Oracle hat einen milliardenschweren Chip-Leasingvertrag mit dem chinesischen Technologiekonzern Tencent gekündigt. Auslöser des bekannt gewordenen Schritts war Druck aus Washington. Die Vereinbarung sah vor, dass Tencent über fünf Jahre hinweg Zugang zu rund 100.000 fortschrittlichen KI-Chips in Rechenzentren in Südostasien erhalten sollte.
Politischer Druck stoppt das Leasinggeschäft in Südostasien
Die Financial Times berichtete am Morgen des 4. November 2026 über die Aufhebung des im Oktober unterzeichneten Vertrags. Das Geschäft hatte ein geschätztes Volumen von 7 Milliarden US-Dollar und markierte das bislang größte internationale Leasingvorhaben des chinesischen Konzerns im Bereich künstlicher Intelligenz. US-Beamte hatten bei Oracle Bedenken angemeldet, während hochrangige Vertreter der chinesischen Provinz Guangdong gleichzeitig Druck auf Tencent ausübten, stattdessen heimische Prozessoren zu nutzen.
Der Stopp reiht sich in eine verschärfte Gangart der US-Regierung ein. Nur einen Tag zuvor wurde bekannt, dass NVIDIA seinen Cloud-Kunden vorschreibt, mindestens 51 Prozent ihrer Dienstleistungen an nicht-chinesische Unternehmen zu verkaufen. Solche Verträge erlaubten es chinesischen KI-Firmen bisher, Modelle auf Hardware zu trainieren, die im eigenen Land wegen Exportbeschränkungen unerreichbar ist.

Finanzielle Einordnung des verlorenen Tencent-Auftrags
Aus wirtschaftlicher Sicht fällt der Wegfall überschaubar aus. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren entspricht das Volumen rechnerisch etwa 1,4 Milliarden US-Dollar jährlich. Analysten erwarten einen Umsatz von 132 Milliarden US-Dollar, womit der betroffene Vertrag rund ein Prozent dieses Werts ausmacht. Auch gemessen an dem Ende August gemeldeten Auftragsbestand von 664 Milliarden US-Dollar bewegt sich der Verlust im kleineren Rahmen.
Komplexer stellt sich die Situation bei der Finanzierung dar. Erst am Montag schloss Oracle eine Kapitalbeschaffung über insgesamt 20 Milliarden US-Dollar ab, bestehend aus neuen Aktien zu einem Ausgabepreis von 116,00 US-Dollar und Anleihen. Zum 31. August standen Notes Payable und sonstige Verbindlichkeiten in Höhe von 125,34 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Jacob Bourne, Analyst bei Emarketer, erklärte am Tag des Investor Day, dass Oracle versuche zu zeigen, dass hinter den massiven Ausgaben für KI-Infrastruktur eine klare Strategie stecke, die Prognosen jedoch ehrgeizig und keineswegs garantiert seien. Bis zum Geschäftsjahr 2030 will Oracle mehr als 225 Milliarden Dollar umsetzen und über 21 Dollar je Aktie verdienen, wobei ein positiver Free Cashflow ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 erwartet wird.

Marktreaktion und bestehende Regionen-Verträge
Trotz der geopolitischen Störmanöver blieben andere Verbindungen intakt. Konkurrenten wie ByteDance und Alibaba halten ihre Leasingverträge mit US-Anbietern aufrecht. Oracle selbst beliefert ByteDance in Asien und betreibt mehrere Rechenzentren in Malaysia, die von der Neuregelung nicht berührt werden, da es sich um bestehende Vereinbarungen handelt. An der NYSE verzeichnete die Oracle-Aktie nach Bekanntwerden der Nachrichten dennoch einen Kursanstieg von 5,85 Prozent und eröffnete bei 126,14 US-Dollar.
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