Laut einer Umfrage des Vergleichsportals Bonus.ch erlebten im Jahr 2026 rund 69 Prozent der Schweizer Autofahrer in den letzten zwei Jahren steigende Prämien für ihre Autoversicherungen. Dieser Trend wird massgeblich durch die technische Komplexität moderner Fahrzeuge sowie die Kosten für Reparaturen an Elektroautos vorangetrieben.
Technologische Treiber der Schadeninflation
Die Kosten für den Schutz von Fahrzeugen steigen in der Schweiz kontinuierlich an. Während 41 Prozent der Befragten eine leichte Erhöhung verzeichneten, gaben 28 Prozent eine starke Steigerung an. Als zentralen Faktor für diese Entwicklung identifizierte Blick die sogenannte Schadeninflation.
Moderne Fahrzeuge sind mit immer mehr Elektronik und Hightech-Komponenten ausgestattet, was die Reparaturrechnungen in den Werkstätten in die Höhe treibt. Besonders Elektroautos tragen zu dieser Entwicklung bei. Obwohl diese Fahrzeuge bereits weit verbreitet sind, verursachen sie in der Reparatur weiterhin höhere Kosten als herkömmliche Verbrenner. Viele Garagen berechnen zudem für die Instandsetzung von E-Autos höhere Stundensätze.
Ein wesentlicher Grund für diese Kostensteigerung liegt in den Fahrerassistenzsystemen (ADAS). Sensoren, Kameras und Radarsysteme, die oft in den Stoßstangen oder Windschutzscheiben integriert sind, müssen nach einem Unfall präzise kalibriert werden. Im Gegensatz zu rein mechanischen Reparaturen erfordern diese Arbeiten spezialisierte Diagnosegeräte und geschultes Personal. Zudem führen beschädigte Batteriepacks bei Elektrofahrzeugen oft zu einem vollständigen Totalschaden, da die Kosten für den Austausch der Batterie häufig den Zeitwert des Fahrzeugs übersteigen.
Demografie und Herkunft als Preistreiber
Neben der technischen Entwicklung spielen demografische Merkmale eine entscheidende Rolle bei der Kalkulation der Versicherungsrisiken. Laut einer Analyse von 20 Minuten sind das Alter und die Staatsangehörigkeit die massgeblichen Faktoren für die Höhe der Prämie.
Besonders kontrovers ist die Differenzierung nach der Herkunft. Ein 18-jähriger Fahranfänger mit einer Niederlassungsbewilligung C und kosovarischer Staatsangehörigkeit zahlt im Durchschnitt 63 Prozent mehr als ein gleichaltriger Schweizer. Bei einer Vollkaskoversicherung ist dieser Unterschied mit 5’054 Franken extrem ausgeprägt. Diese Preisgestaltung, die in der Politik teilweise als diskriminierend kritisiert wird, ist rechtlich jedoch nicht verboten.

Die Versicherer stützen diese Kalkulationen auf versicherungsmathematische Risikomodelle. Dabei werden historische Schadendaten analysiert, um Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Ereignisse zu ermitteln. Wenn statistische Daten zeigen, dass bestimmte Gruppen eine höhere Schadenquote aufweisen, werden diese Risiken durch höhere Prämien ausgeglichen, um die Solvenz des Versicherers und die Stabilität des gesamten Risikopools zu gewährleisten.
Auch das Alter schafft massive Preisunterschiede. Wie The National Law Review berichtet, zahlen 18-Jährige im Durchschnitt 155 Prozent mehr als 70-Jährige, wenn sie die gleiche Deckung wählen.
| Profil-Vergleich | Vollkaskoversicherung (CHF) | Differenz (CHF) |
|---|---|---|
| 18-jähriger Schweizer | 3’586 | 2’513 |
| 70-jähriger Schweizer | 1’073 | – |
| 18-jähriger Kosovare | 7’958 | 5’054 |
| 18-jähriger Schweizer | 2’904 | – |
Interessanterweise ist der Preisunterschied zwischen 30-Jährigen und Senioren deutlich geringer. Im Schnitt zahlen ältere Versicherte etwa 2 Prozent weniger als die 30-jährigen Kollegen, wobei einige Anbieter für Senioren sogar Aufschläge von bis zu 53 Prozent erheben.
Regionale Disparitäten und extreme Preisunterschiede
Nicht nur das Profil des Fahrers, sondern auch der Wohnort beeinflusst die Kosten massiv. Die Tarifunterschiede beschränken sich nicht auf Kantonsgrenzen, sondern variieren bereits auf Ebene der Postleitzahlen. Innerhalb einer Stadt können die Prämien je nach Standort zwischen 14 und 53 Prozent schwanken, was Differenzen von bis zu 500 Franken bedeutet.

Dieses System der regionalen Preisgestaltung, oft als „Zonierung“ bezeichnet, basiert auf lokalen Risikofaktoren. In dicht besiedelten urbanen Zentren ist die Wahrscheinlichkeit von Parkschäden, Kollisionen im Stadtverkehr und Fahrzeugdiebstählen statistisch höher als in ländlichen Gebieten. Daher stufen Versicherer bestimmte Postleitzahlen als Hochrisikozonen ein, was zu automatisch höheren Grundprämien führt.
Wenn man Alter, Herkunft und Wohnort kombiniert, entstehen extreme Spitzenwerte. Cash zeigt ein Extrembeispiel auf: Ein junger Fahrer kosovarischer Herkunft in Lugano zahlt für ein etwas sportlicheres Fahrzeugmodell bis zu 8’072 Franken mehr als ein 30-jähriger Schweizer mit Wohnsitz in Köniz.
Marktstabilität trotz steigender Kosten
Trotz der massiven Preissteigerungen zeigt sich der Schweizer Versicherungsmarkt erstaunlich stabil. Im Jahr 2025 wechselten lediglich 12 Prozent der Versicherten ihren Anbieter. Diese ausgeprägte Kundentreue wird in der Branche als Trägheit der Versicherten bezeichnet.
Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind dabei erheblich. Während bei der Mobiliar weniger als die Hälfte der Kunden (48 Prozent) mit höheren Kosten konfrontiert war, betraf die Erhöhung bei der Zurich fast alle Kunden (86 Prozent).
Ein Teil der Versicherten hinterfragt die Rechtmässigkeit der Kosten. Rund 38 Prozent gaben an, dass ihre Prämie angesichts ihres individuellen Lenkerprofils nicht gerechtfertigt sei. Dennoch halten 62 Prozent die aktuellen Preise für angemessen.
Rechtlich gesehen haben Versicherte in der Schweiz bestimmte Möglichkeiten, auf Prämienerhöhungen zu reagieren. Gemäss dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) haben Kunden das Recht, den Vertrag ausserhalb der regulären Kündigungsfristen zu kündigen, sofern die Erhöhung eine allgemeine Tarifanpassung ist und nicht auf einen individuellen Schadenfall des Versicherten zurückzuführen ist. In einem solchen Fall muss die Kündigung in der Regel innerhalb einer bestimmten Frist nach der Mitteilung der Prämienerhöhung erfolgen.
Find more reporting in our Unternehmen section.