Historische Dokumente aus Archiven in Deutschland und Polen belegen, dass der Vater des Entertainers Thomas Gottschalk, Hans Gottschalk, Mitglied der NSDAP und der SA war. Die Akten werfen neues Licht auf seine Rolle im Nationalsozialismus, während die Frage nach seiner tatsächlichen Verantwortung zwischen Widersprüchen der Nachkriegszeit und Entlastungszeugen offen bleibt.
Die NSDAP-Mitgliedskartei und der Streit um das Eintrittsdatum
Neue Einblicke in die Familiengeschichte des bekannten Fernsehmoderators Thomas Gottschalk offenbaren Dokumente aus Archiven in Deutschland und Polen, die von der Entdeckung eines dunklen Kapitels berichten. Im Zentrum steht sein Vater Hans Gottschalk, der im Jahr 1964 im Alter von 61 Jahren an Krebs verstarb, als der spätere Showmaster erst 14 Jahre alt war. Über die Vergangenheit des Vaters hatte dieser nach eigenen Angaben zeitlebens nur spärlich Bescheid gewusst.
Aus den Unterlagen geht hervor, dass der als Rechtsanwalt tätige Hans Gottschalk am 1. November 1932 unter der Mitgliedsnummer 1.356.311 in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei eintrat. Damit wäre der Parteibeitritt knapp drei Monate vor der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 erfolgt. Neben der NSDAP verzeichneten die Behörden auch Mitgliedschaften in der Sturmabteilung.
Dieser offiziellen Aktenlage standen jedoch gänzlich andere Angaben des Betroffenen selbst gegenüber. In einem im September 1946 verfassten Lebenslauf behauptete Hans Gottschalk, er sei erst im Frühjahr 1933 auf wiederholtes Drängen seines Vorgesetzten in die Partei eingetreten. Das frühere Datum auf der Karteikarte erklärte er damit, dass die Aufnahme möglicherweise rückwirkend erfolgt sei.

Politikwissenschaftler Jürgen Falter analysiert die Unstimmigkeiten im Lebenslauf
Der Politikwissenschaftler Jürgen Falter stuft die von Hans Gottschalk vorgebrachten Schilderungen als ungewöhnlich ein. Nach Einschätzung des Experten sprechen sowohl die Mitgliedsnummer als auch das eingetragene Datum klar für einen Beitritt im Jahr 1932, wohingegen die spätere Berufsangabe als Rechtsanwalt eher für eine spätere Registrierung im System gesprochen hätte. Zudem bezeichnete Falter die Darstellung, wonach der Jurist ohne sein eigenes Wissen in die SA aufgenommen worden sei, als obskur.
Vor seiner Heirat im Juni 1945 mit Thomas Gottschalks Mutter Rutila war er von 1938 bis Januar 1945 in erster Ehe verheiratet gewesen. Nach Kriegsende verschlug es ihn als Heimatvertriebenen ins oberfränkische Kulmbach.
Entlastungszeugnisse im Entnazifizierungsverfahren und die Einstufung als Mitläufer
Trotz der aktenkundigen Parteimitgliedschaft stellte sich Hans Gottschalk nach Kriegsende als Gegner des Regimes dar. Er gab an, seine Stellung bei der Wehrkreisverwaltung genutzt zu haben, um „dem Naziregime in jeder nur möglichen Weise aktiv Widerstand zu leisten. Im Entnazifizierungsverfahren vor der Spruchkammer Kulmbach-Stadt stützte er sich auf zahlreiche Entlastungserklärungen von Personen, die unter dem NS-Terror gelitten hatten.
Unter den Fürsprechern befand sich die Jüdin Elly Rastetter, deren Mutter in Auschwitz ermordet worden war. Sie gab zu Protokoll, dass Hans Gottschalk der nationalsozialistischen Weltanschauung fernstand. Auch der Widerstandskämpfer und spätere Hans Lukaschek stellte ihm ein positives Zeugnis aus.
Dennoch folgte die Spruchkammer diesen Aussagen nicht in vollem Umfang und stufte Hans Gottschalk im Dezember 1946 als Mitläufer ein. Als Sühnegeld musste er eine Geldstrafe von 500 Reichsmark entrichten.

Thomas Gottschalks Umgang mit den Fragen zur Familiengeschichte
Die Frage nach der moralischen Verantwortung des Vaters hatte den Moderator bereits in seiner Autobiografie Herbstblond
beschäftigt, in der er sich mit der Vergangenheit auseinandersetzte.
Hat er mitgemacht? War er Opfer eines mörderischen Systems oder war er Täter?
Thomas Gottschalk, aus der Autobiografie Herbstblond, via BILD
Damals gab er an, sich mit den beruhigenden Erklärungen seiner Mutter zufriedengegeben zu haben, die ihm versichert hatte, sein Vater sei kein Nazi gewesen. Die nun ans Licht gekommenen Archivalien belegen zwar die formelle Parteizugehörigkeit, lassen das genaue Ausmaß seines Handelns während der Diktatur jedoch weiterhin im Unklaren.

Auf Anfrage der Redaktion zu den historischen Enthüllungen lehnte der Entertainer eine ausführliche Stellungnahme ab und erklärte seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit:.
Ich bin raus aus der Öffentlichkeit. Und äußere mich auch nicht mehr. Um Kameras und Kolumnen mache ich einen Bogen und äußere mich auch dann kaum, wenn man mich fragt.
Thomas Gottschalk, via BILD