Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Psychotherapeutenberuf: Hohe Kosten und Zugangshürden

Die Ausbildung zum Psychotherapeuten kostet in Deutschland nach Angaben von Betroffenen erhebliche Summen, während Zugangshürden und neue Budgetierungen für Kassenleistungen die Praxisgründung erschweren. Nach dem im Jahr 2020 reformierten System folgt auf das Studium die Approbation und eine vergütete Weiterbildung, wie Recherchen zeigen.

Hohe Kosten und enge Hürden auf dem Weg zum Beruf

Der Weg in den Therapeutenberuf ist lang und finanziell anspruchsvoll. Farid, dessen Familie eine lange Tradition in diesem Berufsfeld hat und dessen Großvater Nossrat Peseschkian die Positive Psychotherapie begründete, absolvierte sein Psychologiestudium an der Medical School Hamburg sowie an der Universität Utrecht. Von 2021 bis 2025 folgte die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten an der Köln-Bonner Akademie für Psychotherapie, wie aus Berichten hervorgeht.

Die finanziellen Aufwendungen summieren sich dabei spürbar. Der Bachelor an einer privaten Hochschule schlug mit rund 15.000 Euro zu Buche, der Master an einer öffentlichen Universität kostete etwa 2.300 Euro, und für die therapeutische Ausbildung fielen nochmals rund 27.000 Euro an. Neben den finanziellen Lasten kritisiert Farid vor allem den Zugang: Ein großes Problem ist, dass der NC so unglaublich knallhart ist, erklärt er mit Blick auf den Numerus Clausus.

Praxisgründung, Kassensitze und neue Honorarvorgaben

Wer eine eigene Praxis betreibt und gesetzlich Versicherte behandeln will, stößt auf finanzielle und bürokratische Hürden. Die Übernahme eines Kassensitzes kann je nach Standort bis zu mehr als 100.000 Euro kosten. Neben seiner eigenen Privatpraxis, in der er ausschließlich Privatpatienten und Selbstzahler behandelt und für eine 50-minütige Sitzung 120 bis 170 Euro brutto erhält, arbeitet Farid einen Tag pro Woche in einer Kassenpraxis und promoviert nebenher.

Zusätzliche Dynamik bringt eine Entscheidung des Bundestags in die ambulante Versorgung. Die Bezahlung ambulanter Psychotherapien wurde beschränkt: Ab einer bestimmten Stundenzahl gibt es für weitere Sitzungen weniger Geld. Ausnahmen greifen unter anderem bei Kindern, Jugendlichen, schwer erkrankten Menschen sowie in dringenden Akutfällen. Fachverbände äußern die Sorge, dass für andere gesetzlich Versicherte dadurch längere Wartezeiten entstehen könnten.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.