Eine repräsentative Studie der Universität Zürich vom 16. Juni 2026 zeigt, dass 31 Prozent der 18- bis 24-jährigen Männer in der Schweiz ein dominantes Männlichkeitsbild vertreten. Fast die Hälfte dieser Altersgruppe befürchtet, dass echte Männer gesellschaftlich an den Rand gedrängt werden, was laut Forschenden mit einer höheren Gewaltakzeptanz korreliert.
Der Faktor M: Dominanz und Bedrohung bei jungen Männern
Photo: Watson
Die Forschenden des Jacobs Center for Productive Youth Development an der Universität Zürich haben zur Messung von Geschlechterrollen einen neuen Indikator entwickelt, den sie als Faktor M bezeichnen. Dieser Wert bündelt Einstellungen zu traditionellen Rollenbildern, die Wahrnehmung einer bedrohten männlichen Identität sowie Skepsis gegenüber der Gleichstellung. Laut einem Bericht von Watson verbindet ein hoher Faktor M Männlichkeit stark mit Härte, Dominanz und Abgrenzung.
Die Daten offenbaren eine deutliche Kluft zwischen den Altersgruppen. Während über alle Befragten hinweg jeder fünfte Mann einen hohen Faktor-M-Wert aufweist, steigt dieser Anteil bei den 18- bis 24-Jährigen auf 31 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Frauen liegt dieser Wert lediglich bei 7 Prozent.
Der Faktor M definiert sich unter anderem über folgende Kernpunkte:
Die Ansicht von Männlichkeit als naturgegebene Bestimmung und Überlegenheit.
Ein eindeutiges, binäres und gestaltbares Geschlechterverständnis.
Das Erleben von Männlichkeit als bedroht und verteidigungswürdig.
Die Legitimation von Dominanz, Gewalt und Abgrenzung.
Werteverlust und die Angst vor der Feminisierung
Photo: UZH News
Besonders bei der jüngsten Generation von Männern ist ein ausgeprägtes Bedrohungsgefühl spürbar. Laut 20 Minuten stimmen 50,3 Prozent der 18- bis 24-Jährigen der Aussage zu, dass es sie besorgt, wenn viele Männer sich mittlerweile immer weiblicher verhalten.
Dieser Trend geht mit einer wahrgenommenen Erosion klassischer Tugenden einher. 57,2 Prozent der jungen Männer sind der Meinung, dass Werte wie Stärke, Mut und Ehre an Bedeutung verlieren. Fast jeder zweite Mann in dieser Altersgruppe äußert zudem die Sorge, dass richtige Männer an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.
Die Forschenden stufen diese Ergebnisse als wichtiges Signal für Politik und Bildungseinrichtungen ein. Sie weisen darauf hin, dass traditionelle Rollenbilder bei einem relevanten Teil der jungen Bevölkerung weiterhin stark verankert sind und oft mit einer Ablehnung des gesellschaftlichen Wandels einhergehen.
Zusammenhang zwischen Männlichkeitsnormen und Gewalt
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Die Studie stellt eine direkte Verbindung zwischen dem Faktor M und der Akzeptanz von Gewalt her. Je höher der gemessene Wert, desto wahrscheinlicher ist es, dass Betroffene in Partnerschaften Gewalt ausüben oder selbst davon betroffen sind. Laut blue News korrelieren diese dominanten Vorstellungen häufig mit frauen- und queerfeindlichen Einstellungen.
Interessanterweise berichteten Männer in der Befragung deutlich häufiger von sogenannter niederschwelliger körperlicher Gewalt als Frauen. Dies umfasst Handlungen wie Ohrfeigen, Stoßen oder das Werfen von Gegenständen.
Wer in Beziehungen männliche Dominanzansprüche, Geringschätzung von Frauen und Kontrollverhalten als normal einordnet, hat ein höheres Risiko, auf beiden Seiten dieser Dynamik zu stehen.
Denis Ribeaud, Studienleiter
Digitale Sozialisation und der Einfluss der Manosphere
Warum gerade junge Männer so stark zu diesen Ansichten neigen, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die Autoren der Studie vermuten jedoch generationenspezifische Einflüsse. Ein zentraler Faktor ist die digitale Sozialisation. Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube verbreiten Männlichkeitsbilder, die Status, Härte und Dominanz betonen.
Wie Nau berichtet, empfehlen die Forschenden, junge Menschen gezielt für die Mechanismen von Algorithmen und die Botschaften sogenannter Manfluencer zu sensibilisieren. Ziel ist es, problematische Inhalte besser einordnen zu können.
Zusätzlich könnten die Auswirkungen der Corona-Pandemie eine Rolle spielen, da diese in eine kritische Phase der Identitätsbildung für die heutige Altersgruppe fiel. Die Kombination aus digitalem Einfluss und sozialen Einschränkungen könnte die Entwicklung starrer Rollenbilder begünstigt haben.
Präventionsansätze und die Rolle der Väter
Um gewaltbegünstigenden Vorstellungen entgegenzuwirken, plädieren die Experten für eine systematische Förderung der Auseinandersetzung mit Männlichkeit, beginnend im Schulalter. Laut UZH News sollten pädagogische Fachkräfte bereits in ihrer Ausbildung Kompetenzen zur Bearbeitung des Faktor M erhalten.
Die Empfehlungen der Forschenden zur Prävention lassen sich in mehreren Kernbereichen zusammenfassen:
Bildung: Stärkere Verankerung von Gleichstellung und gewaltfreier Konfliktlösung in Schulen.
Soziale Integration: Besondere Unterstützung für junge Männer mit schlechten Bildungs- oder Berufsperspektiven, um Frustration und Ausgrenzung entgegenzuwirken.
Sexualkompetenz: Aufklärung, die über Biologie hinausgeht und gegenseitigen Respekt sowie den Umgang mit Zurückweisung thematisiert.
Väterarbeit: Förderung der Präsenz von Vätern im Familienalltag, was positiv auf die emotionale Entwicklung der Kinder und den schulischen Erfolg wirkt.
Die zentrale Präventionsbotschaft lautet: Es gibt nicht nur eine richtige Form von Männlichkeit. Männlichkeit ist gestaltbar: Du kannst so oder anders Junge sein und Mann werden.
Markus Theunert, Co-Geschäftsleiter von männer.ch
Die Studie, die mit rund 6.000 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren durchgeführt wurde, bildet die erste repräsentative Datenerhebung dieser Art für die Schweiz. Die Forschenden planen nun weitere Analysen, um den Zusammenhang zwischen dem Faktor M und der Mediennutzung, dem Freizeitverhalten sowie der Gesundheit genauer zu untersuchen.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
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