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Technik und Wissenschaft

NASA testet 2026 faltbare Sonnenschutzschilde für Mondtemperaturen

Die NASA testet im Juni 2026 großflächige, faltbare Sonnenschutzschilde, um die extremen Temperaturschwankungen auf der Mondoberfläche zu regulieren. Diese leichten Folienstrukturen sollen die Habitate des Artemis-Programms vor der intensiven Strahlung schützen. Die Technologie nutzt dünne, hochreflektierende Materialien, die kompakt transportiert und vor Ort entfaltet werden können.

Thermische Instabilität auf der Mondoberfläche

Die Umgebung auf dem Mond stellt eine der größten technischen Herausforderungen für die dauerhafte Präsenz von Menschen und Maschinen dar. Die Oberfläche unterliegt massiven Temperaturschwankungen, die durch das Fehlen einer schützenden Atmosphäre verursacht werden. Während der Mond-Tag kann die Temperatur auf bis zu 127 °C steigen, während sie in der Mond-Nacht auf etwa -173 °C abfällt.

Solche Extremwerte führen zu erheblichen thermischen Spannungen in technischen Strukturen. Elektronische Komponenten, Batterien und die Lebenserhaltungssysteme der Habitate müssen gegen diese Zyklen isoliert werden, um Funktionsausfälle zu vermeiden. Ein statischer Schutz durch massive Bauweise wäre aufgrund des enormen Gewichts für heutige Trägersysteme nicht praktikabel.

Die NASA-Tests unter Verwendung von Hochvakuumkammern, die Druckwerte im Bereich von 10⁻⁶ Torr erreichen, sollen die Materialermüdung durch die vollständigen 28-tägigen lunaren Zyklen validieren. Diese Testreihen sind integraler Bestandteil der Vorbereitungen für die Artemis-III-Mission, um die thermische Belastbarkeit unter simulierten lunaren Bedingungen zu verifizieren.

Funktionsweise der Tension Fabric Structures

Um das Problem der thermischen Regulierung bei minimalem Gewicht zu lösen, setzt die Forschung auf sogenannte Tension Fabric Structures (TFS). Diese Technologie nutzt dünne, flexible Folien, die nach dem Prinzip eines Handtuchs am Pool funktionieren: Sie können extrem platzsparend zusammengefaltet werden und erst am Zielort zu einer großen Fläche entfaltet werden.

Die verwendeten Materialien bestehen meist aus hochfesten Polymeren wie Kapton, die mit einer mikroskopisch dünnen Schicht aus Aluminium oder anderen reflektierenden Metallen beschichtet sind. Diese Schichten erfüllen zwei Funktionen. Erstens reflektieren sie den Großteil der einfallenden Sonnenstrahlung, um eine Überhitzung der darunter liegenden Infrastruktur zu verhindern. Zweitens dienen sie als thermische Barriere, um den Wärmeverlust während der extrem kalten Mond-Nacht zu begrenzen.

Die technischen Spezifikationen sehen Kapton-Folien in Dicken zwischen 25 und 125 Mikrometern vor. Die Beschichtung erfolgt mittels Vapor Deposition (VDA), um eine Reflexionsrate von über 90 % für das sichtbare Licht zu erreichen. Das NASA Glenn Research Center führt hierbei Untersuchungen zum thermischen Ausdehnungskoeffizienten durch, um sicherzustellen, dass die metallische Schicht bei extremen Temperaturwechseln nicht von der Polymerbasis abplatzt. Die Technologie baut auf den Erfahrungen aus dem James Webb Space Telescope (JWST) auf, nutzt jedoch für die lunare Anwendung verstärkte mechanische Strukturen. Die Entfaltung erfolgt über computergesteuerte Aktuatoren und mechanische Rahmen, die eine präzise Spannung der Folie gewährleisten, um Wellenbildung oder Faltenwurf zu verhindern, welche die thermische Effizienz beeinträchtigen könnten. Sobald die Struktur stabilisiert ist, bildet sie ein schützendes Dach über den Landeplätzen oder wissenschaftlichen Stationen des Artemis-Programms.

Logistische Vorteile durch Volumenreduktion

Ein entscheidender Faktor für die Planung von Mondmissionen ist die Optimierung der Nutzlast. Die Kosten für den Transport von Material in den lunaren Orbit hängen direkt von der Masse und dem Volumen der Fracht ab. Starre Schutzschildungen würden einen unverhältnismäßig großen Teil der Kapazität von Trägersystemen wie dem Space Launch System (SLS) beanspruchen.

NASA’s 2026 Student Launch Awards Ceremony

Faltbare Strukturen verändern diese Kalkulation grundlegend. Da die Schilde in einem hochkomprimierten Zustand transportiert werden, können pro Start wesentlich größere Schutzflächen mitgeführt werden. Dies erlaubt es, die Infrastruktur am Mond schneller und kosteneffizienter auszubauen. Die Reduzierung der benötigten Startmasse ermöglicht es zudem, mehr wissenschaftliche Instrumente oder Versorgungsgüter auf dieselben Missionen zu laden.

Diese Entwicklung wird durch die „Lunar Surface Innovation Initiative“ der NASA gefördert. Im Vergleich zu starren Schutzschilden ermöglichen TFS-Systeme eine Reduzierung des Transportvolumens um schätzungsweise 70 % bis 80 %. Dies ist eine kritische Kennzahl für die Planung der Nutzlastverteilung auf dem Space Launch System (SLS) Block 1B, der für die Bereitstellung schwerer Infrastrukturkomponenten für die Artemis-Basen vorgesehen ist.

Herausforderungen durch Regolith und Strahlung

Trotz der technologischen Vorteile bleibt die Einsatzumgebung auf dem Mond hochgradig aggressiv. Ein wesentliches Risiko für die Haltbarkeit dieser dünnen Schilde ist der lunare Regolith. Dieser feine, scharfkantige Staub ist elektrostatisch aufgeladen und haftet an fast allen Oberflächen. Wenn Regolith auf die reflektierenden Folien gelangt, kann dies die optischen Eigenschaften beeinträchtigen und die Schutzwirkung verringern.

Zudem müssen die Materialien der kontinuierlichen Bestrahlung durch hochenergetische kosmische Strahlung und Mikrometeoriten standhalten. Die strukturelle Integrität der Polymerbasis darf durch den ständigen Beschuss nicht erodieren. Aktuelle Tests untersuchen daher die Langzeitstabilität dieser Dünnschichtsysteme unter simulierten Mondbedingungen, um sicherzustellen, dass die Schilde über die gesamte geplante Einsatzdauer der Artemis-Basen funktionsfähig bleiben.

Forscher am NASA Johnson Space Center (JSC) untersuchen aktuell die elektrostatische Ladung von Regolith-Partikeln, um aktive elektrostatische Abstoßungssysteme zu entwickeln, die die Albedo der Schilde stabilisieren. Zudem müssen die Strukturen die Grenzwerte für den Schutz gegen Solar Particle Events (SPE) einhalten. Dabei wird die Materialdichte so kalibriert, dass sie eine ausreichende Abschirmung gegen hochenergetische Protonen bietet, ohne das Gesamtgewicht der Habitat-Module zu überschreiten. Neben der mechanischen Erosion durch Mikrometeoriten untersuchen Experten am JSC auch die Degradation der Polymerketten durch Vacuum Ultraviolet (VUV) Strahlung. Diese Strahlung kann die chemische Struktur des Kaptons schwächen, weshalb die chemische Beständigkeit der Oberflächenschicht ein zentraler Prüfparameter der aktuellen Testreihen ist.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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