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Technik und Wissenschaft

Studie: Enkelkinder verstärken Klimasorgen von Großeltern nicht

Entgegen einer verbreiteten Erwartung führt die Geburt von Enkelkindern im Durchschnitt offenbar nicht dazu, dass sich Großeltern stärker um den Klimawandel sorgen. Das zeigt eine Auswertung von Bevölkerungsdaten aus dem Vereinigten Königreich, die von Forschungsteams an den Universitäten in Trier und Groningen durchgeführt wurde.

Studie an den Universitäten Trier und Groningen untersucht britische Langzeitdaten

Wer ein Kind der nächsten Generation im Arm hält, denkt vielleicht intensiver über dessen künftige Lebensbedingungen nach. Genau diese Annahme hat ein Forschungsteam mit Beteiligung von Dr. Lieke Voorintholt vom Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Union an der Universität Trier überprüft. Zusammen mit Prof. Dr. Gerard van den Berg und Prof. Dr. Adriaan Soetevent von der Universität Groningen ging das Team der Frage nach, ob sich die Haltung älterer Menschen zum Klimaschutz nach der Geburt von Enkelkindern messbar verändert.

Für ihre Untersuchung griffen die Forschenden auf Daten der britischen Langzeitbefragung Understanding Society zurück. Bei einer solchen Erhebung werden dieselben Personen über viele Jahre hinweg wiederholt befragt, wodurch sich individuelle Veränderungen im Laufe des Lebens nachvollziehen lassen. Durch die Angaben der Teilnehmenden zu ihrer Familiensituation ließ sich genau bestimmen, zu welchem Zeitpunkt sie Großeltern wurden. Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Fachblatt European Economic Review erschienen.

Keine relevante Zunahme der gemessenen Klimasorgen im Durchschnitt

Das Ergebnis der Analyse widerspricht einer intuitiven Erwartung. Entgegen der Vermutung, dass familiäre Zuwächse das Umweltbewusstsein älterer Generationen stärken, zeigte sich in den statistischen Auswertungen keine spürbare Veränderung. Die Forschenden konzentrierten sich dabei auf die Zustimmung zu einer konkreten Aussage in den Fragebögen.

Ob die Studienteilnehmer dieser Aussage vor der Geburt ihrer Enkel zustimmten oder danach, machte im Durchschnitt keinen messbaren Unterschied. Verschiedene statistische Methoden bestätigten laut den Angaben der Forschenden diesen Befund. Dennoch betonen die Wissenschaftler, dass diese Durchschnittswerte nicht bedeuten, dem Klimaschutz fehle es bei älteren Menschen grundsätzlich an Bedeutung. Individuelle Veränderungen bei einzelnen Personen werden durch den Mittelwert nicht ausgeschlossen, und das allgemeine Umweltverhalten einer Familie war nicht Teil dieser spezifischen Abfrage.

Bedeutung für die Klimakommunikation und künftige Forschung

Die Erkenntnisse werfen die Frage auf, wie ältere Bevölkerungsgruppen künftig für den Umweltschutz gewonnen werden können. Initiativen wie Omas For Future zeigen zwar, dass generationenübergreifendes Engagement im Alltag existiert und für viele Menschen eine große Rolle spielt. Doch die britischen Daten verdeutlichen, dass Appelle an die Zukunft der Enkel allein als allgemeine Strategie offenbar nicht ausreichen, um bei Großeltern einen automatischen Sinneswandel auszulösen.

Möglicherweise setzt eine solche Bewusstseinsänderung auch viel früher ein, als die Geburt selbst vermuten lässt. Forschende weisen darauf hin, dass sich die Einstellung bereits mit der Aussicht auf Enkelkinder wandeln könnte — etwa dann, wenn die eigenen erwachsenen Kinder feste Partnerschaften eingehen. Ob und in welchem Maße das zutrifft, soll in künftigen Untersuchungen geprüft werden.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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