Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat seine Werkstoffsparte tk accelis am 28. Oktober 2026 im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse platziert. Der erste Kurs der neuen Aktie wurde bei 27,80 Euro festgestellt, womit der Börsenwert des Unternehmens bei 1,77 Milliarden Euro liegt und im Rahmen der Analystenerwartungen startete.
Die Abspaltung des Werkstoffhandelsgeschäfts markiert den nächsten großen Schritt im Konzernumbau. Für jeweils 20 Aktien des Mutterkonzerns bekamen Anteilseigner automatisch ein accelis-Papier in ihre Depots gebucht. Einen klassischen Zeichnungspreis gab es bei dem Spin-off nicht. Die Notierung begann unaufgeregt, ehe der Kurs im Tagesverlauf zeitweise bis auf 30,52 Euro kletterte.
Börsenstart und Bewertung der tk accelis-Aktie in Frankfurt
Mit dem Handelsstart in Frankfurt bewertet der Kapitalmarkt Europas größten Werkstoffhändler auf Basis des Eröffnungskurses von 27,80 Euro mit rund 1,77 Milliarden Euro. Im Vorfeld hatten Analysten die Spanne im Vorfeld anders eingeschätzt. Die US-Bank Jefferies taxierte den Unternehmenswert einschließlich Schulden auf 2,6 bis 4,8 Milliarden Euro, während andere Marktbeobachter den Wert zwischen 1,5 und 3 Milliarden Euro sahen. Die Deutsche Börse nahm das Papier für einen Handelstag in den MDAX auf, damit Indexfonds eine geordnete Abwicklung vornehmen können.

Ilse Henne, Chefin von tk accelis, äußerte sich im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion zufrieden mit dem Debüt: Seit Monaten, fast Jahren, bereiten wir uns auf den Börsengang vor. Das Parkett war happy mit dem Preis und deswegen bin ich es auch.
An der Börse selbst übernahm die Baader Bank die Funktion des Designated Sponsors im Xetra-Handel, während Citigroup und Deutsche Bank als Berater und Listing Agents fungierten.
Strategischer Umbau und die Folgen für die Thyssenkrupp-Aktie
Für den Mutterkonzern Thyssenkrupp bedeutet der Spin-off einen weiteren Meilenstein der Strategie ACES 2030, mit der Vorstandschef Miguel López den traditionsreichen Stahlkonzern in eine Finanzholding umbaut. Gleichzeitig gewinnt thyssenkrupp weiter an strategischer Klarheit
, sagte López zur Börsennotierung. Der Essener Konzern bleibt mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter von tk accelis. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält künftig direkt zehn Prozent.
An der Börse sorgte die Transaktion für optisch deutliche Kursverluste beim Mutterkonzern. Da der Wert des abgespaltenen Geschäftsbereichs aus der bisherigen Bilanz herausgerechnet wurde, fiel die Thyssenkrupp-Aktie zeitweise um mehr als 16 Prozent auf rund 12,29 Euro. Bereinigt um den Wert der Zuteilung relativiert sich der Abschlag jedoch deutlich.

Wirtschaftliche Basis und der Übergang zum Lieferkettendienstleister
Das Unternehmen, das bis Juni unter der Bezeichnung Materials Services geführt wurde, bringt eine erhebliche wirtschaftliche Substanz an den Kapitalmarkt. Rund 15.500 Mitarbeiter arbeiten an weltweit etwa 400 Standorten. Im Geschäftsjahr 2024/2025 erwirtschaftete die Sparte einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro, was fast einem Drittel des gesamten Konzernumsatzes entspricht. Zu den wesentlichen Kunden zählen Firmen wie Airbus, BP, Tesla und Volkswagen.
Langfristig will sich das Unternehmen von einem klassischen Werkstoffhändler zu einem spezialisierten Dienstleister entwickeln. Unter dem Konzept Materials-as-a-Service
soll die gesamte Lieferkette für Kunden organisiert werden, ergänzt durch margenstärkere Zukäufe vor allem in Nordamerika. Die bereinigte EBITDA-Marge lag im vergangenen Geschäftsjahr bei lediglich zwei Prozent, soll mittelfristig jedoch auf vier bis fünf Prozent gesteigert werden.
Bisherige Bilanz der Thyssenkrupp-Ausgliederungen
Die Ausgliederung von tk accelis ist bereits der zweite große Börsengang aus dem Thyssenkrupp-Portfolio innerhalb eines Jahres. Im Oktober 2025 hatte der Konzern bereits seine Marinesparte TKMS an die Börse gebracht. Ganz anders verlief der Gang der Wasserstoff-Tochter Nucera an den Kapitalmarkt im Sommer vor drei Jahren, bei dem Investoren enttäuscht wurden, da das Thema Wasserstoff stark aus dem Fokus geriet. Die Stahlsparte von Thyssenkrupp steht als nächster möglicher Börsenkandidat im Raum.
Weiterlesen