Eine neue Oxford-Studie mit mehr als 20.000 Teilnehmenden zeigt, dass Menschen die Freundlichkeit alltäglicher Handlungen vor allem nach deren praktischem Nutzen bewerten. Der persönliche Aufwand für die helfende Person spielt laut der Auswertung eine deutlich geringere Rolle für die Wahrnehmung von Hilfsbereitschaft.
Freundlichkeit zeigt sich im Alltag oft in kleinen und unscheinbaren Momenten, weshalb sich die Frage stellt, woran Menschen solche Handlungen tatsächlich erkennen. Laut Berichten des französischen Magazins Psychologies
untersuchte eine Oxford-Studie, wie Personen die Hilfsbereitschaft von alltäglichen Gesten bewerten, so Focus. Der Untersuchung lagen zwei groß angelegte Erhebungen mit insgesamt mehr als 20.000 Teilnehmenden und über 2.000 verschiedenen Handlungen zugrunde.
Oxford-Studie bewertet Nutzen und Aufwand bei 385 Handlungen
Im Rahmen der Untersuchung bewerteten die Studienteilnehmer insgesamt 385 verschiedene Handlungen nach zwei zentralen Kriterien: dem konkreten Nutzen für die empfangende Person sowie dem Aufwand für die helfende Person. Das zentrale Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass vor allem die Frage entscheidend ist, wie sehr eine Handlung dem Gegenüber hilft.
Je größer der wahrgenommene Nutzen einer Handlung eingeschätzt wurde, desto freundlicher stuften die Befragten sie ein. Dieses Bewertungsmuster zeigte sich unabhängig davon, ob die Hilfe einem Familienmitglied, einem Freund, einer Kollegin oder einer fremden Person zugutekam.
Geringer Aufwand bei hohem Nutzen für die empfangende Person
Als besonders freundlich gelten demnach Handlungen, die anderen einen großen Vorteil bringen, selbst aber nur wenig Aufwand erfordern. Solche Gesten lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren und besitzen für die empfangende Person dennoch eine erhebliche Bedeutung. Der von der helfenden Person investierte Aufwand in Form von Zeit, Energie oder Geld beeinflusst die Bewertung zwar ebenfalls, allerdings deutlich schwächer als der praktische Effekt.
Gegenüber vertrauten Personen kann ein hoher persönlicher Einsatz zwar als Zeichen von Verbundenheit interpretiert werden. Gegenüber Fremden zählt hingegen vor allem der praktische Nutzen der Hilfe. Die Annahme, dass eine kostspielige Hilfeleistung mit geringem Nutzen besonders altruistisch und damit freundlicher wirkt, bestätigte sich in den Daten nicht.
Warum umfangreiche Unterstützung dennoch wertvoll bleibt
Die Erkenntnisse bedeuten laut der Auswertung keineswegs, dass aufwendige Hilfe weniger freundlich ist. Wer beispielsweise für einen kranken Freund einkauft oder einen erschöpften Nachbarn unterstützt, leistet eine wertvolle Hilfe, insbesondere wenn diese Maßnahme die Situation des anderen spürbar verbessert. Maßgeblich für die Einstufung als freundlich bleibt jedoch, dass die Unterstützung konkret wirkt, während der persönliche Aufwand allein nicht ausschlaggebend ist.
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