Eine parlamentarische Untersuchung des Treasury Committee in England analysiert derzeit die Besteuerung von Absolventen und die Bedingungen von Studienkrediten, nachdem mehr als 52.000 Personen Beweise eingereicht haben. Gleichzeitig glauben in den USA laut einem Bericht von PBS NewsHour nur noch etwa ein Drittel der Amerikaner, dass ein vierjähriger College-Abschluss die Kosten wert ist.
Untersuchung der Studienkredit-Bedingungen in England
Das Treasury Committee führt eine Untersuchung zur Besteuerung von Absolventen durch, wobei alle Studienkreditpläne in England auf ihre Angemessenheit geprüft werden. Mehr als 52.000 Personen haben auf einen Aufruf zur Beweisaufnahme reagiert. Laut den Ergebnissen gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass sie die Bedingungen, die sie unterzeichnet hatten, nicht verstanden hätten.
Die Untersuchung konzentriert sich insbesondere auf die Frage, ob die aktuellen Rückzahlungsmechanismen de facto als eine Form der „Absolventensteuer“ fungieren, da viele Kreditnehmer die Gesamtsumme ihrer Schulden aufgrund der Zinsstruktur niemals vollständig tilgen werden. Die eingereichten Beweise enthalten zahlreiche Berichte über die Student Loans Company (SLC), die als Administrator der Kredite fungiert und von Betroffenen häufig für mangelnde Transparenz bei der Zinsberechnung kritisiert wird.
Die Frustration über das System ist laut den Verantwortlichen erheblich.
Die massive Dimension und Stärke der Frustration und Verärgerung ist gewaltig.
Dame Meg Hillier, Vorsitzende des Treasury Committee
Das Department for Education (DfE) gab an, die Bedenken der Absolventen bezüglich des Rückzahlungssystems zu verstehen. Die Behörde erklärte, dass Schritte unternommen worden seien, um das System fairer zu gestalten
. Zu diesen Maßnahmen gehören die Anhebung der Rückzahlungsschwelle sowie die Deckelung der maximalen Zinssätze im laufenden Jahr. In offiziellen Stellungnahmen betonte das DfE, dass die Anpassungen darauf abzielen, die monatliche Belastung für Geringverdiener zu reduzieren, während die langfristige Nachhaltigkeit der Finanzierung gesichert bleibt.
Finanzielle Belastungen durch Plan 2-Kredite
Ein zentraler Punkt der Kontroverse sind die sogenannten Plan 2-Kredite. Diese wurden in England zwischen September 2012 und Juli 2023 vergeben und werden derzeit noch in Wales ausgegeben. Absolventen mit diesen Krediten müssen 9 % ihres Einkommens zurückzahlen, sofern dieses die Rückzahlungsschwelle übersteigt. Aktuell liegt diese Schwelle bei 28.470 £.
Kritiker innerhalb des Treasury Committee weisen darauf hin, dass die Zinsen für Plan 2-Kredite an den Einzelhandelspreisindex (RPI) gekoppelt sind, was in Zeiten hoher Inflation zu einem exponentiellen Anstieg der Gesamtschuld führt, selbst wenn regelmäßige Zahlungen geleistet werden. Dies schafft eine Situation, in der die Zinsen schneller steigen als die Tilgungsraten.
Die finanzielle Belastung für die Betroffenen wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich erhöhen. Die Schwelle wird von 2027 bis 2030 bei 29.385 £ eingefroren, anstatt mit der Inflation zu steigen. Dies führt dazu, dass Absolventen effektiv früher mit der Rückzahlung beginnen und ein größerer Anteil ihres Gehalts für die Tilgung der Studienkredite aufgewendet werden muss, als dies zuvor der Fall war. Diese politische Entscheidung zur Einfrierung der Schwelle wurde als Maßnahme zur fiskalischen Konsolidierung des Staatshaushalts gerechtfertigt.
Sinkende Attraktivität von Hochschulabschlüssen in den USA
Parallel zu den rechtlichen Auseinandersetzungen in England zeigt sich in den USA eine Verschiebung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung des akademischen Wertes. Ein Bericht von Fred de Sam Lazaro im Rahmen der Serie Rethinking College
für PBS NewsHour stellt fest, dass nur noch etwa ein Drittel der Amerikaner der Ansicht ist, dass ein vierjähriger College-Abschluss die damit verbundenen Kosten rechtfertigt.
Lazaro berichtet, dass diese Skepsis insbesondere durch die stagnierenden Reallöhne in bestimmten akademischen Berufsfeldern und die massiven Schuldenlasten verstärkt wird. Laut PBS NewsHour wird dies durch den sogenannten „Enrollment Cliff“ verschärft – ein prognostizierter Rückgang der Zahl potenzieller Studenten ab 2025, der auf einen Geburtenrückgang während der Finanzkrise von 2008 zurückzuführen ist. Dies setzt Institutionen unter Druck, ihre Preisgestaltung und ihren Wertbeitrag neu zu definieren.
Diese Entwicklung geht mit einer zunehmenden Skepsis von Studenten und ihren Familien einher. Die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Studiums wird immer häufiger gestellt, während viele Colleges landesweit mit sinkenden Einschreibungszahlen konfrontiert sind. In Gesprächen mit Bildungsökonomen hebt die PBS-Serie hervor, dass die „College-Prämie“ – der Einkommensvorteil von Absolventen gegenüber Personen ohne Abschluss – in einigen Fachrichtungen spürbar gesunken ist.
Anpassungen im US-Bildungssystem
Als Reaktion auf die schwindende Attraktivität und die finanziellen Hürden haben Bildungseinrichtungen in den USA begonnen, ihre Strukturen anzupassen. Mehr als 60 Institutionen bieten ihren Studenten mittlerweile einen schnelleren Weg zum Abschluss an, um die Zeit bis zum Berufseinstieg zu verkürzen und die Kosten zu senken.
Zu diesen Modellen gehören kompetenzbasierte Bildungsprogramme, bei denen Studenten Fortschritte basierend auf nachgewiesenen Fähigkeiten statt auf verbrachten Semesterstunden machen. Einige Institutionen haben zudem Partnerschaften mit Unternehmen geschlossen, um Zertifizierungen zu integrieren, die einen direkten Übergang in den Arbeitsmarkt ermöglichen, ohne dass ein vollständiger vierjähriger Zyklus erforderlich ist.
Die Kombination aus den parlamentarischen Untersuchungen in England und den sinkenden Überzeugungen in den USA verdeutlicht eine globale Phase der Neubewertung akademischer Finanzierungsmodelle und deren tatsächlichen Wert für die Absolventen. Während in England die Fokussierung auf die Transparenz der Rückzahlungsbedingungen und die soziale Gerechtigkeit der Zinsen liegt, kämpfen US-Institutionen primär gegen den Verlust an Attraktivität ihrer traditionellen vierjährigen Programme.