Papst Leo hat am Freitag seine viertägige Frankreich-Reise begonnen und im Élysée-Palast in Paris vor den Risiken künstlicher Intelligenz gewarnt. Der erste Papstbesuch seit fast 20 Jahren trifft in einem streng laizistischen Land ein, das trotz sinkender Mitgliederzahlen gleichzeitig einen sprunghaften Anstieg Erwachsenentaufe verzeichnet.
Warnung vor künstlicher Intelligenz im Élysée-Palast
Zum Auftakt seines offiziellen Besuchs in Frankreich wurde Papst Leo am Freitag bei strahlendem Sonnenschein am Pariser Flughafen Orly von Präsident Emmanuel Macron und dessen Frau Brigitte empfangen. Unter den vergoldeten Decken des Élysée-Palastes richtete das Kirchenoberhaupt einen dringenden Appell an die internationale Gemeinschaft, die Entwicklung der digitalen Technologie kritisch zu hinterfragen.
Wenn wir vermeiden wollen, dass wir inmitten eines „Paradieses von Maschinen, das unser tägliches Leben überrennt und bestimmt, unsere Menschlichkeit verlieren, besteht ein dringender Bedarf an Bildung zur ethischen Unterscheidung.
Der erste US-amerikanische Papst, der die Gefahren von KI zu einem zentralen Thema seines 16-monatigen Pontifikats gemacht hat, kritisierte zudem gesellschaftliche Trends, die Wissenschaft und Technologie in gewinnorientierte Unterkünfte verwandeln. Er nannte dabei in seiner Rede ausdrücklich genetische Manipulationen, Leihmutterschaften, den Handel mit menschlichen Organen sowie Bestrebungen zur aktiven Sterbehilfe. Damit griff er unmittelbar das politische Spannungsfeld in dem Gastgeberland auf, wo die Nationalversammlung im Jahr 2024 Abtreibung als Grundrecht in der Verfassung verankert und kurz vor dem Besuch ein Gesetz zur Legalisierung medizinischer Sterbehilfe für unheilbar kranke Erwachsene verabschiedet hatte.
Unerwarteter Zuwachs bei Erwachsenentaufen in einem säkularisierten Land
Der päpstliche Besuch fällt in eine Zeit tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels in Frankreich, einer Nation mit einer strikten gesetzlichen Trennung von Staat und Religion auf Basis eines Gesetzes aus dem Jahr 1905. Statistiken des Amts für Demografie zeigen, dass der Anteil der katholischen Bevölkerung seit Jahren rückläufig ist und jüngere Altersgruppen kaum noch religiöse Bindungen aufweisen. Dennoch erlebt die katholische Kirche in dem Land eine bemerkenswerte Entwicklung: Entgegen dem allgemeinen Trend haben sich die Zahlen der Erwachsenentaufen seit 2022 mehr als verdreifacht.

Wie die französische Bischofskonferenz mitteilt, werden im Jahr 2026 schätzungsweise 13.234 Erwachsene getauft, verglichen mit 4,278 im Jahr 2022. Die französische Akademikerin Dr. Alexandra Maclennan erklärte gegenüber kirchlichen Medien, dieser Zuwachs zeuge von einem tiefen spirituellen Verlangen, das über eine einfache Nachholbewegung nach der Coronapandemie hinausgehe. Gleichzeitig stehe die Kirche vor logistischen Hürden, da Seelsorger den enormen Zulauf in den Pfarreien kaum bewältigen können.
Programm in Paris, Lourdes und Metz
Das streng getaktete Programm des Papstes führt ihn nach den Terminen in Paris zu weiteren Stationen in ganz Frankreich. Auf seiner Agenda stehen unter anderem eine Ansprache am Sitz der UN-Kulturorganisation UNESCO sowie ein Korso im Papamobil über die Champs-Élysées.

Im weiteren Verlauf der Reise reist das Kirchenoberhaupt in den südwestfranzösischen Marienwallfahrtsort Lourdes. Den Abschluss der viertägigen Reise bildet ein Besuch in Metz an der deutschen Grenze, wo Leo eine Grundsatzrede halten wird.
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