Simon Ehammer und Annik Kälin haben am Wochenende vom 30. und 31. Mai 2026 beim Mehrkampf-Meeting in Götzis Geschichte geschrieben. Beide Athleten gewannen ihre jeweiligen Wettbewerbe mit neuen Schweizer Rekorden. Ehammer triumphierte im Zehnkampf mit 8778 Punkten, während Kälin den Siebenkampf mit 6726 Punkten für sich entschied und als erste Schweizerin diesen Titel holte.
Ehammers Befreiungsschlag und der Weitsprung-Weltrekord
Für Simon Ehammer war der Sieg im Mösle-Stadion mehr als nur eine sportliche Spitzenleistung; es war die Überwindung eines mentalen Traumas. Wie Appenzell24.ch detailliert beschreibt, kämpfte der Gaiser Athlet jahrelang gegen einen sprichwörtlichen Götzis-Fluch. In den Jahren 2023 und 2024 scheiterte er vorzeitig – einmal an einem Blackout, einmal an zu vielen Fehlversuchen im Weitsprung. Letztes Jahr folgte ein dritter Platz.
Dieses Mal war der Flow von Beginn an spürbar. Ehammer dominierte den ersten Wettkampftag so massiv, dass er mit 4762 Punkten die Spitze anführte – eine Weltbestleistung für den ersten Tag eines Zehnkampfs. Den absoluten Höhepunkt setzte er im Weitsprung: Mit einem Satz auf 8,51 Meter pulverisierte er nicht nur seinen eigenen Schweizer Rekord aus dem Jahr 2022 um sechs Zentimeter, sondern stellte einen Weltrekord innerhalb eines Zehnkampfes auf.
- 100 Meter: 10,41 Sekunden
- Kugelstossen: 15,15 Meter
- Hochsprung: 2,03 Meter
- 400 Meter: 47,33 Sekunden
Das Duell mit Leo Neugebauer im Finale
Trotz der Dominanz am Samstag wurde der Sonntag zu einem nervenaufreibenden Kampf gegen den deutschen Weltmeister Leo Neugebauer. Ehammer startete stark mit 13,48 Sekunden über 110 Meter Hürden, der drittbesten Zeit seiner Karriere. Im Stabhochsprung lieferte er mit 5,20 Metern ein solides Resultat ab, doch die Spannung stieg beim Speerwurf.

Mit einer Weite von 54,38 Metern schmolz Ehammers Vorsprung auf Neugebauer auf lediglich 73 Punkte zusammen. In diesem Moment hing alles vom 1500-Meter-Lauf ab. Laut einem Bericht von Blick lief Ehammer die Distanz in 4:43,22 Minuten. Obwohl Neugebauer mit 4:39,22 Minuten über zehn Sekunden schneller war, reichte dies nicht aus, um den Schweizer einzuholen.
Ehammer beendete den Wettkampf mit einem Gesamtergebnis von 8778 Punkten. Damit verbesserte er seinen eigenen Landesrekord aus dem Vorjahr (8575 Punkte) um beeindruckende 203 Zähler und kletterte auf Rang 19 der ewigen Weltbestenliste.
Annik Kälins historischer Triumph nach der Operation
Parallel zum Zehnkampf schrieb Annik Kälin ihre eigene Geschichte. Ihr Sieg ist deshalb so bemerkenswert, weil sie im vergangenen November erst eine Fussoperation überstehen musste und dies ihr erster Mehrkampf-Auftritt seit gut einem Jahr war. Als erste Schweizerin überhaupt gewann sie den Gesamtsieg in Götzis.
Kälin startete den Sonntag mit einem phänomenalen Weitsprung auf 6,96 Meter. Da der Rückenwind mit 2,2 m/s jedoch zu stark war, wurde die Leistung nicht als offizieller Rekord gewertet. Dennoch sicherte sie sich mit ihrem regulären Bestwert von 6,81 Metern die Qualifikation für die Europameisterschaften in Birmingham, wo die Limite bei 6,77 Metern liegt, wie Swiss Athletics berichtet.
Nach einem Speerwurf über 45,25 Meter ging Kälin mit einem Polster von vier bis fünf Sekunden in den abschliessenden 800-Meter-Lauf. Mit einer Zeit von 2:11,72 Minuten sicherte sie sich den Gesamtsieg vor den Niederländerinnen Emma Oosterwegel (6705 Punkte) und Sofie Dokter (6627 Punkte).
| Athletin | Punktzahl | Status |
|---|---|---|
| Annik Kälin | 6726 | Schweizer Rekord / Siegerin |
| Emma Oosterwegel | 6705 | Persönliche Bestleistung |
| Sofie Dokter | 6627 | Persönliche Bestleistung |
Kälin übertraf ihren bisherigen Landesrekord von 6639 Punkten, den sie bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris aufgestellt hatte, um 87 Zähler.
Die strategische Zwickmühle vor der EM in Birmingham
Die Ergebnisse von Götzis werfen für den Schweizer Verband und insbesondere für Simon Ehammer eine schwierige Frage auf. Ehammer führt derzeit sowohl in der Jahresweltbestenliste des Zehnkampfs als auch im Weitsprung an. Dies stellt ihn vor eine Qual der Wahl für die Europameisterschaften im August in Birmingham: Soll er im Mehrkampf antreten oder sich auf den Weitsprung konzentrieren?

- Finley Gaio: Beendete den Zehnkampf auf Rang 16 mit 7755 Punkten.
- Sandra Röthlin: Belegte im Siebenkampf Platz 20 mit 5959 Punkten.
- Liana Trümpi: Landete bei ihrer Götzis-Premiere auf Rang 23 mit 5751 Punkten.
- Andrin Huber: Musste den Zehnkampf vorzeitig abbrechen.
Der Doppelsieg in Götzis markiert einen Wendepunkt für das Schweizer Mehrkampf-Geschehen. Die Kombination aus Ehammers mentaler Stärke und Kälins Comeback nach einer Operation signalisiert eine enorme Formkurve kurz vor den grossen Meisterschaften in Birmingham. Die Schweiz hat bewiesen, dass sie nicht mehr nur mithalten, sondern die Weltelite in der Königsklasse der Leichtathletik anführen kann.