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Sechs Premiers seit dem Brexit-Referendum

Der britische Premierminister Keir Starmer hat am Montag, den 22. Juni 2026, seinen Rücktritt angekündigt. Nach weniger als zwei Jahren Amtszeit weicht er voraussichtlich Andy Burnham, dem ehemaligen Bürgermeister von Manchester. Damit steht Großbritannien vor seinem siebten Regierungschef innerhalb von zehn Jahren, was die anhaltende politische Instabilität seit dem Brexit-Referendum unterstreicht.

Das Scheitern von Keir Starmer: Erwartungsdruck ohne Ergebnisse

Anders als seine Vorgänger stürzte Keir Starmer nicht durch einen einzelnen, großen Skandal. Laut einem Interview mit Tagesschau.de erklärte der Großbritannien-Experte Nicolai von Ondarza, dass Starmer primär an den eigenen, nicht eingelösten Versprechen scheiterte. Er hatte sowohl seiner Partei als auch der Wählerschaft einen „großen Wandel“ versprochen, diesen jedoch in der Praxis nicht realisieren können.

Die Erosion der Unterstützung verlief schleichend. Ein entscheidender Wendepunkt waren die herben Niederlagen der Labour-Partei bei Regionalwahlen in Schottland und Wales sowie bei Lokalwahlen in England. Diese Ergebnisse untergruben das Vertrauen der eigenen Abgeordneten in Starmers Fähigkeit, die Partei zum dauerhaften Erfolg zu führen.

Das Scheitern von Keir Starmer: Erwartungsdruck ohne Ergebnisse
Photo: tagesschau.de

Starmer hatte sich zudem selbst in eine politische Sackgasse manövriert. Um keine Wählerschichten zu verprellen, schloss er Steuererhöhungen, neue Schulden und eine Neuverhandlung des Brexit-Abkommens mit der EU aus. Laut von Ondarza führte dies dazu, dass er seinen „Gestaltungsspielraum selber stark eingeschränkt“ habe, was die Umsetzung des versprochenen Wandels faktisch unmöglich machte.

Der endgültige Druck stieg, als Andy Burnham, sein interner Rivale, lokale Nachwahlen in Manchester gewann. In dieser Situation sah Starmer keine Basis mehr für seine weitere Führung.

Andy Burnham und der Kampf um die Labour-Führung

Mit dem Rücktritt Starmers rückt Andy Burnham in den Fokus. Der ehemalige Bürgermeister der Metropolregion Manchester gilt laut DIE ZEIT als der wahrscheinlichste Nachfolger, der bis spätestens Anfang September in die Downing Street 10 einziehen soll.

Burnham ist derzeit der einzige aktive Bewerber um den Parteivorsitz. Unterstützung erhält er unter anderem von Darren Jones, einem engen Verbündeten Starmers. Jones betonte gegenüber Sky, dass er selbst nicht kandidieren werde, da er nie beabsichtigt habe, „eine Kampagne um die Parteiführung zu planen oder zu organisieren“.

Andy Burnham und der Kampf um die Labour-Führung
Photo: Ntv

„Andy Burnham wird der nächste Premierminister sein.

Trotz der Favoritenrolle ist Burnhams Weg nicht völlig frei von Hürden. Laut Ntv gibt es innerhalb der Fraktion mehr als 100 Abgeordnete, die insbesondere bei der Wirtschaftspolitik Bedenken haben. Zudem schließt der ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Al Carns eine eigene Kandidatur nicht vollständig aus; er fordert zunächst konkrete politische Inhalte von Burnham.

Sollte Burnham der einzige Bewerber bleiben, könnte er bereits im Juli von König Charles III. ernannt werden. Falls Al Carns oder andere Herausforderer genügend Unterstützung finden, würde ein langwieriger Auswahlprozess bis September folgen.

Zehn Jahre Brexit: Die Bilanz einer Instabilität

Der Rücktritt Starmers fällt zeitlich mit dem zehnten Jahrestag des Brexit-Referendums vom 23. Juni 2016 zusammen. Seit dieser Abstimmung, bei der 51,9 Prozent für den EU-Austritt stimmten, gleicht das Amt des Premierministers einer Drehtür. Von David Cameron über Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss und Rishi Sunak bis hin zu Keir Starmer haben sechs Personen das Amt bekleidet.

Zehn Jahre Brexit: Die Bilanz einer Instabilität
Photo: DIE ZEIT

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Ära sind laut Analysen von Tagesschau.de messbar und gravierend. Das Center of European Reform berechnete, dass die Exporte in die EU um 12 Prozent geringer ausfallen, als es in einem Szenario ohne Brexit der Fall gewesen wäre.

Zusätzliche Daten von Nick Bloom (National Bureau of Economic Research) zeigen, dass das Wirtschaftswachstum pro Kopf um sechs bis acht Prozent niedriger liegt. Der Traum der Brexit-Befürworter, Großbritannien als „Singapur an der Themse“ zu einem deregulierten Finanzplatz neu zu erfinden, ist nicht in Erfüllung gegangen.

„Es wurde versprochen, der Brexit würde einige unserer wirtschaftlichen und politischen Probleme lösen, indem wir die Kontrolle zurückgewinnen und souveräne Entscheidungen treffen könnten. Formalrechtlich ist das auch passiert.

Die Herausforderungen für die siebte Regierung

Wer auch immer Keir Starmer folgt, erbt eine paradoxe Situation: eine überwältigende parlamentarische Mehrheit, aber eine extrem fragile Basis in den einzelnen Wahlkreisen. Da viele Sitze nur knapp gewonnen wurden, herrscht in der Labour-Fraktion eine permanente Angst vor dem Verlust der Mandate bei den nächsten Wahlen 2029.

  • Finanzielle Engpässe: Die haushaltspolitische Lage bleibt schwierig, was den Spielraum für Investitionen einschränkt.
  • Rechtspopulismus: Die Partei Reform UK übt kontinuierlich Druck von rechts aus und lauert auf weitere Einbrüche der Labour-Zustimmung.
  • Interne Spaltung: Die Notwendigkeit, eine gespaltene Partei zu einen und gleichzeitig eine klare Vision für die Bevölkerung zu entwickeln.

Für Andy Burnham bedeutet dies, dass er nicht nur die administrative Leitung übernehmen, sondern das Vertrauen der britischen Bevölkerung zurückgewinnen muss. Die kommenden Monate werden zeigen, ob er die parlamentarische Mehrheit aktiver nutzen kann als sein Vorgänger, ohne dabei die eigene Basis zu verlieren.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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