Saudi-Arabien hat zwei Staatsbürger aus Bangladesch nach einem umstrittenen Verfahren im Oktober 2026 in Mekka hingerichtet. Die Regierung in Dhaka reagierte empört, da die Todesurteile auf offiziellen Häftlingslisten zuvor verschwiegen wurden und diplomatische Kanäle völlig übergangen wurden.
Heimliche Hinrichtungen in Mekka erschüttern die diplomatischen Beziehungen
Zwei Staatsangehörige aus Bangladesch, Nazrul Islam Abdul Basir und Siti Akhtar, sind am 14. Oktober 2026 in Mekka hingerichtet worden. Das saudi-arabische Innenministerium begründete die Vollstreckung der Todesstrafen mit angeblichen „unsittlichen Handlungen“ in einer Moschee der heiligen Stadt. Details zu den konkreten Vorwürfen oder den zugrundeliegenden Taten nannte die Behörde nicht, wie die BBC berichtete. Wie die britische BBC ausführt, verwies das saudi-arabische Innenministerium auf die Schwere ihrer Handlungen und den Verstoß gegen die Heiligkeit des Ortes und der Zeit. Nach Berichten von UPI und der BBC wurden die beiden am vergangenen Mittwoch exekutiert. Laut Angaben von UPI-Meldungen sowie der BBC wurden sie am Mittwoch hingerichtet.”
Die Todesurteile wurden unter dem islamischen Rechtskonzept des Tazir
verhängt, bei dem die Strafzumessung im Ermessen der Richter liegt und die obersten Instanzen die Entscheidung bestätigen. In der Öffentlichkeit und in den sozialen Medien lösten die Exekutionen heftige Reaktionen aus, nachdem Berichte kursierten, wonach eine bloße Zuneigungsbekundung oder ein Kuss der Grund für die Höchststrafe gewesen sein soll. Unabhängige Belege für diese Spekulationen lieferten die saudi-arabischen Behörden jedoch nicht. Nach Angaben von India Today blieben die Berichte über die Hintergründe vage, während Social-Media-Einträge von einem Kuss auf die Stirn sprachen.
Bangladesch fordert Aufklärung über verschwiegene Todesurteile
Besonders bitter stößt der Regierung in Dhaka auf, dass die Namen der beiden Hingetroffenen zwar auf einer offiziellen Liste saudi-arabischer Gefangener standen, die am 30. September 2026 übermittelt wurde, die anstehenden Hinrichtungen dort jedoch mit keinem Wort erwähnt wurden. Weder das Außenministerium in Dhaka noch das Konsulat in Dschidda erhielten eine Vorwarnung. Die BBC ergänzte, dass eine Anfrage des Konsulats zuvor zwar eine Gefangenenliste erbracht hatte, diese jedoch kein Wort über drohende Vollstreckungen verlor.
Wir haben eine Erklärung von unserem befreundeten bilateralen Partner gefordert, um der Sache nachzugehen und herauszufinden, warum es hier zu einer Kommunikationslücke kam. Wir führen Gespräche darüber.
Humaiun Kobir, Außenminister von Bangladesch
Der bangladeschische Konsul General in Dschidda, Md Sakhawat Hossain, konfrontierte den Generaldirektor des saudi-arabischen Außenministeriums, Farid bin Saad Al Shehri, mit den Vorwürfen. Die saudi-arabische Seite erklärte das Vernehmen nach, der Fall sei durch untere Instanzen entschieden und von einem aus 13 Richtern bestehenden Berufungsgremium bestätigt worden, ließ die Frage nach dem Ausbleiben der Information jedoch unbeantwortet.
Wirtschaftliche Abhängigkeit und die Realität der Arbeitsmigration
Saudi-Arabien ist für Bangladesch der wichtigste Arbeitsmarkt im Nahen Osten. Rund 3,5 Millionen Staatsbürger des südasiatischen Landes leben und arbeiten im Königreich, wovon im Jahr 2025 etwa 752.000 neu hinzukamen. Das Medium Asia Times betonte, dass Saudi-Arabien im Fiskaljahr 2025–26 Remittanzen in Höhe von 5,85 Milliarden US-Dollar lieferte.
Die Überweisungen dieser Arbeiter – im Fiskaljahr 2025–26 waren es 5,85 Milliarden US-Dollar – bilden das finanzielle Fundament für viele Familien in der Heimat. Nach Angaben seiner Familie hatte der hingerichtete Nazrul Islam das Land verlassen, um als Reinigungskraft im Königreich zu arbeiten, wofür sein Vater einen hohen Kredit aufgenommen hatte und sich bei Verwandten verschulden musste. Die Daily Beast hob ergänzend hervor, dass über drei Millionen Bangladeshis in dem Golfstaat leben und dort vor allem in schlecht bezahlten Tätigkeiten beschäftigt sind.

Einordnung im globalen Kontext der saudi-arabischen Justizpraxis
Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International führen Saudi-Arabien seit Jahren als einen der weltweit führenden Vollstrecker der Todesstrafe. Im Jahr 2025 verzeichnete die Organisation mindestens 356 Exekutionen, übertroffen weltweit nur von China und dem Iran laut Berichten von Nachrichtenagenturen. Auch im laufenden Jahr 2026 wurden bereits deutlich über 170 Menschen hingerichtet, wovon viele ausländische Staatsangehörige betraf. Human Rights Watch meldete demgegenüber laut India Today 356 Exekutionen für das Jahr 2025, wobei ein Großteil gewaltfreie Drogendelikte betroffen habe.
Es ist noch nicht bekannt, ob die diplomatischen Bemühungen Dhakas zu weiteren Einsichten in die Gerichtsakten oder zur Rückführung der sterblichen Überreste führen werden. Das Außenministerium in Dhaka kündigte an, erst nach Vorliegen detaillierter Informationen über die rechtlichen Abläufe über weitere Schritte wie die Repatriierung der Körper zu entscheiden.
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