NASA und SpaceX haben die Crew-13-Mission zur Internationalen Raumstation gestartet. Der Flug wurde von einem ungewöhnlichen Triebwerkseingriff überschattet: Ingenieure mussten vor dem Start eine fehlerhafte und fest verschweißte Ventilleitung direkt in der Betankungs- und Gefahrgutanlage Area 59 auf der Cape Canaveral Space Force Station herausschneiden und ersetzen.
Am Donnerstag, den 1. Oktober 2026, hob um 11:10 Uhr EDT eine Falcon-9-Rakete von der Startrampe Space Launch Complex 40 der Cape Canaveral Space Force Station in Florida ab. An Bord der Dragon-Raumkapsel Grace
befindet sich eine vierköpfige internationale Besatzung, bestehend aus der NASA-Astronautin und Kommandantin Jessica Watkins, dem NASA-Piloten Luke Delaney, dem kanadischen Raumfahrer Joshua Kutryk sowie dem russischen Kosmonauten Sergey Teteryatnikov. Die Mission markiert den 13. langzeitigen Personentransport, den NASA und SpaceX im Rahmen des Commercial-Crew-Programms zur Raumstation durchführen. Das Unternehmen hinter dem Raumfahrzeug wurde im Jahr 2002 von Elon Musk gegründet, und der aktuelle Start schließt an eine Reihe von bemannten Flügen an, die im Mai 2020 ihren Anfang nahm. Für die Beförderung des Teams an den Ort im Erdorbit, der rund 250 Meilen über der Erdoberfläche liegt, setzt der Flug auf eine zweistufige Rakete.
Chirurgischer Eingriff an der Rakete vor dem Start
Dem erfolgreichen Start gingen ungewöhnliche Reparaturarbeiten voraus. Wie SpaceX-Manager William Gerstenmaier und NASA-Vertreter erklärten, entdeckten Techniker ein Leck an einer Komponente im Treibstoffsystem. Statt des üblichen, zeitraubenden Rückbaus entschied sich das Unternehmen für einen direkten Eingriff im Vorbereitungsbereich. Das Raumschiff befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Betankungs- und Gefahrgutanlage Area 59 auf der Cape Canaveral Space Force Station.
Indem wir das Ventil herausschnitten, sind wir physisch reingegangen und haben das Ventil tatsächlich aus der Leitung geschnitten. Es war eingeschweißt, und dann haben wir tatsächlich ein neues Ventil wieder eingeschweißt.
William Gerstenmaier
Die Ingenieure nahmen sich der fehlerhaften Komponente an, während das Team vor Ort die verbleibenden Daten und Schweißnähte überprüfte, was bei den Verantwortlichen große Zufriedenheit auslöste. Die Techniker untersuchten die ausgebauten Teile, während die Programmmanagerin Dana Weigel betonte, dass der gesamte Ablauf der Maßnahme positiv bewertet wurde. SpaceX musste vorab eine Sondergenehmigung der Eastern Range der Space Force einholen, um die Arbeiten unter diesen Bedingungen durchzuführen.
Rekordverdächtiger Flug und wissenschaftliche Ziele im Orbit
Die Reise zur Internationalen Raumstation ist auf eine Rekorddauer von lediglich 7 Stunden und 50 Minuten ausgelegt. Gelingt der genaue Zeitplan, handelt es sich um den bisher schnellsten Flug eines US-Raumfahrzeugs zur ISS. Die Kopplung am vorderen Port des Harmony-Moduls war für etwa 19:00 Uhr EDT am selben Tag vorgesehen. Für Jessica Watkins ist es der zweite Flug mit einer Crew Dragon; sie ist damit die erste NASA-Astronautin, die zweimal auf diesem Raumschifftyp fliegt. Die Kommandantin der Mission ist 38 Jahre alt und bringt geologischen Hintergrund in das Unternehmen ein. Neben ihr nimmt Delaney im Pilotensitz Platz, der mit 47 Jahren als ehemaliger Test- und Kampfjetpilot seinen Einstand im All gibt. Komplettiert wird das Team durch die beiden Missionsspezialisten Kutryk, einen 44-jährigen früheren Test- und Kampfjetpiloten, dessen Jugendträume von der Raumfahrt durch solche Erlebnisse geprägt wurden, und Teteryatnikov, einen 37 Jahre alten Spezialisten für U-Boot-Operationen.
Nach einer kurzen Übergabephase treten die Mitglieder der Crew-12 die Heimreise an, die für Anfang Oktober geplant ist. Die Raumfahrtagentur hat betont, dass der Betrieb des orbitalen Außenpostens weiterhin bis zum Ende des Jahrzehnts aufrechterhalten werden soll.
Erweiterte Live-Übertragungen über Netflix und NASA-Kanäle
Die NASA begleitete die wesentlichen Phasen der Mission – von den Vorbereitungen über den eigentlichen Start bis hin zur Ankunft – mit einem umfassenden Live-Programm auf ihren Plattformen. Ergänzend dazu setzte sich die im Vorjahr gestartete Kooperation zwischen der Weltraumbehörde und dem Streamingdienst Netflix fort. Netflix übertrug den Start der Crew-13 weltweit live in seiner Benutzeroberfläche und schaltete sich direkt in das offizielle NASA-Signal ein, nachdem bereits die Live-Übertragungen zu den Artemis-II-Missionen im Frühjahr Millionen von Abrufstunden generiert hatten.
Während der gesamten Reise vom Start bis zur Ankunft an der Raumstation stellt die Weltraumbehörde zusätzlich reine Audiokommunikation zur Verfügung, die Einblicke in den Austausch zwischen dem Raumschiff, der ISS und den verantwortlichen Flugkontrolleuren gewährt. Nach dem erfolgreichen Andocken und dem anschließenden Öffnen der Schotte gegen Abend steht für die Ankommenden ein offizieller Empfang im Inneren des Labors auf dem Programm, bevor die eigentliche Arbeitsphase im Weltraum für das internationale Quartett beginnt.