Tausende Anhänger der oppositionellen Studentenliste haben am Donnerstag auf dem Slavija-Platz in Belgrad eine große Abschlusskundgebung abgehalten. Die Demonstration findet nur drei Tage vor der vorgezogenen serbischen Parlamentswahl am Sonntag statt, bei der die Bewegung das mehr als 14-jährige Regierungsbündnis der Serbischen Fortschrittspartei herausfordert.
Zehntausende versammeln sich auf dem Belgrader Slavija-Platz
Drei Tage vor der Abstimmung am Sonntag hat die Protestbewegung in der serbischen Hauptstadt eine riesige Menschenmenge mobilisiert. Laut Angaben einer unabhängigen Gruppe von Beobachtern, dem Archiv öffentlicher Versammlungen, beteiligten sich etwa 150.000 Menschen an dem Treffen auf dem zentralen Platz auf dem zentralen Slavija-Platz. Die Kundgebung bildete den Höhepunkt des Wahlkampfs der neuen oppositionellen Studentenliste.
Zehn verschiedene Kandidatinnen und Kandidaten traten vor die Menge, um ihre politischen Forderungen zu vertreten. Auf der Veranstaltung ging es um mehr als politische Parteienkonstellationen. Redner formulierten die Wahl als grundsätzliche Richtungsentscheidung für das Land. Wir haben es satt, dass wir nicht alle vor dem Gesetz gleich sind
, rief Kandidat Tihomir Stanic den Anhängern entgegen, wie das Nachrichtenportal danas.rs berichtete. Weitere Redner beschrieben die Abstimmung vor der Menge als Richtungsentscheidung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Wegen.
Serbien oder der Mafia, Freiheit oder Sklaverei, zwischen Wohlstand oder Niedergang.
Redner auf der Kundgebung, via N TV
Hintergrund der Proteste und der Sturz der Regierung
Die Protestbewegung entstand nach einer Katastrophe im November 2024. Damals stürzte das Vordach des Bahnhofs in der nordserbischen Stadt Novi Sad ein, wodurch 16 Menschen starben. Die darauffolgenden massiven Demonstrationen richteten sich zunächst gegen die Aufarbeitung des Unglücks, das Kritiker auf Korruption und mangelnde Instandhaltung durch die Behörden zurückführten.
Im Laufe der Zeit weiteten sich die Proteste auf systemische Kritik an der Regierung aus. Die regierende Serbische Fortschrittspartei (SNS) prägt die Politik des Landes seit mehr als 14 Jahren. Im September 2024, nach neun Jahren im Präsidentenamt, trat Aleksandar Vučić zurück und kündigte an, für das Amt des Ministerpräsidenten zu kandidieren. Damit machte er den Weg für die aktuellen Neuwahlen frei, um eine Kernforderung der Demonstrierenden zu erfüllen.
Kopf-an-Kopf-Rennen vor der Parlamentswahl am Sonntag
Umfragen deuten auf ein völlig offenes Rennen zwischen den politischen Lagern hin. Die Meinungsumfragen sehen die Studentenliste in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der regierenden SNS. Während Vučić sich im Ausland als Reformer für den EU-Beitritt Serbiens präsentiert und gleichzeitig an guten Beziehungen zu Russland festhält, werfen Kritiker seiner Regierung systematische Korruption vor.

Unter seiner Führung hat Serbien nach Einschätzung von Beobachtern keine nennenswerten Fortschritte bei der Annäherung an die Europäische Union erzielt. Kritiker bemängeln zudem die Kontrolle über große Teile der Justiz und Einschränkungen der Medienfreiheit. Die am Sonntag anstehende Parlamentswahl wird zeigen, ob die Opposition mit ihrer Mobilisierung das langjährige politische System ablösen kann.