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Technik und Wissenschaft

Swiss TPH schätzt Zahl der Hitzetoten in der Schweiz auf 1260

Im vergangenen Sommer sind in der Schweiz schätzungsweise 1260 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Diese vorläufigen Zahlen des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) liegen deutlich über der bisherigen Annahme von rund 600 Opfern und verdeutlichen die gesundheitlichen Risiken anhaltend hoher Temperaturen. Die Analyse wurde im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) erstellt, da der Sommer 2026 als der heisseste seit Messbeginn in die Geschichte des Landes eingeht.

Präzisere Daten zur Hitzesterblichkeit

Die neuen Berechnungen basieren auf einem umweltepidemiologischen Modell, das die täglichen Sterberaten mit den gemessenen Tagesmitteltemperaturen verknüpft. Dabei berücksichtigten die Forscher auch verzögerte Effekte der Hitze auf die Sterblichkeit von bis zu sieben Tagen. Die Wissenschaftler betonen, dass der Wert auf viel besseren Daten beruht als das Ergebnis der bisherigen Übersterblichkeitskalkulation. Bei der bisherigen Methode wurden Hitzetote häufig nicht korrekt erfasst, da solche Todesfälle oft unter anderen Ursachen wie etwa Krebs verbucht wurden.

Die Daten verdeutlichen, dass Hitze die Naturgefahr ist, die in der Schweiz die meisten Todesfälle verursacht. Während man für den Zeitraum zwischen Anfang Mai und Ende August bisher von etwa 600 Opfern ausging, korrigierte das Swiss TPH diesen Wert nun auf 1260.

Swiss TPH schätzt Zahl der Hitzetoten in der Schweiz auf 1260
Foto: tagesanzeiger.ch

Besondere Risiken für ältere Menschen

Besonders kritisch sind dabei Tage mit einer Tagesmitteltemperatur von mindestens 25 Grad. Etwa 70 Prozent der Betroffenen starben an solchen als heiss oder sehr heiss eingestuften Tagen.

Diese provisorischen Ergebnisse zeigen, dass Hitze nach wie vor viele Todesfälle fordert, insbesondere an den heißesten Tagen.

Martina Ragettli, Leiterin für Klima, Gesundheit und Politik am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH)

Herausforderungen für die Zukunft

Obwohl die Schweiz heute besser auf Hitzewellen vorbereitet ist als im Rekordsommer 2003, stossen die aktuellen Schutzmassnahmen an ihre Grenzen. Ragettli stellt fest, dass zwar Anzeichen einer Anpassung an moderate Hitze erkennbar seien, dies jedoch für extreme Hitzeereignisse weniger gelte. Die Expertin warnt vor einer zunehmenden Gefährdung:

Es gibt Anzeichen für eine Anpassung an mäßige Hitze, bei extremer Hitze ist dies jedoch weniger der Fall. Ältere Menschen sind nach wie vor am stärksten betroffen, aber auch jüngere Menschen sind gefährdet. Da in Zukunft weitere heiße Sommer zu erwarten sind, müssen die Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit weiter gestärkt werden.

Martina Ragettli, Leiterin für Klima, Gesundheit und Politik am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH)

Die Wissenschaftler sind sich einig, dass die Schweiz bei den Schutzmassnahmen erst am Anfang steht. Insbesondere die Art und Weise, wie Städte und Häuser gebaut werden, müsse künftig besser mit der Zunahme sehr heisser Tage Schritt halten. Da die Temperaturen und die Anzahl der Hitzetage weiter steigen, sei ein Ausbau der Prävention unausweichlich.

Die aktuell vorliegenden Zahlen sind provisorisch und umfassen lediglich den Zeitraum von Mai bis August 2026. Eine umfassende Analyse mit den endgültigen Werten, die auch den September einschliessen wird, soll im Frühjahr 2027 veröffentlicht werden.

Unser früherer Bericht: In diesem Sommer sind in der Schweiz schätzungsweise 1260 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.