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Technik und Wissenschaft

Psychologie: Enkelbande beruht auf echtem Interesse statt Präsenz

Entgegen der landläufigen Meinung hängt eine enge Bindung zwischen erwachsenen Enkelkindern und ihren Großeltern laut Psychologen nicht davon ab, wer am häufigsten präsent war. Vielmehr spielt echtes, aufmerksames Interesse am Gegenüber die entscheidende Rolle für die seelische Gesundheit und die Generationenbeziehung.

Manche Enkelkinder telefonieren jeden Sonntag mit ihren Großeltern, während andere sie lediglich zu Festtagen sehen. Wie Berichte der New Yorker Autorin Harleen Kaur zeigen, ist die Intensität der Bindung zu Großeltern im Erwachsenenalter stark von echtem Interesse geprägt.

Warum echtes Zuhören wichtiger ist als bloße Präsenz

Im alltäglichen Umgang zeigen sich laut den vorliegenden Beobachtungen deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Großeltern-Typen. Ein freundlicher, zwar oft anwesender Großelternteil erkundigt sich standardmäßig nach der Arbeit der Eltern oder wiederholt vertraute Anekdoten aus der Vergangenheit – etwa über ein im Jahr 1994 verkauftes Haus. Zwar mögen Enkel solche Verwandten, doch rufen sie sie seltener aktiv an.

Ein anderer Typ Großmutter oder Großvater wendet sich dem Enkelkind dagegen direkt zu, erkundigt sich beispielsweise konkret nach der Lektüre eines Neunjährigen und hakt gezielt nach. Dieses Gegenüber möchte wissen, worum es in dem Buch geht und welcher Teil eventuell langweilig war. Laut Kaur spüren schon Kinder, dass sie als eigenständige Gesprächspartner ernst genommen werden, was von Psychologen regelmäßig bestätigt wird.

Die Bedeutung starker Großeltern-Beziehungen für die psychische Gesundheit

In einer Zeit, in der psychische Probleme bei jungen Menschen zunehmen, hebt Kenneth Barish, klinischer Professor für Psychologie an der Weill Cornell Medicine, die besondere Bedeutung von Großeltern hervor. Das Fachportal Science Daily berichtete hierzu über sein Buch The Art and Science of Parenting and Grandparenting.

Barish argumentiert, dass Kinder vor allem unterstützende Beziehungen, sinnvolle Gespräche und Sinnhaftigkeit benötigen statt reinen Leistungsdruck.

Die sichere Erwartung eines Kindes, dass jemand zuhört und versteht, ist der beste Schutz vor den emotionalen Krankheitserregern, denen es im Laufe seiner Kindheit ausgesetzt sein wird. Mehr als alles andere brauchen Kinder jemanden in ihrem Leben, der zuhört, der ihnen hilft, sich weniger allein zu fühlen, und der ihnen beibringt, dass Probleme gelöst, Beziehungen repariert werden können und schlechte Gefühle nicht ewig anhalten.

Kenneth Barish, klinischer Professor für Psychologie an der Weill Cornell Medicine

Der Kinderpsychologe bezeichnet diese aufmerksamen Gesten als Moleküle emotionaler Gesundheit, die das emotionale Immunsystem junger Menschen stärken. Ergänzend dazu spielen gemeinsames Vergnügen, Spiele und ein echter Enthusiasmus für die Ziele der Kinder eine wesentliche Rolle für den langfristigen Zusammenhalt.

Langfristige Nachwirkungen bis in das frische Erwachsenenalter

Die positiven Effekte dieser generationenübergreifenden Bindungen reichen weit über die Kindheit hinaus. Wie der Psychiater Thomas R. Verny erklärt, überdauern vor allem die Lehren aus der frühen Kindheit im Hinblick auf Spiritualität und moralische Entwicklung die Zeit bis in das frühe Erwachsenenalter.

Genau dann zeigt sich, wie intensiv die Gespräche der erwachsenen Enkel mit ihren Großeltern geworden sind und auf welche Weise sie den alten Geschichten ihrer Verwandten begegnen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.