Die Nachfrage nach Klimageräten in der Schweiz steigt massiv an, wobei Händler wie Galaxus und Interdiscount einen regelrechten Ansturm auf Kühlgeräte melden. Laut Angaben von Galaxus wurden im Vergleich zum Vorjahr bereits 50 Prozent mehr Geräte verkauft, nachdem der Sommer 2025 bereits einen Verkaufsrekord markiert hatte.
Der Trend zu einer stärkeren privaten Kühlung ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern eine Reaktion auf anhaltende Hitzewellen. Während die Konsumenten händeringend nach Lösungen suchen, zeigt sich ein klares Muster beim Kaufverhalten: Die Flexibilität steht oft über der langfristigen Effizienz. Laut Blick berichten die großen Detailhändler von einer Nachfrage, die das Vorjahr deutlich übertrifft.
Verkaufsrekorde bei Galaxus und Interdiscount
Die Zahlen des Online-Warenhauses Digitec Galaxus belegen die Intensität des aktuellen Booms. Das Unternehmen verzeichnete eine Steigerung der Verkäufe um 50 Prozent gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres. Dieser Anstieg folgt auf ein bereits rekordverdächtiges Jahr 2025, was auf eine dauerhafte Verschiebung im Konsumverhalten hindeutet.
Auch Interdiscount, die Heimelektronik-Tochter von Coop, bestätigt den Boom. Trotz der massiven Nachfrage können beide Händler Entwarnung geben: Zwar ist die Auswahl an Modellen teilweise eingeschränkt und es kommt bei einzelnen Geräten zu Engpässen, doch in allen Preissegmenten sind weiterhin Geräte verfügbar.
Marktdominanz mobiler Monoblocks
Bei der Wahl des Gerätetyps setzen die Schweizer Kunden primär auf Einfachheit. Mit einem Marktanteil von 56 Prozent sind mobile Monoblock-Geräte die beliebteste Option. Der Grund für diese Dominanz liegt vor allem in der praktischen Handhabung und der Eignung für Mietwohnungen, da diese Geräte ohne bauliche Eingriffe in Betrieb genommen werden können.

Interessant ist jedoch die Entwicklung bei den mobilen Split-Klimaanlagen. Diese gewinnen zunehmend an Bedeutung und wurden diesen Sommer von rund 16 Prozent der Kunden gewählt. Während Monoblocks die schnelle Lösung bieten, entscheiden sich immer mehr Käufer für Split-Systeme, wenn die Anforderungen an Effizienz und Geräuschpegel steigen.
Die technische Effizienz-Falle bei Luftkühlern
Nicht jedes Gerät, das eine Kühlwirkung verspricht, hält diesen Anspruch auch in der Praxis. Experten warnen davor, Ventilatoren, Luftkühler und echte Klimaanlagen in einen Topf zu werfen. Insbesondere Luftkühler (Aircooler), die mit Wasserverdunstung arbeiten, werden kritisch bewertet.
Wer erwartet, dass ein Aircooler einen Raum von 30 auf 22 Grad herunterkühlt, wird enttäuscht sein.Dolores Marin, Expertin bei Centigrados, via 20 Minuten
Das Hauptproblem der Luftkühler ist die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit. In den oft schwülen Sommertagen der Schweiz kann dies dazu führen, dass die Raumluft subjektiv sogar unangenehmer wird. Ventilatoren hingegen kühlen die Luft gar nicht, sondern beschleunigen lediglich die Verdunstung auf der Haut, was zwar günstig und stromsparend ist, aber die Raumtemperatur unberührt lässt.
Echte mobile Klimageräte hingegen entziehen der Luft Wärme und leiten diese über einen Schlauch nach draußen. Sie sind wirksam, aber laut Nico Mangione, Geschäftsführer von Kältech, konstruktionsbedingt weniger effizient als Split-Anlagen, da sie oft warme Außenluft nachziehen und einen deutlich höheren Stromverbrauch aufweisen.
Kosten und Leistung im Gerätevergleich
Für Verbraucher ergibt sich eine klare Hierarchie zwischen Anschaffungskosten, Betriebskosten und tatsächlicher Kühlleistung. Während Ventilatoren die günstigste Einstiegslösung darstellen, bieten Split-Klimaanlagen die höchste Effizienz, erfordern jedoch eine feste Installation mit einem Außengerät.

| Gerätetyp | Preisspanne (CHF) | Stromkosten | Kühlwirkung |
|---|---|---|---|
| Ventilator | 30 – 200 | Sehr niedrig | Nur Hautkühle (keine Raumkühlung) |
| Luftkühler | 80 – 400 | Niedrig bis mittel | Begrenzt, erhöht Luftfeuchtigkeit |
| Mobile Klimaanlage | 300 – 1.000 | Hoch | Echte Kühlung, aber laut |
| Split-Anlage | Nicht angegeben | Effizient | Maximal, leise (Testsieger) |
Die Wahl des Geräts ist oft ein Kompromiss aus rechtlichen Rahmenbedingungen und finanziellem Budget. In Mietwohnungen bleiben mobile Geräte die einzige Option, sofern keine Genehmigung für eine Split-Anlage vorliegt. Doch die steigenden Temperaturen zwingen die Konsumenten dazu, die kurzfristige Bequemlichkeit der Monoblocks gegen die langfristige Effizienz und Ruhe von Split-Systemen abzuwägen.
Die aktuelle Marktsituation zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung die Klimatisierung zunehmend als Notwendigkeit und nicht mehr als Luxus betrachtet. Mit einem Verkaufsplus von 50 Prozent bei Galaxus wird deutlich, dass die Infrastruktur der privaten Wohnungen in der Schweiz nicht optimal auf die neuen klimatischen Realitäten vorbereitet ist, was den Boom bei den mobilen, schnell installierbaren Lösungen befeuert.
Find more reporting in our Unternehmen section.