SpaceX ist am 12. Juni 2026 an der Nasdaq-Börse unter dem Ticker SPCX gestartet. Mit einer Marktbewertung von 2,1 Billionen US-Dollar wurde das Unternehmen zum siebtgrößten weltweit, während CEO Elon Musk mit einem geschätzten Vermögen von 1,1 Billionen US-Dollar zum ersten Billionär der Welt aufstieg.
Der Börsengang markiert den größten IPO der Geschichte. SpaceX sammelte 75 Milliarden US-Dollar ein und übertraf damit den bisherigen Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019. Trotz eines IPO-Preises von 135 US-Dollar pro Aktie eröffnete der Titel am Freitag bei 150 US-Dollar und stieg kurz darauf auf etwa 161,75 US-Dollar, wie Forbes berichtet.
Für Investoren ist dieser Kursanstieg ein Signal: Die Märkte ignorieren die massiven Verluste des Unternehmens und setzen stattdessen auf eine Zukunft aus orbitalen Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz.
Marktbewertung gegen Realität: Die Lücke von einer Billion Dollar
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Die aktuelle Bewertung von 2,1 Billionen US-Dollar setzt SpaceX vor Giganten wie Broadcom (1,8 Billionen US-Dollar) und Saudi Aramco (1,7 Billionen US-Dollar). Doch ein Blick in die Bücher offenbart eine riskante finanzielle Lage. Zwischen Beginn des Jahres 2025 und dem 31. März 2026 verzeichnete das Unternehmen Verluste in Höhe von 8,7 Milliarden US-Dollar, so AP News.
Besonders deutlich wird die Diskrepanz im ersten Quartal 2026: Bei einem Umsatz von 4,69 Milliarden US-Dollar schrieb SpaceX einen Verlust von 4,3 Milliarden US-Dollar ein. Das bedeutet, dass das Unternehmen pro verdientem Dollar fast einen Dollar verlor.
Analysten warnen vor einer Blasenbildung. Laut Focus errechnete die Bewertungsagentur Morningstar einen fairen Wert von lediglich 780 Milliarden US-Dollar. In dieser Schätzung sind bereits die Zukunftshoffnungen wie das Starship-Programm und die Mars-Kolonisation eingerechnet. Die Differenz zwischen diesem fairen Wert und der aktuellen Marktkapitalisierung von 2,1 Billionen US-Dollar entspricht somit rund einer Billion US-Dollar an reiner Spekulation.
Dieser Verlauf erinnert an den März 2000 und den Aufstieg von Cisco Systems, dessen Bewertung damals ebenfalls weit über den fundamentalen Werten lag, bevor die Dotcom-Blase platzte.
Die Strategie: Satelliten, KI und die Mars-Vision
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Warum sind institutionelle Anleger wie BlackRock oder staatliche Fonds aus Norwegen und Saudi-Arabien bereit, diese Risiken einzugehen? Die Antwort liegt in der Transformation von SpaceX: Weg vom reinen Raketenbauer, hin zu einem integrierten Hochtechnologie-Imperium.
Der profitabelste Arm ist derzeit Starlink. Mit zehn Millionen Abonnenten erwirtschaftete das Satelliten-Internet im letzten Jahr einen operativen Gewinn von 7,2 Milliarden US-Dollar. Doch das eigentliche Ziel ist weitaus ambitionierter. SpaceX plant, eine Million Satelliten in den Orbit zu schießen, die als Rechenzentren für Künstliche Intelligenz fungieren sollen. Damit will das Unternehmen direkte Konkurrenz zu KI-Giganten wie OpenAI und Anthropic werden.
„das Leben multiplanetar zu gestalten.“
Elon Musk, CEO von SpaceX
Musk betonte bei der feierlichen Glockenläutung an der Nasdaq, dass die Vision nicht nur einige wenige Astronauten betrifft, sondern die gesamte Menschheit. Er erklärte, dass SpaceX Menschen zum Mond, zum Mars und darüber hinaus bringen wolle. Um diese Ziele zu erreichen, benötigt das Unternehmen jedoch kontinuierlich Milliardenbeträge, die weit über den aktuellen Einnahmen aus dem Raketengeschäft liegen.
Governance-Risiken und die Macht von Elon Musk
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Neben den finanziellen Risiken sorgt die Machtstruktur des Unternehmens für Beunruhigung. Musk kontrolliert zwischen 82 % und 85 % der Stimmrechte, was ihm eine fast absolute Kontrolle über alle strategischen Entscheidungen gibt.
Diese Konstellation führte zu einer Intervention der US-Politik. Senatorin Elizabeth Warren forderte in einem 12-seitigen Brief an die SEC eine verzögerte Zulassung des Börsengangs. Sie argumentierte, dass die Bewertung eine sorgfältige SEC-Prüfung rechtfertige und hinterfragte, ob Indexfonds die Anleger ausreichend schützen.
Kritiker sehen in diesem Modell eine Gefahr für öffentliche Aktionäre. Die Rechte der neuen Investoren seien deutlich geringer als bei traditionellen öffentlichen Aktiengesellschaften.
„praktisch jeden möglichen Weg für Aktionäre, überhaupt Einfluss zu nehmen, abschließt.“
Ann Lipton, Rechtsprofessorin an der University of Colorado, Boulder
Die Anleger kaufen somit nicht nur eine Aktie an einem Raumfahrtunternehmen, sondern setzen fast ausschließlich auf die Person Elon Musk und seine Fähigkeit, technische Durchbrüche in kommerzielle Erfolge zu verwandeln.
Was für die Anleger jetzt zählt
Die Marktreaktion zeigt, dass die Euphorie derzeit überwiegt. Retail-Investoren haben bereits Bestellungen im Wert von über 100 Milliarden US-Dollar platziert. Doch während NPR betont, dass SpaceX nun massiv auf KI und Weltraum setzt, bleibt die Frage der Profitabilität zentral.
Die nächsten 30 Tage werden zeigen, ob SpaceX die Kursgewinne stabilisieren kann oder ob die Realität der Quartalszahlen den Hype einholt. Die wesentlichen Hebel für den weiteren Kursverlauf sind:
Die Skalierung der orbitalen KI-Rechenzentren.
Die erfolgreiche Weiterentwicklung des Starship-Systems für bemannte Missionen.
Die Fähigkeit, die massiven operativen Verluste durch das Wachstum von Starlink auszugleichen.
Für Musk ist der Börsengang ein finanzieller Triumph, der ihn zum reichsten Menschen der Geschichte macht. Für die Anleger bleibt es eine Wette auf die Zukunft der Menschheit – oder eine sehr teure Lektion in Markteuphorie.
Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.
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