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Sport

Larry Nassar aus Sexualstraftäterliste Michigans gestrichen

Larry Nassar gehört zu mehr als 20.000 Menschen, deren Namen von der offiziellen Sexualstraftäterkartei des US-Bundesstaates Michigan gestrichen wurden. Die Entscheidung der dortigen Justiz folgt auf ein richtungsweisendes Urteil des Obersten Gerichtshofs, das rückwirkende Auflagen für Altfälle untersagt.

Der Fall des verurteilten Sexualstraftäters und ehemaligen Sportarztes Larry Nassar hat eine heftige Kontroverse ausgelöst. Grund für die massenhaften Löschungen ist eine Entscheidung des Michigan Supreme Court vom 9. September 2026. Das oberste Gericht des US-Bundesstaates entschied einstimmig, dass Änderungen im Gesetz zur Registrierung von Sexualstraftätern (SORA) aus dem Jahr 2021 nicht rückwirkend angewandt werden dürfen.

Das Urteil des Michigan Supreme Court und die Hintergründe der Löschung

Die juristische Wende stützt sich auf den Grundsatz, dass für Taten aus der Vergangenheit keine verschärften Strafen oder Auflagen nachträglich eingeführt werden können. Die Michigan State Police war demnach gezwungen, mehr als 20.000 Namen aus der Online-Datenbank zu entfernen. Betroffen sind Personen, deren Straftaten vor dem 1. Juli 2011 begangen wurden. Zu diesem Zeitpunkt sahen die damaligen gesetzlichen Bestimmungen zeitlich begrenzte Fristen für die Registrierung vor. Der Fall Nassar zeigt die drastischen Konsequenzen dieser Rechtsprechung.

Larry Nassar aus Sexualstraftäterliste Michigans gestrichen
Foto: usatoday.com

Obwohl Nassar erst im Jahr 2018 in staatlichen Prozessen zu Haftstrafen von 40 bis 175 Jahren sowie 40 bis 125 Jahren verurteilt wurde, beziehen sich die Anklagedokumente auf Taten, die er vor 2011 im Rahmen seiner Tätigkeit für USA Gymnastics und die Michigan State University begangen hatte. Wegen dieser zeitlichen Einordnung fällt er unter die aktuelle Bereinigung des Registers, auch wenn er zusätzlich zu einer 60-jährigen Bundesstrafe wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material verurteilt wurde. Der verurteilte Täter arbeitete von 1996 bis 2014 für den nationalen Turnverband und war bis 2016 an der Universität in Michigan tätig. In seiner Zeit als Mediziner nutzte er seine Position aus, um hunderte junge Athletinnen zu missbrauchen. Zu den bekannten Opfern, die im Rahmen der juristischen Aufarbeitung vor den Behörden und dem Kongress aussagten, gehören prominente Turnerinnen wie die Olympiasiegerinnen Simone Biles, McKayla Maroney, Aly Raisman, Gabby Douglas, Jordyn Wieber sowie Maggie Nichols.

Reaktionen der Staatsanwaltschaft und Kritik von Opfern

Die Staatsanwaltschaft im Eaton County kritisierte das Vorgehen des Gerichts scharf.

Die Staatsanwaltschaft des Eaton County erklärte: „Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Michigan, die SORA-Anforderungen für diese Straftäter abzuschaffen, ist äußerst besorgniserregend.

In der Stellungnahme der Behörde wurde zudem betont, dass die Gemeinschaft sowie die Überlebenden dieser Taten von derartigen Listen ein Mindestmaß an Wachsamkeit und Schutz erwartet hätten. Doug Lloyd, der als Staatsanwalt im Eaton County tätig ist und als republikanischer Kandidat für das Amt des Attorney General von Michigan antritt, rügte das Urteil ebenfalls öffentlich. Auch von Seiten der Betroffenen und Opfervertretungen hagelte es erhebliche Kritik. Grace French, Gründerin und Präsidentin der Organisation The Assist zur Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt, bezeichnete die Maßnahme gegenüber regionalen Medien als einen institutionellen Vertrauensbruch, da eine fundamentale Sicherheitsvorkehrung aufgrund rein juristischer Formalitäten entfallen sei. Nach Angaben von Experten müssen die zuständigen Gesetzgeber im Parlament nun eine neue Regelung ausarbeiten, ein konkreter Zeitplan hierfür existiert bislang jedoch nicht.

Larry Nassar aus Sexualstraftäterliste Michigans gestrichen
Foto: CBS News

Rechtliche Einordnung und der Verbleib in Haft

Rechtsexperten wie der Professor Brendan Beery von der Cooley Law School weisen darauf hin, dass die Entscheidung auf der juristischen Prämisse beruht, dass für Taten aus der Vergangenheit keine verschärften gesetzlichen Konsequenzen auferlegt werden dürfen. Eine Überprüfung durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gilt unter Juristen als unwahrscheinlich, da eine vergleichbare Beschwerde in der Vergangenheit bereits abgewiesen worden war.

Für die laufenden Haftstrafen des 63-jährigen Nassar hat die Streichung aus der Datenbank keinerlei Auswirkungen. Der ehemalige Sportarzt, der während seiner Inhaftierung im Jahr 2023 in einem Gefängnis in Florida Opfer eines Angriffs mit mehreren Messerstichen wurde, befindet sich inzwischen im Bundesgefängnis U.S. Penitentiary Lewisburg in Pennsylvania. Angesichts der Gesamtdauer seiner Freiheitsstrafen gehen die Behörden übereinstimmend davon aus, dass er seine Haftzeit nicht mehr lebend verlassen wird.

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Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

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