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Gesundheit

Trastuzumab-Deruxtecan wirkt bei Oligometastasierten mit HER2-Mutation

Ein Fallbericht aus der Medizinischen Universität Innsbruck dokumentiert erstmals den Einsatz von Trastuzumab-Deruxtecan als alleinige systemische Erstlinientherapie bei einem oligometastasierten HER2-mutierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom. Nach nur vier Behandlungszyklen zeigte sich eine pathologische Komplettremission am Primärtumor.

Eine Patientin im Alter von 66 Jahren stellte sich mit einem hiliären Tumor in der rechten Lunge sowie einer einzelnen symptomatischen Hirnmetastase im linken Frontallappen vor gemäß dem veröffentlichten Fallbericht. Die histologische Untersuchung der Biopsie bestätigte ein schlecht differenziertes Adenokarzinom, das TTF-1-positiv und PD-L1 TPS 0 % war. Genetisch wies der Befund eine ERBB2-Exon-20-Insertion auf.

HER2-Exon-20-Insertionen gelten in der Onkologie als seltene oncogene Treiber-Mutationen bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Mutationen oder relevante Amplifikationswerte des ERBB2-Gens lassen sich bei ungefähr fünf Prozent der Lungenadenokarzinome nachweisen. Aktivierende Exon-20-Insertionsmutationen innerhalb der Kinase-Domäne von HER2 werden dabei als behandelbare genetische Auffälligkeit eingestuft.

Trastuzumab-Deruxtecan wirkt bei Oligometastasierten mit HER2-Mutation
Foto: sciencedirect.com

Individuelle Therapieentscheidung ohne Standard-Chemotherapie

Da die Patientin eine herkömmliche Chemo- und Immuntherapie ablehnte, erarbeitete das interdisziplinäre Tumorboard einen alternativen Behandlungsplan. Dieser sah nach der Resektion und einer konsolidierenden Strahlentherapie der betroffenen Hirnregion den Off-Label-Einsatz von Trastuzumab-Deruxtecan als systemische Erstlinientherapie vor. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (T-DXd) war bislang vor allem für vorbehandelte metastasierte Verläufe dokumentiert. Seine Wirksamkeit bei vorbehandelten Patienten im Stadium IV wurde zuvor in Studien wie DESTINY-Lung01 und DESTINY-Lung02 belegt, wodurch es für die Zweitlinientherapie zugelassen ist.

Während des gesamten Therapieverlaufs erwies sich die Behandlung als überwiegend gut verträglich. Die Patientin erlitt lediglich leichte Toxizitäten wie geringfügige Übelkeit, Bauchbeschwerden, selbstlimitierenden Durchfall sowie leichte Infektionskomplikationen, die jeweils dem Grad 1 nach CTCAE entsprachen, begleitet von unvollständigem Haarausfall und brüchigen Nägeln. Therapieunterbrechungen aufgrund von Neutropenien oder erhöhte Aminotransferase-Werte traten zu keinem Zeitpunkt auf.

Histologisch gesicherte Komplettremission nach vier Zyklen

Nach der Verabreichung von vier Zyklen T-DXd belegten bildgebende Verfahren eine deutliche Verkleinerung des Tumors. Wegen zentraler Tumorlokalisation mit vergrößerten und steifen Hilarlymphknoten, die die Pulmonalarterien des Oberlappens umschlossen, wichen die Chirurgen von der minimalinvasiven Technik ab und führten eine offene Resektion durch. Die darauffolgende adjuvante Therapie mit T-DXd wurde fortgeführt.

Vergleiche mit anderen aktuellen Studien zu zielgerichteten Therapien wie der NeoADAURA-Studie zu Osimertinib oder der ALNEO-Studie zu Alectinib zeigen unterschiedliche Raten für pathologische Komplettremissionen und Hauptansprechraten in früheren Erkrankungsstadien. Auch orale irreversible Tyrosinkinasehemmer wie Zongertinib oder Sevabertinib zeigten in Studien wie Beamion Lung-110 oder SOHO-0111 mit hohen Gesamtansprechraten und progressionsfreien Überlebenszeiten ein vielversprechendes Potenzial.

Fachleute der Medizinischen Universität Innsbruck – darunter Laurenz Nagl, Lena Horvath, Arno Amann, Lorenz Schreiner, Michael Günther, Herbert Maier, Johannes Kerschbaumer, Gerlig Widmann, Danijela Minasch, Lisa-Maria Rossetti, Katharina Kostenzer, Dominik Wolf, Florian Augustin und Andreas Pircher – betonen, dass der Fall nicht nur wegen des pathologischen Ansprechens von Bedeutung ist. Er wirft grundlegende Fragen zur künftigen Position HER2-gerichteter Antikörper-Wirkstoff-Konjugate in früheren Krankheitsstadien auf, wie Medonline berichtete. Prospektive Studien sind erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit dieses Ansatzes systematisch zu untersuchen.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

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