Jürgen Klopp hat im dritten Anlauf seinen ersten Sieg als deutscher Bundestrainer gefeiert. Die DFB-Auswahl setzte sich am Mittwochabend in München vor heimischem Publikum mit 2:0 gegen Serbien durch. Tom Bischof und der überragende Florian Wirtz erzielten die Treffer für eine druckvoll aufspielende Nationalmannschaft.
Im dritten Spiel unter dem neuen Bundestrainer zeigte die deutsche Nationalmannschaft ein völlig anderes Gesicht als bei den Auftritten zuvor. Nach einem Unentschieden in den Niederlanden und einer Heimniederlage gegen Griechenland griff die DFB-Elf in München von Beginn an konsequent an. Bundestrainer Jürgen Klopp hatte seinen Kader im Vergleich zu den vorherigen Partien stark verändert und setzte auf frische Kräfte sowie ein hohes Grundtempo.
Die aggressive Spielweise zahlte sich aus. Besonders das von Klopp favorisierte Gegenpressing funktionierte von der ersten Minute an. Die Mannschaft eroberte Bälle im Mittelfeld schnell zurück und hielt den Druck auf die serbische Defensive durchgehend hoch. Das Publikum in der Allianz Arena honorierte den engagierten Auftritt mit stehenden Ovationen und La-Ola-Wellen.
Tom Bischof und Florian Wirtz treffen zum verdienten 2:0-Erfolg
Lange Zeit scheiterte die deutsche Offensive jedoch an der letzten Konzision oder am Aluminium. In der 39. Minute brach der Bann: Florian Wirtz setzte sich im Strafraum durch und traf nur den Pfosten. Tom Bischof stand goldrichtig, staubte zum 1:0 ab und erzielte damit sein erstes Länderstor im zweiten Einsatz für die A-Nationalmannschaft.

Nach dem Seitenwechsel übernahm Wirtz vorübergehend die Kapitänsbinde, nachdem Serge Gnabry ausgewechselt worden war. In der 61. Minute belohnte sich der Offensivspieler für seine starke Leistung selbst. Nach Zuspiel von Maximilian Mittelstädt tanzte Wirtz den serbischen Verteidiger Uroš Babić aus und schloss trocken ins kurze Eck zum 2:0 ab.
„Er platzte vor Freude und hat unglaublich hart gearbeitet. Das war außergewöhnlich; er hat ein fantastisches Spiel gemacht. Unsere Spielweise kommt Flo Wirtz entgegen. Ich weiß gar nicht, was Flo noch alles richtig machen muss, damit alle zufrieden sind. Alle in Liverpool sollten heute glücklich sein.“
Jürgen Klopp, Bundestrainer
Für Wirtz hat der Abend nach einer schwierigen Phase auf Vereinsebene eine befreiende Wirkung. Seit seinem Wechsel von Bayer Leverkusen zu Liverpool im Juni 2025 für eine geschätzte Ablösesumme von 116 Millionen Pfund kam er wettbewerbsübergreifend auf 55 Einsätze mit sieben Toren und elf Vorlagen.
Mika Baur schreibt als tausendster Nationalspieler DFB-Geschichte
Neben den etablierten Kräften sorgte ein Debütant für einen historischen Meilenstein in der Verbandsgeschichte. In der 77. Minute wurde Mika Baur eingewechselt und feierte sein Länderspiel-Debüt. Gleichzeitig avancierte der 22-Jährige vom Celtic FC zum genau 1.000. Spieler, der jemals ein offizielles Spiel für die deutsche A-Nationalmannschaft bestritten hat.
Nach Abpfiff zeigte sich der Jungprofi überwältigt und berichtete in der Mixed Zone von einer ganz persönlichen Begegnung im Stadion: Mein bester Kindheitsfreund aus meinem Heimatort war mit einem Kumpel da und denen habe ich kurz Hallo gesagt. Sie haben mir vorher ein Foto geschickt, wo sie stehen. Und die haben tatsächlich kein Deutschland-Trikot angehabt, sondern ein Celtic-Glasgow-Trikot mit meinem Namen. Deswegen habe ich sie erkannt.

Joshua Kimmichs Zuschauerrolle und Klopps klare Ansage
Während auf dem Platz frische Gesichter überzeugten, verfolgte Kapitän Joshua Kimmich das Geschehen von der Tribüne aus. Der 31-Jährige saß in Block 205 neben seiner Frau Lina und Schlager-Legende Heino, nachdem er zuvor gemeinsam mit dem ebenfalls verletzten Jamal Musiala in der Kabine vorbeigeschaut hatte, um der Mannschaft Mut zuzusprechen. Heino kommentierte den Abend später auf Instagram mit den Worten, dort habe sein altes Fußball-Herz im Dreivierteltakt geschlagen.
Auf der anschließenden Pressekonferenz reagierte Jürgen Klopp genervt auf den Versuch eines Journalisten, aus Kimmichs Abwesenheit eine Kontroverse zu konstruieren. Der Bundestrainer stellte klar, dass sich das Team nach verletzungsbedingten Ausfällen flexibel aufstellen muss. Es ist so ein schöner Abend. Und ohne es anzusprechen, wollt ihr ein Thema aufmachen, das kein Thema ist
, entgegnete Klopp den Fragen zu personellen Konstellationen.
Revanche gegen Griechenland wartet in Thessaloniki
Viel Zeit zum Feiern bleibt der DFB-Auswahl nach dem ersten Erfolg nicht. Nach der nächtlichen Rückkehr ins Camp nach Herzogenaurach standen am Freitagmorgen lediglich Regeneration und eine kurze Trainingseinheit an. Der Bundestrainer betonte, dass die gezeigte Leistung nun als sportliche Baseline
für die kommenden Aufgaben dienen müsse.
Bereits am Sonntagabend steht für die Nationalmannschaft die partie in Thessaloniki gegen Griechenland auf dem Programm. Dort wartet eine hitzige Atmosphäre auf den Tabellenführer. Serge Gnabry wird die Reise dorthin aufgrund von Belastungssteuerung nicht mit antreten, während Klopp nach dem Abschlusstraining noch einen Spieler aus seinem 24-köpfigen Kader streichen muss.
