Neue Messungen im 3900 Kilometer langen Valles Marineris auf dem Mars beweisen, dass das größte Canyonsystem des Sonnensystems bis heute tektonisch aktiv ist. Ein Forschungsteam wertete seismische Daten der NASA-Mission InSight aus und entdeckte ein Marsbeben, das tief unter der Oberfläche durch horizontale Gleitbewegungen ausgelöst wurde.
Der Mars galt in der Wissenschaft lange als geologisch tot. Neue Auswertungen von Messdaten aus dem riesigen Grabenbruchsystem Valles Marineris widerlegen diese Annahme nun grundlegend. Das Canyonsystem erstreckt sich über fast 3900 Kilometer, misst bis zu 600 Kilometer in der Breite und reicht mehr als neun Kilometer in die Tiefe.
Das seismische Signal S0976a der NASA-Mission InSight
Ein entscheidender Durchbruch gelang einem Forschungsteam bei der Analyse von Daten, die das NASA-Landegerät InSight am 25. August 2021 auf dem Mars aufgezeichnet hatte. Das Seismometer an Bord registrierte das Signal S0976a, welches das einzige seismische Ereignis während der gesamten Mission in der westlichen Hemisphäre des Planeten blieb. Um andere Ursachen auszuschließen, prüften die Forschenden alternative Erklärungen wie Meteoriteneinschläge oder Hangrutsche. Satellitenaufnahmen bestätigten jedoch weder neue Einschlagskrater noch Massenbewegungen in der Region.

Valles Marineris ist eine der spektakulärsten geologischen Formationen im gesamten Sonnensystem, doch bisher wussten wir nicht mit Sicherheit, ob seine Verwerfungen noch aktiv sind.
Jung-Hun Song, Imperial College in London
Marsbeben durch Blattverschiebung im westlichen Valles Marineris
Als beste Erklärung ermittelte das Team ein Marsbeben vom Typ Blattverschiebung, bei dem sich Krustenblöcke horizontal an einer steilen, tiefen Verwerfung vorbeibewegen. Dieses Beben ereignete sich laut der im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Studie in einer Tiefe von 20 bis 40 Kilometern unter dem westlichen Valles Marineris. Laut Folarin Kolawole, Geologe an der Columbia Climate School, bietet der Mars der Wissenschaft ein ganz anderes natürliches Experiment
.
Die Erkenntnisse zeigen, dass Milliarden Jahre alte Verwerfungen auf dem Mars auch ohne ein System sich bewegender tektonischer Platten noch aufbrechen können. Die InSight-Mission, deren Seismometer SEIS während ihrer vierjährigen Laufzeit mehr als 1300 Marsbeben registrierte, endete im Dezember 2022 nach einer Verstaubung der Solarmodule. Die gesammelten Daten ermöglichen der Forschung jedoch weiterhin neue Einblicke in das Innere des Roten Planeten.