Der Schweizer Wohnsitz der deutschen AfD-Spitzenpolitikerin Alice Weidel gerät zunehmend in den Fokus politischer Angriffe, während ihre Partei in Deutschland bei Wahlen zulegt. Laut Medienberichten und Einschätzungen von Beobachtern gilt der Lebensmittelpunkt in Einsiedeln als Achillesferse der Parteichefin, zu der sich die AfD-Führung bislang nicht äußert.
Die Schweiz ist in der deutschen Bundespolitik normalerweise kaum mehr als eine Randnotiz. Angesichts der großen innenpolitischen Probleme von Kanzler Friedrich Merz und seiner Koalition schenkt Berlin dem Nachbarland wenig Aufmerksamkeit. Eine Ausnahme bildet jedoch der private Lebensmittelpunkt von Alice Weidel. Die Co-Vorsitzende der deutschnationalen AfD lebt gemeinsam mit ihrer Partnerin, der Filmemacherin Sarah Bossard, und ihren zwei Söhnen im schweizerischen Einsiedeln im Kanton Schwyz, während ihr offizieller Bundestagswahlkreis im baden-württembergischen Überlingen am Bodensee liegt.
Politische Angriffe und steigender Wahlkampfdruck
Gegner der Partei nutzen diese Konstellation regelmäßig für scharfe Attacken. Der Wohnsitz der Parteiführung in der Schweiz bietet Angriffsfläche für Spott und Kritik, die sich oft am Slogan «Alice aus dem Schweizerland» entzündet. Jüngst geriet die Wohnsituation im Zuge der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern erneut in die öffentliche Debatte. Damals lieferte sich die AfD ein hartes Rennen mit der amtierenden SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Schwesig griff Weidel verbal frontal an, nachdem die AfD-Politikerin einige Frauen im Osten als Rabenmütter bezeichnet hatte. Echt jetzt, Frau Weidel?
, fragte Schwesig laut übereinstimmenden Berichten und fügte hinzu: Da sieht man mal wieder, dass Sie aus der Schweiz hier reinfliegen nach Mecklenburg-Vorpommern und uns Ostfrauen gar nicht kennen.
Je erfolgreicher die deutsche AfD-Spitzenpolitikerin Alice Weidel ist, desto brisanter wird ihr Schweizer Wohnsitz. Eine AfD-Spezialistin spricht von der Achillesferse, ihre Gegner spotten regelmässig. Muss Weidel jetzt für ihre Karriere nach Deutschl… https://t.co/tSODfRh4Mb pic.twitter.com/eRfO5KxsLm
— https://x.com/Blickch/status/2111963043751923932
Obwohl solche Attacken Weidel und ihrer Partei in den ostdeutschen Ländern wie Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die AfD jeweils stärkste Kraft wurde, bislang keine messbaren Wählerverluste brachten, wächst die Brisanz mit jedem Wahlerfolg. Für anstehende Urnengänge wird Weidel voraussichtlich erneut als AfD-Kanzlerkandidaten antreten. Gemäß aktuellen Umfragen liegt die Partei in ganz Deutschland vorn, wodurch das Schweizer Standbein zu einem echten Klumpenrisiko werden könnte.
Die Sicht der Parteibasis und das Schweigen der Führung
In den eigenen Reihen wird das Thema offenbar mit gemischten Gefühlen betrachtet. Die deutsche ZDF-Hauptstadtkorrespondentin und AfD-Spezialistin Nicole Diekmann bezeichnete Weidels Wohnsitz im Podcast Politik mit Anne Will
als die Achillesferse
. Diekmann erklärte weiter, dass das Thema intern auf wenig Gegenliebe stoße: Da sagt jeder AfDler: Will ich nicht drüber reden, wenn man ihn auf das Thema anspricht.
Und fügte hinzu: Das finden sie doof in der AfD, dass Alice Weidel in der Schweiz lebt.
Auf entsprechende Anfragen der Redaktion von Blick schwiegen sowohl die Spitzenpolitikerin selbst als auch ihr Sprecher sowie die AfD-Bundestagsfraktion. Bislang ist unbekannt, ob Weidel angesichts der anstehenden Wahlen und ihrer steigenden Prominenz eine Änderung ihrer Wohnsituation in Erwägung zieht.
Sicherheitskosten und Schutzmaßnahmen im Kanton Schwyz
Mit der zunehmenden Bekanntheit steigen auch die Sicherheitsanforderungen für Weidel und ihre Familie in der Schweiz. Die Kantonspolizei Schwyz ist gesetzlich verpflichtet, für die Sicherheit der Politikerin zu sorgen, wobei die genauen Kosten vom Kanton bisher nicht öffentlich beziffert wurden. Wie exponiert die Familie ist, zeigte sich im Jahr 2023, als konkrete Hinweise auf einen drohenden Anschlag bekannt wurden und Weidel sowie ihre Angehörigen vorübergehend in Sicherheit gebracht werden mussten.
Über das private Umfeld ist ansonsten nur wenig öffentlich bekannt. Im Jahr 2024 wandte sich Weidel auf offener Bühne in Zürich mit einer persönlichen Liebeserklärung an ihre Partnerin Sarah Bossard. Dabei sprach sie auch über die Schattenseiten der Bekanntheit für das Familienleben: Sarah, ich liebe dich
, sagte Weidel damals und ergänzte mit Blick auf die Sicherheitslage: Wir können nicht mehr spontan ins Restaurant gehen, ohne Angst zu haben, dass ich eins auf die Rübe kriege.
Auch interessant