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Technik und Wissenschaft

Space-Rider-Testmodell bei Falltest in Sardinien abgestürzt

Ein vollertisoliertes Testmodell des europäischen Raumfahrzeugs Space Rider ist am 6. Oktober 2026 bei einem Falltest in Sardinien abgestürzt, nachdem sich der Hauptgleitschirm beim Öffnen abgelöst hatte. Die Europäische Weltraumorganisation ESA untersucht den Vorfall, geht jedoch derzeit nicht von einer Verzögerung des für 2028 geplanten Erstflugs aus.

Testabsturz über Sardinien: So verlief der Fehlversuch des Space Rider

Europa hat bei der Entwicklung seines ersten wiederverwendbaren Raumfahrzeugs einen Rückschlag erlitten. Wie unter anderem Space.com berichtete, ging bei einem Test am 6. Oktober ein vollständiges Versuchsmodell des Space Rider zu Boden. Der Prototyp wurde bei einem Testflug von einem Hubschrauber in rund drei Kilometern Höhe über einem militärischen Testgelände in Salto di Quirra auf der italienischen Insel Sardinien ausgeklinkt.

Der Abstieg begann zunächst planmäßig. Das unbemannte Modell, das in Größe und Aerodynamik sowie durch seine Landemechanik und interne Verkabelung dem echten Rückkehrmodul mit einem Gewicht von 2.950 Kilogramm und einer Länge von 4,6 Metern nachempfunden ist, setzte den kleineren Hilfsfallschirm erfolgreich ein. Doch als sich der eigentliche, rund 27 Meter lange und 10 Meter breite Gleitschirm entfalten sollte, kam es zum fatalen Zwischenfall: Der sogenannte Parafoil löste sich während des Entfaltungsvorgangs komplett von der Konstruktion. Ohne die steuerbare Kappe stürzte das Testfahrzeug in die Tiefe und schlug hart auf dem Boden auf. Nach Angaben von European Spaceflight und Unione Sarda sicherten Teams der beteiligten Institutionen anschließend die Trümmerteile. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist neben Avio auch Thales Alenia Space als gemeinsames Unternehmen von Thales und Leonardo, während die Versuche in Zusammenarbeit mit der italienischen Luftwaffe auf dem dortigen Truppenübungsplatz stattfanden.

Untersuchungsausschuss und Zeitplan für das Space-Rider-Programm

Die Europäische Weltraumorganisation betonte, dass der Verlust zwar bedauerlich, aber Teil der fortlaufenden Systemvalidierung sei. Around Prague und weitere Fachpublikationen hoben hervor, dass die ESA eine unabhängige Untersuchung zur Klärung der genauen Ursache eingesetzt hat.

Esa provides details on failed space rider drop test
Foto: European Spaceflight

Nach mehreren erfolgreichen Tests mit repräsentativen Fahrzeugmassen sei der letzte System-Drop-Test im Oktober aufgrund einer Anomalie während der Fallschirm(Flügel)-Entfaltungsequenz nicht wie geplant abgeschlossen worden, teilte ein Sprecher der Europäischen Weltraumorganisation ESA laut Space.com und Unionesarda mit.

Trotz des verlorenen Modells zeigt sich die Führungsebene der Raumfahrtagentur zuversichtlich, dass der Zeitplan für den tatsächlichen Orbitalflug Bestand haben kann. Géraldine Naja, Direktorin für Raumtransport bei der ESA, äußerte sich während einer Ratssuche am 22. Oktober zu den Konsequenzen des Unfalls.

Space-Rider-Testmodell bei Falltest in Sardinien abgestürzt
Foto: Around Prague

„Wir hoffen, dass dieser Test den verbleibenden Zeitplan und die Qualifikationsaktivitäten nicht beschädigen oder, sagen wir, dazu führen wird, sie zu modifizieren, erklärte Géraldine Naja laut Space.com.

Naja fügte hinzu, dass die verbleibenden Qualifikationstests nicht auf dem kritischen Pfad der Entwicklung lägen. Das Programm zielt nach Angaben von European Spaceflight und NeoTeo weiterhin auf einen Jungfernflug in der zweiten Hälfte des Jahres 2028 ab, der an Bord einer Vega-C-Rakete vom Raumfahrtzentrum Guiana in Kourou starten soll und zugleich den Erstflug der verbesserten P160C-Erststufe markieren soll. Vor dem Oktober-Zwischenfall hatte die Testkampagne im Jahr 2025 mit Massensimulatoren begonnen, während frühere Phasen auch thermische Belastungstests im Windkanal umfassten, bei denen Hitzeschildmaterialien Temperaturen von rund 1.600 Grad Celsius standhalten mussten.

Bedeutung des Gleitschirms für das unbemannte Orbitallabor

Das Space-Rider-Projekt verfolgt das Ziel, Europa ein eigenes, mehrfach verwendbares Transportsystem für die erdnahe Umlaufbahn zu verschaffen. Die unbemannte Kapsel soll wissenschaftliche Experimente für die Dauer von etwa zwei Monaten im Weltall betreiben und anschließend sicher zur Erde zurückbringen.

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Im Gegensatz zu klassischen Fallschirmsystemen, die Kapseln ungesteuert an Land oder ins Wasser plumpsen lassen, setzt das Konzept auf eine präzise Landung. Mithilfe des lenkbaren Parafoils, das von Bordsystemen, Avionik sowie Navigations- und Steuersoftware völlig autonom bedient werden soll, wird das geflügelte Raumfahrzeug am Ende seiner Mission einen kontrollierten, flugplatzähnlichen Gleitflug ausführen und landen. Genau diese anspruchsvolle Endphase sollte der Test im Oktober in Sardinien unter realen Massen- und Trägheitsbedingungen nachweisen.

Bisherige Verzögerungen und offene Fragen

Der Test im Oktober war der erste praktische Abwurfversuch seit dem Frühjahr 2026. Bereits im Mai war ein geplanter Testversuch abgebrochen worden, nachdem ein Sensor während der Vorbereitungen unter einem Hubschrauber vom Typ CH-47 Chinook Unstimmigkeiten gemeldet hatte; damals blieb das Testobjekt unbeschädigt und konnte unversehrt geborgen werden. Zwischen Juni und September stand der von Italiens Verteidigungsministerium betriebene Testbereich in Salto di Quirra allerdings nicht für Erprobungen zur Verfügung.

Space-Rider-Testmodell bei Falltest in Sardinien abgestürzt
Foto: KeepTrack

Obwohl die Agentur sämtliche Trümmerteile eingesammelt hat, bleibt vorerst offen, welche technischen Faktoren exakt zum vorzeitigen Ausklinken des Hauptschirms führten und wann die Flugtests fortgesetzt werden.

Space Rider drop tests
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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