Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor Bulgarien und Rumänien haben im Schwarzen Meer Frachter schwer beschädigt und zum Sinken gebracht. Bulgarien bat die NATO um Hilfe, während die Ukraine Russland für die Eskalation verantwortlich macht und Sofia die Botschafterin einbestellte.
Drohnenangriffe im Schwarzen Meer treffen Frachter vor der bulgarischen Küste
Im Schwarzen Meer sind Handelsschiffe bei Angriffen von Drohnen getroffen worden. In der ausschließlichen Wirtschaftszone des NATO-Mitglieds Bulgarien kam es zu schweren Zwischenfällen, bei denen Frachter sanken und Besatzungsmitglieder vermisst wurden oder medizinische Hilfe benötigten. Das bulgarische Innenministerium veröffentlichte Aufnahmen, die das zerstörte Innere und ein großes Einschussloch im Rumpf des unter maltesischer Flagge fahrenden Frachters Chelsea 3 zeigen.
Das 136 Meter lange Schiff gehört einem ukrainischen Eigner. Die Behörden fanden später drei Drohnen entweder an Bord oder im inneren Bereich der Chelsea 3. Positionsdaten belegen, dass der Frachter zuvor die türkische Stadt Giresun mit Kurs auf den moldauischen Hafen Giurgiulești verlassen hatte.
Rettungseinsätze und Evakuierungen nach Angriffen auf HS Dignity und Alfa Watan
Neben der Chelsea 3 gerieten weitere Schiffe in den Fokus der Angriffe. Der unter der Flagge Guinea-Bissaus fahrende Frachter HS Dignity sank etwa 17 Meilen östlich von Krapets, einem Ort nahe der rumänischen Grenze. Rettungskräfte brachten sechs Überlebende in Sicherheit, während zehn weitere Seeleute vermisst blieben. An Bord befanden sich nach Angaben bulgarischer Abgeordneter sieben ukrainische und acht aserbaidschanische Staatsangehörige.
Ebenfalls betroffen war ein Frachter unter der Flagge Togos, die Alfa Watan, die am Angriffsort unterging. Die Besatzung eines bulgarischen Transportschiffs entdeckte dort ein gekentertes Rettungsboot, umgestürzte Flöße und treibende Rettungswesten. Eine andere beteiligte Besatzung, deren Schiff Weizen geladen hatte, wurde nach Warna evakuiert; zwei Schwerverletzte kamen mit einem Schnellboot der Marine in ein Militärkrankenhaus.
Sofia bittet die NATO um Beistand und bestellt die russische Botschafterin ein
Angesichts der zunehmenden Bedrohung hat Bulgariens Regierung reagiert. Ministerpräsident Rumen Radew verurteilte den Einsatz von Drohnen als Verstoß gegen internationales Recht und kündigte an, die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanowa in Sofia einzubestellen. Außenministerin Welislawa Petrowa nannte die Angriffe in unmittelbarer Nähe der Hoheitsgewässer völlig inakzeptabel.
Sofia bat die NATO um Unterstützung und plant den Beitritt zur Drohnenabwehrinitiative des Bündnisses bis Ende Oktober. Verteidigungsminister Dimitar Stojanow erklärte, Bulgarien werde zwei zusätzliche Drohnensysteme und Raketensysteme in die Schwarzmeerregion verlegen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte besprach die Sicherheitslage telefonisch mit Radew.

Schuldzuweisungen und Befürchtungen um die globale Lebensmittelversorgung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machen Russland für die Eskalation verantwortlich. Selenskyj warf Moskau vor, das westliche Schwarze Meer für Handelsschiffe unpassierbar machen zu wollen. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte internationale Partner auf, den Druck auf Russland zu erhöhen.
Russlands Botschafterin in Sofia erklärte dagegen, sie habe keine Informationen über eine russische Beteiligung. Die Vorfälle schüren weit über die Region hinaus Sorgen um die Getreideversorgung, da sowohl Russland als auch die Ukraine bedeutende Agrarexporteure sind und im Sommer verstärkt gegenseitige Häfen und Logistikinfrastrukturen ins Visier nahmen.
Verwandte Artikel