Folgen einer umstrittenen FIFA-Entscheidung. Nachdem US-Präsident Donald Trump die Aufhebung einer Rotsperre forderte, durfte der 25-Jährige im Achtelfinale gegen Belgien spielen, was laut Balogun zu Nervosität und erheblichem externem Druck innerhalb der US-Nationalmannschaft führte.
Ein Telefonat zwischen Donald Trump und Gianni Infantino
Der Kern des Skandals liegt in einer Intervention der US-Regierung in das sportliche Justizverfahren der FIFA. Folarin Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach einem harten, wenn auch unabsichtlichen Tritt die Rote Karte gesehen. Damit wäre er für das folgende Achtelfinale automatisch gesperrt gewesen. Sportschau berichtet, dass US-Präsident Donald Trump daraufhin FIFA-Präsident Gianni Infantino anrief und eine Überprüfung der Entscheidung forderte.
Trump bezeichnete das Foul vor Journalisten im Weißen Haus als keinen Regelverstoß und kritisierte die Integrität des brasilianischen Schiedsrichters Raphael Claus. Kurz nach diesem Telefonat wurde die Sperre überraschend zur Bewährung ausgesetzt.
Das ist sehr unfair.
Donald Trump, US-Präsident
Gianni Infantino bestätigte den Anruf, betonte jedoch, dass die Justizorgane der FIFA unabhängig agieren. Er gab an, Trump erläutert zu haben, dass das Verfahren anhängig sei und die zuständigen Gremien autonom entscheiden würden.
Mohammad al-Kamali und der Vorwurf des Alleingangs
Während die FIFA auf die Unabhängigkeit ihrer Kommission pocht, werfen Berichte der englischen Zeitung „The Times“ dem Verband einen Mangel an Transparenz vor. Laut Welt.de wurde die Entscheidung nicht vom gesamten 18-köpfigen Disziplinarkomitee getroffen, sondern war ein Alleingang des Vorsitzenden Mohammad al-Kamali aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Al-Kamali, der im Mai 2025 zum Vorsitzenden gewählt wurde und jährlich 160.000 US-Dollar von der FIFA erhält, entschied ohne die Einbeziehung der anderen 17 Mitglieder. Zwar ist ein Einzelrichterverfahren laut Statuten zulässig, doch wie Hans E. Lorenz, langjähriger Vorsitzender am DFB-Sportgericht, gegenüber Sportschau ausführte, sei es bei Fällen dieser Tragweite unüblich. Lorenz betonte, dass zwar kein Verfahrensfehler vorliege, es jedoch fragwürdig sei, ob dieses Vorgehen klug war.
Die rechtliche Grundlage für die Begnadigung war Artikel 27 des FIFA-Disziplinarreglements. Sportjurist Martin Stopper kritisierte dies gegenüber dem kicker als Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz und das Willkürverbot, da die Vorschrift keinen transparent überprüfbaren Anwendungsbereich habe.
Psychische Belastung und sportliches Scheitern gegen Belgien
Trotz der politischen Intervention blieb der sportliche Erfolg aus: Die USA verloren das Achtelfinale gegen Belgien deutlich mit 1:4. Balogun, der in der Startelf stand, räumte in einem Interview mit „CBS Mornings“ ein, dass die Situation das Team destabilisierte. Er beschrieb eine spürbare Nervosität bei seinen Teamkollegen und einen massiven Druck, der durch den „Lärm von außen“ entstand.
„Ich konnte bei meinen Teamkollegen fast ein wenig Nervosität erkennen, weil das eine so einzigartige Situation ist. Es hat viel mehr Druck auf uns gepackt, als wir brauchten.“
Folarin Balogun, US-Nationalstürmer, via BILD
Andrew Giuliani, der FIFA-Beauftragte des Weißen Hauses, räumte gegenüber der „Daily Mail“ ein, dass der Skandal die Spieler möglicherweise abgelenkt habe. Er verteidigte das Eingreifen jedoch mit den hohen Summen, die die USA in das Turnier investiert hätten, um eine „faire Abwicklung“ auf dem Spielfeld sicherzustellen.
Reaktionen der Verbände und die „rote Linie“
Die internationale Fußballwelt reagierte mit Entsetzen auf die politische Einflussnahme. Die UEFA erklärte, dass eine rote Linie überschritten worden sei. Auch der belgische Verband RBFA erhob Einspruch, dieser wurde jedoch von der FIFA-Berufungskammer als unzulässig zurückgewiesen, da Belgien keine Verfahrenspartei im Fall Balogun sei.
In der Folge versuchte Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina in einem Interview auf „inside.fifa.com“, die Integrität der Offiziellen zu retten. Er betonte, dass niemand behaupten könne, Schiedsrichter würden beeinflusst, „nicht einmal vom FIFA-Präsidenten“.
Die Kontroversen ziehen sich durch das gesamte Turnier, was sich in der folgenden Übersicht der betroffenen Akteure zeigt:
| Akteur | Rolle/Position | Haltung/Aktion |
|---|---|---|
| Donald Trump | US-Präsident | Fordert Telefonisch Überprüfung der Rotsperre |
| Gianni Infantino | FIFA-Präsident | Bestätigt Anruf, bestreitet Einflussnahme |
| Mohammad al-Kamali | Vorsitzender Disziplinarkomitee | Setzt Sperre im Alleingang aus |
| Folarin Balogun | US-Stürmer | Berichtet von Team-Nervosität und externem Druck |
| UEFA | Europäischer Verband | Verurteilt Vorgang als Überschreitung einer „roten Linie“ |
Während die FIFA weiterhin auf die Unabhängigkeit ihrer Gremien pocht, bleibt die vollständige schriftliche Begründung der Entscheidung von Mohammad al-Kamali nicht veröffentlicht. Für die Fußballwelt bleibt die Frage offen, ob die automatische Folge einer Roten Karte künftig durch politische Interventionen ausgehebelt werden kann.
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