Samsung Electronics hat am Mittwoch in Suwon eine vorläufige Einigung mit seiner Gewerkschaft erzielt, um einen drohenden 18-tägigen Generalstreik abzuwenden. Die Belegschaft erhält im Gegenzug Rekordboni von durchschnittlich 291.000 Euro sowie eine Gehaltserhöhung von 6,2 Prozent, getrieben durch massive Gewinne im KI-gestützten Halbleitergeschäft.
Rekordboni und Lohnsprünge: Die Details der Einigung
Prozent
Die Verhandlungen zwischen der Konzernleitung und den Arbeitnehmervertretern endeten spätabends am Mittwoch mit einem Handschlag in Suwon, südlich von Seoul. Wie Der Standard berichtet, unterzeichneten Samsung-Manager Yeo Myung-koo und Gewerkschaftschef Choi Seung-ho die Vereinbarung in einem offiziellen Pressetermin im Arbeitsministerium.
Der finanzielle Umfang des Kompromisses ist massiv. Während einige Quellen von 300.000 Euro pro Kopf sprechen, beziffert Ntv den durchschnittlichen Bonus auf 291.000 Euro. Für die Spezialisten der Halbleiterabteilung könnten die Zahlungen laut Prognosen sogar bis zu 340.000 Euro erreichen.
Neben den Einmalzahlungen umfasst das Paket folgende Kernpunkte:
Eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 6,2 Prozent.
Die Ausschüttung von 10,5 Prozent des Unternehmensgewinns an die Belegschaft.
Zusätzliche Boni für die Halbleitersparte, die über bestehende unternehmensweite Programme hinausgehen.
Die Gewerkschaften hatten ursprünglich eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent und eine Gewinnbeteiligung von 15 Prozent gefordert. Das Management hingegen hielt zunächst an einer strikten leistungsabhängigen Vergütung fest, um künftige Investitionen und Aktionärsausschüttungen nicht zu gefährden.
Systemrisiko Südkorea: Warum Seoul einen Streik nicht riskieren konnte
cluster (priority): Salzburger Nachrichten
Ein Ausfall bei Samsung ist in Südkorea kein bloßer Arbeitskampf, sondern ein makroökonomisches Risiko. Der Konzern erwirtschaftet etwa 12,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes. Die Tragweite eines Streiks war so enorm, dass die südkoreanische Zentralbank in einem internen Bericht warnte, das Wirtschaftswachstum des Landes für das laufende Jahr könnte um 0,5 Prozentpunkte sinken.
Auch international war die Nervosität spürbar. Die US-amerikanische Handelskammer in Südkorea warnte davor, dass ein Streik die globalen Lieferketten unterbrechen und den Ruf Südkoreas als verlässlicher Technologie-Standort dauerhaft beschädigen könnte.
Die Dimension des drohenden Konflikts war beachtlich: Etwa 48.000 Beschäftigte hatten geplant, sich an dem Ausstand zu beteiligen. Dies entsprach etwa 38 Prozent der gesamten südkoreanischen Belegschaft des Konzerns.
Der KI-Boom als Brandbeschleuniger des Konflikts
cluster (priority): Ntv
Die Wurzel des Streitkollektivs liegt in der extremen Profitabilität, die Samsung durch den Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) erfahren hat. Die Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen hat die Gewinne in ungeahnte Höhen getrieben. Allein im ersten Jahresquartal erzielte das Unternehmen einen Betriebsgewinn von knapp 33 Milliarden Euro – das ist etwa das Achtfache des Vorjahreszeitraums.
Innerhalb des Konzerns führte dies zu Spannungen. Während die Speichersparte Rekordgewinne einfuhr, kämpfte das Geschäft mit Logikchips mit Defiziten. Ein zentraler Punkt der Verhandlungen war daher die Verteilung der Boni zwischen diesen unterschiedlich profitablen Sparten.
Zudem spürte Samsung den Druck durch den heimischen Wettbewerb. Der Rivale SK Hynix hatte bereits im vergangenen Jahr die Obergrenzen für Mitarbeiterboni abgeschafft und diese direkt an den operativen Gewinn gekoppelt. Dies führte dazu, dass Fachkräfte zunehmend zu Hynix abwanderten, was Samsung zwang, seine Vergütungsstruktur zu überdenken.
Marktreaktion und politische Schlichtung
cluster (priority): Spiegel
Die Einigung wurde in letzter Minute erzielt – nur 90 Minuten vor Ablauf der Streikfrist. Erst das Eingreifen des südkoreanischen Arbeitsministers Kim Young-hoon brachte die zuvor mehrfach gescheiterten Schlichtungsgespräche zurück auf Kurs. Die Regierung in Seoul hielt sich die Option einer Zwangsschlichtung offen, um irreparable Schäden für die Konjunktur zu vermeiden.
Die Finanzmärkte reagierten prompt mit Erleichterung. Laut Spiegel stiegen die Aktien des Konzerns an der Börse in Seoul am Donnerstag um 8,5 Prozent. Mit einem Schlusskurs von 299.500 Won erreichte die Aktie den höchsten Stand in der Firmengeschichte. Auch der südkoreanische Leitindex legte um 8,5 Prozent zu, der stärkste Anstieg seit zweieinhalb Monaten.
„Wir werden unser Äußerstes tun, um die Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Management bei Samsung Electronics in Zukunft zu stabilisieren“
Choi Seung-ho, Gewerkschaftschef
Trotz der vorläufigen Einigung ist der Prozess noch nicht vollständig abgeschlossen. Rund 89.000 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte stimmen derzeit über den neuen Tarifvertrag ab. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, findet diese Abstimmung vom 22. bis 27. Mai statt. Eine Zustimmung gilt als sehr wahrscheinlich, da die massiven Boni die Mehrheit der Belegschaft überzeugen dürften.
David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.
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