Nach den verheerenden Sturzfluten vom 26. August in Nepal haben Behörden die aktiven Such- und Rettungsmaßnahmen offiziell eingestellt. Mit 1.455 bestätigten Todesopfern und über 5.200 weiterhin vermissten Personen steht das Land nun vor der schwierigen Aufgabe, die rechtliche Identifizierung der Verschollenen zu klären und den Wiederaufbau zu beginnen.
Regierung Beendet Suche nach Tausenden Vermissten
Die nepalesische Regierung hat die Einstellung aller nicht essenziellen Such- und Rettungsoperationen bekannt gegeben. Rund 40 Tage nach den folgenschweren Überschwemmungen in den Regionen Bhotekoshi und Trishuli verlagert sich der Fokus der Behörden nun auf die Phase der Rehabilitation und des Wiederaufbaus. Laut Phanindra Paudel, dem Leiter des National Emergency Operation Center, wurden während der Rettungsphase insgesamt 13.795 Menschen in Sicherheit gebracht, während 1.455 Todesopfer geborgen wurden.
Die offizielle Entscheidung fiel im National Council for Disaster Risk Reduction and Management unter dem Vorsitz von Premierminister Balendra Shah. Dharam Raj Uprety, Leiter der National Disaster Risk Reduction and Management Authority (NDRRMA), stellte klar, dass zwar keine aktive Suche nach Leichen mehr stattfindet, jedoch weiterhin Überreste oder Wertgegenstände geborgen werden, sollten diese während der Wiederaufbauarbeiten gefunden werden.

Rechtliche Hürden bei der Vermisstenfeststellung
Für die Angehörigen der über 5.285 vermissten Personen hat mit dem Ende der Suche eine Phase der Ungewissheit begonnen. Da viele der Vermissten nicht offiziell für tot erklärt sind, haben Familien keinen Zugang zu notwendigen Versicherungsleistungen oder Bankkonten. Die Regierung arbeitet derzeit an einem Prozess, um diese rechtlichen Formalitäten zu klären. Wir sind dabei, die erforderlichen rechtlichen Formalitäten zu erfüllen
, erklärte Paudel gegenüber Reuters.
In der Gemeinde Bidur, die besonders stark betroffen ist, berichten Lokalpolitiker von der schwierigen Lage der Betroffenen. Rajan Shrestha, der Bürgermeister von Bidur, sagte gegenüber der BBC, dass es für Angehörige unter Umständen bis zu 12 Jahre dauern könnte, bis sie die ihnen zustehenden Entschädigungszahlungen erhalten. Die Regierung hat für 504 Wiederaufbauprogramme einen Finanzbedarf von 559 Milliarden Nepalesischen Rupien (35.000 Crore) angemeldet.

Forensiker Nutzen DNA-Analysen zur Identifizierung
Die Identifizierung der geborgenen Leichen stellt die nepalesischen Behörden vor eine beispiellose Herausforderung. Da viele der 1.454 bisher geborgenen Körper nur teilweise erhalten sind, ist die Forensik auf DNA-Abgleiche angewiesen. Im National Forensic Science Laboratory in Lalitpur arbeiten Experten unter Hochdruck, um eine Datenbank zu erstellen, die weit über ihre übliche Kapazität hinausgeht. Um im Falle einer späteren Identifizierung eine Zuordnung zu ermöglichen, haben Behörden in einigen Fällen DNA-Proben entnommen und die Körper anschließend mit Markierungen im Boden bestattet.
„In einem Jahr würden wir 1.000 bis 1.500 Proben analysieren, oft im Rahmen von Vaterschaftstests oder an Tatorten. Wir verarbeiten jetzt Tausende von Proben.“
Mukul Pradhan, Leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am National Forensic Science Laboratory
Insgesamt durchlaufen derzeit 3.685 forensische Proben die DNA-Testverfahren, darunter mehr als 1.300 Proben, die von geborgenen Körpern genommen wurden. Blutproben lassen sich leichter analysieren, während Proben aus Zähnen oder Knochen mehrere Tage in Anspruch nehmen können. Nirajan Thapa, Leiter der Biologie-Abteilung des Labors, betonte, dass eine DNA-Extraktion allein nicht ausreiche, da zum Abgleich Referenzproben von Verwandten benötigt werden. Wir müssen ein DNA-Profil von ihren Verwandten extrahieren und dann vergleichen
, so Thapa. Unterstützung bei diesem Prozess leisten internationale Experten aus den USA und Singapur. Bisher konnten jedoch erst 112 der geborgenen Opfer identifiziert und an ihre Familien übergeben werden.

Ausländische Touristen unter den Vermissten
Unter den Vermissten befinden sich zahlreiche ausländische Staatsbürger. Laut Angaben des Tourismusministeriums werden 606 ausländische Touristen aus 36 Ländern vermisst. Die größte Gruppe stellen dabei 189 indische Staatsbürger dar, gefolgt von 65 US-Amerikanern, 55 Malaysiern, 54 Ukrainern, 37 Chinesen, jeweils 33 aus Australien und Lettland, 32 britischen Staatsbürgern und 30 Kanadiern. Zusätzlich wurden 188 nepalesische Touristen als vermisst gemeldet, während getrennt erfasste Daten aus indischen Bundesstaaten weitere Vermisste auswiesen.
Die ökonomischen Auswirkungen der Katastrophe sind gravierend. Behörden schätzen, dass für die frühe Erholungsphase und den Wiederaufbau von zerstörten Wasserkraftprojekten, Straßen, Brücken und landwirtschaftlichen Flächen fast 5 Milliarden US-Dollar benötigt werden. In den betroffenen Gebieten, wie etwa im Bezirk Rasuwa, wurde die Infrastruktur weitgehend zerstört, was die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern wie Treibstoff erschwerte.
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