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Technik und Wissenschaft

Robco erreicht Milliardenbewertung und expandiert in die USA

Das Münchner Robotik-Start-up Robco hat nach einer neuen Aktienplatzierung eine Bewertung von einer Milliarde Dollar erreicht und damit den Einhorn-Status erlangt. Während die Kernfertigung in Deutschland verbleibt, zieht Firmenchef Roman Hölzl in die USA, um das dort stark expandierende Geschäft zu leiten.

Die europäische Tech-Landschaft bekommt Zuwachs im exklusiven Club der hochbewerteten Start-ups. Wie Reuters berichtet, durchbrach Robco die Marke von einer Milliarde Dollar Marktwert. Grundlage für diesen Bewertungssprung war eine frische Aktienemission. Im Zuge dieser Transaktion flossen dem Unternehmen rund 40 Millionen Dollar von Investoren zu, wie Focus unter Berufung auf das Wall Street Journal darlegt. Innerhalb von nur neun Monaten hat sich die Bewertung des erst sechs Jahre alten Unternehmens damit verdoppelt.

Finanzierung und prominente Investoren hinter dem Einhorn-Status

Schon im Januar hatte das Unternehmen laut Reuters 100 Millionen Dollar an Kapital eingesammelt. Zu den beteiligten Geldgebern zählen bekannte Risikokapitalgeber wie Sequoia, Lightspeed und Lingotto. Die jüngste Runde brachte zudem Cherry Ventures und das European Tech Collective an Bord. Auch bestehende Investoren beteiligten sich erneut an der Finanzierung.

Insgesamt hat das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2020 annähernd 200 Millionen Dollar eingeworben. Obwohl frisches Geld in die Kassen kam, betonte Firmenchef Roman Hölzl gegenüber Focus, dass die Liquidität ohnehin komfortabel sei. Rund 100 Millionen Dollar befänden sich noch auf der Bank, was für ein sechs Jahre altes Unternehmen eine hervorragende Ausgangslage darstelle. Die Transaktion ermöglichte es zudem Mitarbeitern, eigene Anteile zu veräußern.

Robco erreicht Milliardenbewertung und expandiert in die USA
Foto: Focus

Der US-Marktzugang und der Umzug des Firmenchefs

Trotz starker europäischer Wurzeln zieht es das Management in Richtung Nordamerika. CEO Roman Hölzl ist in die Vereinigten Staaten umgezogen, um das dortige Wachstum direkt vor Ort zu steuern. Hölzl plant nach eigenen Angaben, nach weniger als zwei Jahren wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Roman Hölzl sagte gegenüber Reuters, dass der US-Markt größer in Bezug auf die absolute Größe sei und schneller wachse als Europa.

Rund 70 Prozent des Geschäfts macht Robco zwar weiterhin in Europa. Doch die USA entwickeln sich zum rasantesten Expansionsfeld. Bereits im Jahr 2025 kaufte Robco Teile des amerikanischen Robotikunternehmens Rapid Robotics inklusive der Hardware, der Kunden und des zugehörigen Teams. Während die Montage für den US-Markt teilweise in Austin im US-Bundesstaat Texas erfolgt, behält das Unternehmen die Montage und Fertigung fest in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz nach Angaben des Gründers verdreifacht, und auch für das laufende Jahr wird eine erneute Verdreifachung angestrebt, wobei konkrete Umsatzzahlen öffentlich nicht beziffert werden.

Modulare Systeme und der kommende Start des Roboters Alfie

Robco entwickelt modulare Industrieroboter, bei denen Hardware und Software aus einer Hand kommen. Zu den Kunden gehören etablierte Industrieunternehmen wie BMW, T-Systems und der Kabelspezialist Rosenberger. Mehr als 1000 Systeme wurden nach Angaben von Focus bisher verkauft.

Mit 449 Industrierobotern je 10.000 Beschäftigten in der Fertigung liegt Deutschland bei der Roboterdichte international weit vorne. Neben Robco haben im Bereich der Roboter-KI auch Agile Robots aus München und Neura Robotics aus Metzingen eine Milliardenbewertung erreicht. Neura kündigte im Juni eine Finanzierungsrunde von bis zu 1,4 Milliarden Dollar an, gestützt von Schwergewichten wie Nvidia, Amazon, Qualcomm, Bosch und Schaeffler, und wurde Medienberichten zufolge mit rund sieben Milliarden Dollar bewertet.

Für den kommenden März plant Robco die kommerzielle Einführung von Alfie. Dabei handelt es sich um einen zweiarmigen, selbstlernenden Roboter, der speziell für industrielle Aufgaben konzipiert wurde, die sich mit traditioneller Automatisierung nicht ohne Weiteres bewältigen lassen. Mehrere Kunden haben nach Angaben des Unternehmens bereits einen Prototypen von Alfie installiert.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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