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Sport

Patrick Fischer gibt zu: Fälschung von Corona-Zertifikat für Olympia 2022

Patrick Fischer, der ehemalige Nationaltrainer des Schweizer Eishockeys, hat sich am 9. Juni 2026 erstmals öffentlich zu seiner Entlassung geäussert. In einem PR-Interview räumte er ein, für die Olympischen Winterspiele 2022 ein gefälsches Covid-Zertifikat genutzt zu haben, um eine Quarantäne zu vermeiden und die Mannschaft vorzubereiten.

Die Entscheidung für das gefälschte Zertifikat und die rechtlichen Folgen

Die Entscheidung für das gefälschte Zertifikat und die rechtlichen Folgen
Photo: blue News
Der Grund für die Urkundenfälschung war laut Fischer der enorme Druck, die Schweizer Nationalmannschaft optimal auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking vorzubereiten. Eine vorgeschriebene Quarantäne bei Einreise nach China hätte ihn daran gehindert, diese Aufgabe wahrzunehmen. Während ein Einzelsportler die Quarantäne in Kauf nehmen könne, sei dies in der Rolle des Teamchefs deutlich schwieriger gewesen. Fischer betonte, dass er seinem Bauchgefühl gefolgt sei und eine Impfung abgelehnt habe. Diese Haltung sei innerhalb des Verbandes bekannt gewesen. Die finanziellen Risiken waren hoch: Im Herbst 2021 unterzeichnete er einen Vertrag mit einer Covid-Klausel. Diese verpflichtete ihn zur Wahrnehmung sämtlicher Einsätze. Hätte er Turniere aufgrund eines fehlenden Zertifikats verpasst, hätten laut SRF-Berichten finanzielle Sanktionen in einer Grössenordnung von über einer halben Million Franken gedroht. Die rechtlichen Konsequenzen liess sich Fischer nicht entgehen. Bereits im Jahr 2023 wurde er wegen Urkundenfälschung zu einer unbedingten Geldstrafe von 38’910 Franken verurteilt. Die Trennung vom Schweizerischen Eishockeyverband erfolgte jedoch erst im April 2026, unmittelbar nachdem die Details der Affäre öffentlich wurden.

Der Streit um die „Off the Record“-Vereinbarung mit dem SRF

Der Streit um die „Off the Record“-Vereinbarung mit dem SRF
Photo: Watson
Ein zentraler Punkt des aktuellen Diskurses ist der Vorwurf Fischers, das Schweizer Fernsehen (SRF) habe eine Vertraulichkeitsvereinbarung gebrochen. Fischer gibt an, die Details über den Kauf des Zertifikats während eines Mittagessens in Altstetten gegenüber dem SRF-Mitarbeiter Pascal Schmitz offengelegt zu haben. Er behauptet, dass diese Informationen off the record, also nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen seien. Als Beweis führt Fischer eine E-Mail von Schmitz an, in der dieser schrieb, dass ihm die Bedeutung einer solchen Vereinbarung bewusst sei und er diese ernst nehme. 20 Minuten berichtet, dass Fischer diese schriftliche Bestätigung als Beleg für die Vertraulichkeit sieht. Das SRF weist diese Darstellung entschieden zurück. Die Medienstelle des Senders erklärt, dass eine gültige „Off the Record“-Vereinbarung vorgängig, explizit und gegenseitig erfolgen müsse, was hier nicht der Fall gewesen sei. Der erwähnte E-Mail-Verkehr sei lediglich eine Reaktion auf eine nachträgliche Forderung des Medienchefs des Eishockey-Verbandes, Finn Sulzer, gewesen. Schmitz habe in der Mail lediglich den Wortlaut des Verbandes wiedergegeben, ohne damit eine ursprüngliche Vereinbarung zu bestätigen.

Vorbildfunktion versus persönliche Überzeugung

Bonus: Die Entlassung von Patrick Fischer
In seinem Statement reflektiert Fischer über den Widerspruch zwischen seiner privaten Haltung und seiner öffentlichen Rolle. Er gibt zu, seine Vorbildfunktion als Nationaltrainer verletzt zu haben. Gleichzeitig argumentiert er, dass er sich selbst treu geblieben sei, indem er die Verantwortung für seinen eigenen Körper priorisierte. Ich hätte als Nationalcoach nicht mit einem gefälschten Zertifikat einreisen dürfen. Definitiv, da gibt es nichts schönzureden. Patrick Fischer, Ex-Nationaltrainer Hinsichtlich des Gesundheitsrisikos für das Team in Peking zeigt sich Fischer gelassen. Er verweist auf die strengen Protokolle, die täglichen Tests im Leistungszentrum in der Schweiz sowie bei der Einreise und während der Spiele. Da positive Fälle sofort isoliert worden seien, schätze er das Risiko für die Mannschaft auch rückblickend als überschaubar ein. Kritiker sehen darin jedoch eine Relativierung einer Straftat. Laut einem Kommentar von Watson zeige Fischer wenig Selbstreflexion, da er den Fehler primär darin sehe, dem SRF vertraut zu haben, und nicht in der begangenen Urkundenfälschung selbst.

Die Inszenierung des PR-Interviews

Die Inszenierung des PR-Interviews
Photo: 20 Minuten
Die Form der ersten öffentlichen Stellungnahme sorgt ebenfalls für Diskussionen. Es handelt sich nicht um ein klassisches journalistisches Interview, sondern um ein von einer PR-Agentur produziertes Video auf YouTube. Die Aufzeichnung wurde durch die Signorell GmbH realisiert. Die Fragen stellte Peter Röthlisberger, ein ehemaliger Chefredaktor des Blick, der heute als Kommunikationsberater tätig ist. Blue News weist darauf hin, dass dieses Setting darauf ausgelegt ist, Führungskräften einen kontrollierten und vorteilhaften Medienauftritt zu ermöglichen. Fischer begründete die Verzögerung seiner Stellungnahme damit, dass er Ruhe einkehren lassen wollte, damit sich die Mannschaft voll auf die Weltmeisterschaft konzentrieren konnte. Die strategische Wahl eines PR-Kanals anstelle eines unabhängigen Mediums unterstreicht den Versuch, das Narrativ der eigenen Person nach der Entlassung aktiv zu steuern. Die Situation hinterlässt ein komplexes Bild: Ein Trainer, der zwischen vertraglichen Verpflichtungen, persönlichen Gesundheitsüberzeugungen und rechtlichen Normen stand und letztlich den illegalen Weg wählte. Während Fischer nun versucht, die Verantwortung teilweise auf die Kommunikation des SRF zu verschieben, bleibt die faktische Grundlage seiner Entlassung – die Urkundenfälschung – unbestritten.
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Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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