Südkoreas Aktienmarkt hat am Dienstag einen historischen Einbruch erlebt, als der Kospi-Index um mehr als sieben Prozent einbrach und unter die Marke von 6.000 Punkten fiel. Nach Angaben von Bloomberg AISubscribe und Associated Press (AP) wurde der südkoreanische Aktienmarkt von den weltweiten Verlusten im Technologiesektor mitgerissen; laut US News sank der Kospi um 7,4 % auf 5.914,35 Punkte, den niedrigsten Stand seit Juli. Auslöser waren globale Sorgen über eine Überhitzung im Technologiesektor und neue Konkurrenz aus China bei fortschrittlichen Speichersummen.
Talfahrt an der Börse in Seoul
Der KOSPI stürzte im Tagesverlauf um über 6 Prozent ab (laut Chosun-Angaben exakt 6,09 % auf 5.995,18 Zähler um 10:52 Uhr) und fiel unter die psychologisch wichtige Marke von 6.000 Zählern. Der südkoreanische Aktienmarkt hat in den vergangenen Monaten eine dramatische Kehrtwende vollzogen: Laut Business Insider ging es für den Kospi, der im ersten Halbjahr noch der weltweit am besten laufende wichtige Aktienindex war, im zweiten Halbjahr um etwa 24 % abwärts, womit er zum schlechtesten großen Markt im zweiten Halbjahr wurde. Vom weltweiten Spitzenreiter im ersten Halbjahr entwickelte sich der Index im zweiten Halbjahr zum schwächsten großen Markt.
Um die extremen Kursverluste zu dämpfen, aktivierte die Börsenaufsicht am Vormittag einen programmgemäßen Handelsstopp. Laut Chosun-Berichten wurde gegen 9:47 Uhr ein sell-side circuit breaker ausgelöst, um den programmgemäßen Verkauf vorgehend zu stoppen. Es war der erste sell-side circuit breaker seit dem 19. August (bzw. nach Chosun-Angaben vor etwa zwei Monaten). Trotz der vorübergehenden Unterbrechung blieben die Kurse unter Druck. Der Leitindex schloss schließlich mit einem Minus von 5,5 Prozent bei 6.035,35 Punkten (wobei Bloomberg AISubscribe ebenfalls von einem Minus von 5,5 % zum Handelsschluss berichtet, während andere Quellen wie econotimes.com einen Sturz um 7,2 % auf 5.923,37 Zähler verzeichnen). Nach Angaben der Korea Exchange wurde der Handel kurzzeitig ausgesetzt, um übermäßige Volatilität einzudämmen; es handelte sich hierbei um die erste derartige Handelsunterbrechung seit August. Der Index startete bei 6.185,41 Punkten in den Handel, was einem Abschlag von 3,11 Prozent gegenüber dem Vortag entsprach, und weitete die Verluste im weiteren Verlauf deutlich aus.
In Seoul gerieten insbesondere die beiden großen südkoreanischen Speicherchip-Hersteller massiv unter Druck. Die Aktien von Samsung Electronics und SK Hynix verzeichneten im Handelsverlauf erhebliche Kursverluste, wodurch beide Titel auf ihre tiefsten Intraday-Stände seit August absackten. Die Kursverluste führten dazu, dass beide Unternehmen, die zusammen mehr als die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung des südkoreanischen Aktienmarktes ausmachen, ihre Verlustserien auf fünf Handelssitzungen ausweiteten.

Chinesische Konkurrenzpläne setzen Samsung und SK Hynix unter Druck
Im Zentrum des Ausverkaufs standen die beiden schwersten Aktien des Landes: Samsung Electronics und SK Hynix. Die Papiere brachen im Laufe des Handels laut Chosun und Bloomberg um rund 7 Prozent bis 9,03 Prozent ein (Chosun nennt Kurse von 232.000 südkoreanischen Won für Samsung und 1,46 Millionen Won für SK Hynix, was Rückgängen von 7,39 % beziehungsweise 9,03 % entspricht) und verbuchten damit den fünften Verlusttag in Folge.
Analysten führten den Verkaufsdruck primär auf neue technologische Fortschritte von ChangXin Memory Technologies (CXMT) zurück. Der chinesische Konkurrent hatte angekündigt, bis Jahresende servergeeignete DDR5-Speichermodule mit einer neuartigen 4F²-Struktur auf den Markt zu bringen. Chosun und Finance.yahoo.com erläutern dazu ergänzend, dass diese 4F²-Struktur die Fläche einer Speicherzelle (der kleinsten Einheit zum Speichern von Daten in DRAM) beschreibt, die theoretisch rund 33 % kleiner ist als die weithin verwendete 6F²-Struktur, wodurch aus einem einzigen Wafer mehr Chips hergestellt werden können.
Kim Yun-jeong erklärte laut LS Securities, dass KI- und Technologieaktien einschließlich der Speicherchip-Hersteller aufgrund von Fortschritten in der DRAM-Technologie durch das chinesische Unternehmen CXMT niedriger gehandelt werden.
Der internationale Druck verstärkte sich, da auch US-amerikanische Technologiegiganten wie NVIDIA (-1,3 %), Micron (-3,9 %) und AMD (-2,3 %) im Vorfeld schwächelten (wobei Chosun und US News diese exakten US-Werte sowie einen Rückgang des Philadelphia Semiconductor Index um 2,67 % bestätigen). Der Philadelphia Semiconductor Index gab um 2,7 Prozent nach.
Investoren zweifeln an der Nachhaltigkeit des Boom-Zyklus
Trotz glänzender Geschäftszahlen – erst kürzlich hatte Samsung einen Rekordgewinn von 80 Milliarden US-Dollar für das Quartal in Aussicht gestellt (wobei Yahoo Finance diesen Wert als vorläufigen Rekordgewinn für das dritte Quartal ausweist, während Business Insider meldet, Samsung habe einen fast neunmal höheren Quartalsbetriebsgewinn prognostiziert) – reagieren die Märkte zunehmend skeptisch.
E.T. Lee und D.E. Lee teilten mit, Investoren betrachten Halbleiter nach wie vor als zyklische Branche und seien weiterhin skeptisch, was die Fähigkeit des Sektors angeht, nachhaltige Gewinne zu erwirtschaften.
Während südkoreanische Hersteller extrem stark von reinen Speicherchips abhängen und die beiden Firmen laut Yahoo Finance mehr als die Hälfte der Gesamtkapitalisierung des südkoreanischen Aktienmarktes ausmachen, profitiert beispielsweise der taiwanesische Markt durch TSMC von einer breiteren Aufstellung in der gesamten Halbleiter-Infrastruktur. Der Taiex-Index schnitt im dritten Quartal dadurch deutlich besser ab als der Kospi; laut Business Insider übertraf der Taiex den Kospi im dritten Quartal um mehr als 23 Prozentpunkte.
Geopolitische Spannungen belasten die Weltmärkte
Neben den Technologiewerten lasteten auch geopolitische Spannungen auf den Börsen. Die Notierungen für Rohöl gaben leicht nach (laut US News fiel Brent-Rohöl um 1,4 % auf 105,20 Dollar je Barrel und US-Rohöl um 1,5 % auf 92,34 Dollar), blieben jedoch nach Zwischenfällen im Nahen Osten – wie von ING-Rohstoffstrategen Warren Patterson und Ewa Manthey hervorgehobenen Houthi-Angriffen auf saudi-arabische Infrastruktur – auf erhöhtem Niveau. Anleger blickten zudem mit Spannung auf bevorstehende US-Verbraucherpreisdaten und die anlaufenden Quartalsberichte großer amerikanischer Banken wie JPMorgan Chase, Citigroup und Wells Fargo (ergänzt durch Econotimes und US News, die zudem Goldman Sachs nennen).
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