In diesem Sommer sind in der Schweiz schätzungsweise 1260 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben.
Hitzebedingte Todesfälle erreichen Höchststand seit 2003
Der Hitzesommer 2026 wird als der heißeste seit Messbeginn in die Geschichte eingehen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beauftragte das Swiss TPH mit einer Analyse der Sterblichkeit. Die Ergebnisse liegen im Dokument «Sommer 2026: Erste Schätzung der hitzebedingten Todesfälle in der Schweiz» vor.
Statistisch sind 14 Todesfälle pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner der Hitze zuzuschreiben. Das entspricht gut fünf Prozent aller Todesfälle in diesem Zeitraum. Diese Zahlen liegen deutlich über den Werten der Vorjahre, ähneln aber in der Größenordnung dem Hitzesommer 2003.
Schätzung von 1260 Hitzetoten
Martina Ragettli, Leiterin der Forschungsgruppe Klima und Gesundheit am Swiss TPH, ordnet die Befunde ein:
Ich gehe davon aus, dass wir ohne solche Massnahmen dieses Jahr noch mehr Hitzetote gehabt hätten.

Präzisere Berechnung durch neues Modell
Die Schätzung basiert auf einem umweltepidemiologischen Modell, das tägliche Sterbedaten mit Tagesmitteltemperaturen verknüpft. Im Gegensatz zur klassischen Übersterblichkeitskalkulation ermöglicht diese Methode eine präzisere Zuordnung.
Ein Vorteil ist die Berücksichtigung von verzögerten Effekten: Die gesundheitlichen Folgen der Hitze wirken bis zu sieben Tage nach. Der Wert von 1260 bleibt eine Schätzung. Er stützt sich jedoch auf eine solidere Datenbasis als frühere Berechnungen. Diese ließen Hitzetote, die unter anderen Diagnosen wie Krebs erfasst wurden, oft unberücksichtigt.
Hitzetote im Sommer 2026
Rund 85 Prozent der verstorbenen Personen waren 75 Jahre oder älter. Der Körper dieser Altersgruppe hat größere Schwierigkeiten, sich an hohe Temperaturen anzupassen.
Etwa 70 Prozent der Betroffenen starben an Tagen mit einer Durchschnittstemperatur von mindestens 25 Grad. Die Forscher unterscheiden dabei zwischen «heißen» Tagen (mindestens 25 Grad) und «sehr heißen» Tagen (mindestens 27 Grad).
Die Ergebnisse bestätigen einmal mehr: Hitze ist die Naturgefahr, die in der Schweiz die meisten Todesfälle verursacht.
Wissenschafter des Swiss TPH
Anpassung von Prävention und Bauweise
Martina Ragettli warnt davor, sich auf bisherigen Anpassungsleistungen auszuruhen. Während erste Anzeichen einer Akklimatisierung an moderate Wärme sichtbar seien, fehle diese bei extremer Hitze weitgehend. Die Schweiz steht bei den Schutzmaßnahmen erst am Anfang.
In Zukunft ist mit weiteren heißen Sommern zu rechnen. Die öffentliche Gesundheitsprävention, die städtebauliche Planung und die Bauweise von Häusern müssen konsequent auf die Zunahme der Hitzetage ausgerichtet werden. Das aktuelle Tempo der Schutzmaßnahmen hält mit der klimatischen Entwicklung derzeit nicht Schritt.
Die vorliegenden Daten sind vorläufig, da der September 2026 noch nicht einfloss. Ein Bericht mit definitiven Zahlen für den gesamten Sommer sowie tiefergehende Analysen folgen im Frühjahr 2027.
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