Neue Messungen der Marssonde TGO offenbaren unerwartete Gasemissionen und Risse in der Alba-Mons-Region. Entgegen der bisherigen Annahme, der Planet sei geologisch inaktiv, stiegen im Sommer messbare Mengen Chlorwasserstoff aus dem Untergrund auf. Internationale Forschende vermuten dahinter schlafende Magmakammern und aktive hydrothermale Systeme.
TGO-Daten enthüllen Chlorwasserstoff in der Alba-Mons-Region
Seit Oktober 2016 umkreist der ExoMars Trace Gas Orbiter (TGO) den roten Planeten und analysiert die Atmosphäre auf Spurengase. Dabei entdeckte das Forschungsteam um Alexander Trokhimovskiy vom Weltraumforschungsinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften eine auffällige Verteilung von Chlorwasserstoff. Auf der Erde tritt dieses gasförmige Salz häufig aus Magmaschloten aus. Auf dem Mars weicht das Vorkommen jedoch von globalen Staub- und Wasserkreisläufen ab und variiert je nach Jahreszeit.
Geologische Aufnahmen der Raumsonde zeigten frische, teils mehrere hundert Meter lange Risse über den Flanken des gigantischen Vulkans Alba Mons. Während des eisigen Winters mit Temperaturen von bis zu minus 120 Grad Celsius verschließen Eismassen diese feinen Spalten im Boden. Zu Beginn des Sommers öffnen sie sich, wodurch Magmagase aus dem Untergrund entweichen können. Colin Wilson, Projektwissenschaftler der Mission bei der ESA, unterstreicht die Tragweite der Entdeckung: Diese Erkenntnisse könnten sich als der bislang größte Erfolg von TGO erweisen.

Magmakammern und innere Wärme im Untergrund
Die am Mittwoch im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Studie stellt die langjährige wissenschaftliche Annahme infrage, dass der Mars geologisch tot ist. Daniel Mège von der Polnischen Akademie der Wissenschaften erläuterte die Tragweite der Beobachtungen zur vulkanischen Aktivität.
Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Mars ausreichend innere Hitze gespeichert hat, um vulkanische Aktivität bis jüngst zu unterstützen, und dies möglicherweise noch immer tut
Daniel Mège, Polnische Akademie der Wissenschaften
Ausbrüche oder neue Lavaflüsse wurden von Fachleuten bislang zwar nicht direkt beobachtet. Allerdings verzeichnete die europäische Raumfahrtagentur ESA in den letzten Millionen Jahren Aktivitäten an den größten Vulkanen des Sonnensystems sowie Erdbeben auf dem Planeten.
Suche nach extraterrestrischem Leben in hydrothermalen Systemen
Die Entdeckung rückt auch die Astrobiologie in den Fokus. Wenn aufsteigende Lava auf unterirdisches Grundwasser trifft, können hydrothermane Systeme entstehen und Restwärme freisetzen. Mège sieht in den Rissen deshalb einen sinnvollen Ausgangspunkt für die Suche nach Marsleben.
Wenn hydrothermale Systeme aktiv sind, könnten sie die Zutaten und die Energie enthalten, die notwendig sind, damit sich Mikroorganismen entwickeln, und sie könnten Mikroorganismen vor der feindlichen und wechselnden Umwelt über der Oberfläche schützen.
Daniel Mège, Polnische Akademie der Wissenschaften
Die dortige Umgebung könnte demnach ideale Bedingungen bieten, um mögliche frühe Lebensformen vor den extremen Bedingungen an der Oberfläche des Roten Planeten abzuschirmen.