Zum Inhalt springen
Nachrichten

Steuerverwaltung Bern schliesst wegen IT-Umstellung für zehn Tage

Vom 23. Oktober bis am 1. November 2026 bleibt die Steuerverwaltung des Kantons Bern wegen einer IT-Umstellung komplett geschlossen. Telefon, Schalter, Online-Portal BE-Login und das Ausfüllprogramm TaxMe-Online sind in dieser Zeit nicht erreichbar. Die Steuererklärung 2025 erhält automatisch Fristverlängerung bis zum 30. November.

Wegen einer umfassenden und aufwendigen IT-Umstellung macht die Steuerverwaltung des Kantons Bern eine zehntägige Pause. Ab kommenden Freitag, den 23. Oktober 2026, um 16 Uhr geht nach Angaben von Bluewin bei den Behörden nichts mehr. Die Infolinie bleibt stumm, und sämtliche Schalter in Bern, Biel, Burgdorf und Thun bleiben geschlossen.

Betroffen von der Abschaltung sind auch das Online-Portal BE-Login sowie das Ausfüllprogramm TaxMe-Online. Briefe, E-Mails und Anfragen über das Kontaktformular werden während dieser Zeit nicht beantwortet. Erst ab Montag, 2. November 2026, steht die Verwaltung der Bevölkerung wieder zur Verfügung. Da die Berner Gemeinden mit denselben Systemen arbeiten, schliesst laut Mitteilung der Stadt auch die Steuerverwaltung der Stadt Bern.

Automatische Fristverlängerung für die Steuererklärung 2025

Für Steuerpflichtige, die ihre Steuererklärung 2025 noch nicht eingereicht haben, gibt es Erleichterung. Der Kanton verschiebt die letzte Frist automatisch vom 15. auf den 30. November 2026. Diese Regelung gilt für Privatpersonen ebenso wie für Firmen und Vereine. Wer bereits eine Verlängerung bis Mitte November beantragt hat, muss laut den Berichten nichts weiter tun.

Bei bereits erfassten Daten in TaxMe-Online garantiert der Kanton, dass diese gespeichert bleiben. Fällt eine Einsprachefrist in die Schliessungszeit, lässt sich die Einsprache schriftlich per Post einreichen, wobei das Datum des Poststempels zählt. Arbeitgeber, die Quellensteuer abrechnen, erhalten automatisch Zeit bis zum 10. November 2026 und behalten ihre Bezugsprovision.

Vorsicht ist hingegen bei der dritten Steuerrate geboten. Die entsprechende Rechnung wurde vor der Abschaltung erstellt, landet jedoch erst Mitte November im Briefkasten, weshalb Zahlungen in der Zwischenzeit dort nicht aufgeführt werden.

Wechsel von COBOL-Großrechnern aus den 1970er-Jahren zu Java

Hinter der zehntägigen Unterbrechung steht ein technologischer Systemwechsel. Seit den frühen 1970er-Jahren liefen die Berner Steuerprogramme auf einem IBM-Grossrechner, einem sogenannten Mainframe, geschrieben in der Programmiersprache COBOL aus dem Jahr 1959. Weil es immer weniger Fachleute gibt, die COBOL beherrschen, und der Betrieb zunehmend teurer wird, stellt der Kanton auf Java um.

Die Umstellung verlief jedoch nicht gänzlich reibungslos, wie ein Vortrag des Regierungsrats an den Grossen Rat vom Februar 2025 belegt. Ursprünglich sollte der Wechsel der rund 60 Programmteile bereits Anfang 2025 abgeschlossen sein. Weil der Aufwand unterschätzt wurde, beantragte die Regierung einen Zusatzkredit von 5 Millionen Franken.

Hauptkostentreiber ist der parallele Betrieb von alter und neuer Technik, der jährlich 9 bis 11 Millionen Franken verschlingt. Die Verzögerung schlägt im Jahr 2026 mit rund 10,9 Millionen Franken und im Jahr 2027 mit rund 5,5 Millionen Franken zu Buche. Die nun angekündigte zehntägige Pause dient laut Bluewin auch dazu, ausführlich zu testen, damit bei den Veranlagungen und bei den Steuerrechnungen keine Fehler passieren.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.