NATO-Oberbefehlshaber General Alexus Grynkewich hat auf dem Warschauer Sicherheitsforum eine neue Militärstrategie vorgestellt. Angesichts anhaltender Sabotageakte betonte der US-General, das Bündnis werde im Ernstfall jeden Angriff mit allen Mitteln abwehren und gegnerische Logistikketten konsequent zerstören.
Angesichts wachsender Sorgen vor russischen Hybridangriffen und Grenzprovokationen hat das westliche Bündnis seine militärische Doktrin für die östliche Flanke geschärft. General Alexus Grynkewich, der Supreme Allied Commander Europe, präsentierte am Montag auf dem Warschauer Sicherheitsforum seine ausgearbeitete Strategie, die er als Theory of Victory
bezeichnet.
Der US-Luftwaffengeneral stellte klar, dass ein Konflikt zwar weder unmittelbar bevorstehe noch unvermeidlich sei, das Bündnis im Ernstfall jedoch kompromisslos agieren werde. Grynkewich sagte vor den Konferenzteilnehmern in der polnischen Hauptstadt: Wenn jemand so foolish ist, uns anzugreifen, werden wir kämpfen
, wie unter anderem Al Jazeera berichtete. Die vor drei Monaten in geheimer Form finalisierte Strategie soll laut dem Oberbefehlshaber garantieren, dass jeglicher Angriff auf einen Bündnispartner vollkommen aussichtslos bleibt.
Der US-Luftwaffengeneral betonte vor dem anwesenden Publikum und den internationalen Diplomaten, dass die rund eine Milliarde Bürger der Allianz darauf vertrauen können, dass die militärischen Strukturen vorbereitet sind. Während westliche Geheimdienste und europäische Regierungen wiederholt vor einer zunehmenden Bereitschaft Moskaus zu risikoreichen verdeckten Operationen gewarnt hatten, wies der Kreml jegliche Angriffsabsichten auf europäische Staaten zurück und betonte stattdessen den Wunsch nach friedlicher Koexistenz.

Das dreistufige Abwehrkonzept: Blockieren, Dämpfen und Brechen
Die von allen 32 Mitgliedstaaten mitgetragene Planung stützt sich auf drei zentrale Prinzipien, die im Ernstfall nahtlos ineinandergreifen sollen. Ziel ist es, rasche Geländegewinne eines Angreifers von Beginn an zu verhindern und die gegnerische Kriegführung systematisch zu zerschlagen.
General Alexus Grynkewich erklärte: Wir werden den initialen Angriff blockieren. Wenn der Angriff anhält, werden wir ihn abwachen und jeglichen gegnerischen Vormarsch verhindern. Und falls erforderlich, werden wir die Streitkräfte des Feindes und das gegen uns aufgebotene operative Kriegführungssystem zerschlagen.
In der ersten Phase sollen Bodentruppen den anfänglichen Durchbruch an der Grenze stoppen. Drängt der Angreifer weiter nach vorne, greift die zweite Stufe, bei der die vorrückenden Truppen durch gezielten Druck geschwächt werden. Sollte die Aggression anhalten, sieht die finale Phase die systematische Zerstörung des gesamten operativen Systems vor.
Zur Umsetzung dieses Konzepts sieht der Plan die Errichtung einer umfassenden autonomen Zone an der östlichen Flanke vor. In diesem Bereich sollen moderne Drohnen und unbemannte Bodensysteme im Sinne einer kostengünstigen Masse eingesetzt werden, um gegnerische Vorstöße effektiv aufzuhalten und gleichzeitig eigene militärische Verluste zu minimieren. Die NATO-Streitkräfte stützen sich dabei auch auf Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine.
Erweiterte Ziele und Schläge gegen Infrastruktur in Belarus und Russland
Die militärische Planung beschränkt sich laut den Berichten nicht ausschließlich auf die direkt angreifenden Frontverbände. Der Oberbefehlshaber betonte, dass der Gegenschlag das gesamte unterstützende System des Gegners treffen werde.

Dazu zählen Nachschubwege, Kommunikationsknotenpunkte und logistische Einrichtungen.
Medienberichten zufolge sind im Rahmen dieses strategischen Konzepts auch gezielte Angriffe auf militärische Infrastruktur in Belarus, der Region Kaliningrad sowie im Raum Sankt Petersburg vorgesehen, um die Luftherrschaft des Gegners zu brechen. Sollte Belarus als Aufmarschgebiet für eine Aggression dienen, würde es nach den Plänen ebenfalls zum Kampfgebiet erklärt werden. Parallel dazu liefen groß angelegte Stabsübungen wie das Manöver Steadfast Duel mit tausenden beteiligten Soldaten und sämtlichen 32 Mitgliedstaaten, um diese regionalen Verteidigungspläne zu testen.
Reaktionen auf Sabotageakte und Beschwichtigung der Bevölkerung
Hintergrund der öffentlichen Vorstellungen sind wiederholte Sabotageversuche, Drohnenüberflüge und Brandanschläge in europäischen Mitgliedstaaten, die in den vergangenen Monaten für Nervosität gesorgt hatten. Grynkewich erklärte, er habe sich bewusst für einen offenen Auftritt entschieden, um den Bürgern der Allianz Sicherheit zu vermitteln.
Grynkewich sagte: Was ich tun möchte, ist den einer Milliarde Bürger unserer Allianz zu versichern, dass wir das im Griff haben.
Grynkewich fügte hinzu: Wir wissen, was wir tun müssen.
Gleichzeitig unterstrich er, dass das Bündnis keinerlei Regierungswechsel oder strategische Niederlage in Moskau anstrebe, sondern ausschließlich auf Abschreckung und Verteidigung ausgerichtet sei.
Zu den Besorgnissen bezüglich des Engagements der Vereinigten Staaten äußerte sich der US-General ebenfalls und verwies auf die gemeinsamen Absprachen beim NATO-Gipfel in Ankara im Juli sowie auf die Bekräftigung des Grundsatzes der kollektiven Verteidigung nach Artikel 5. Dennoch sehen sich europäische Regierungen angesichts von Rüstungsanstrengungen, steigenden Verteidigungsausgaben – wie etwa in Polen, den baltischen Staaten und anderen Ländern – sowie veränderter politischer Signale aus Washington weiterhin vor enorme Herausforderungen gestellt.
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