Die 23-jährige Buchhaltungsstudentin Najmeh Amini ist in Iran von einem Revolutionsgericht wegen des Vorwurfs der Prophetenbeleidigung zum Tode verurteilt worden. Nach monatelanger Isolationshaft in Maschhad und einem im September bekannt gewordenen Hilferuf aus dem Vakilabad-Gefängnis ist das Urteil noch nicht rechtskräftig und kann beim Obersten Gerichtshof angefochten werden.
Ein Gericht in der nordöstlichen iranischen Stadt Maschhad hat die 23-jährige Najmeh Amini zum Tode verurteilt. Die Nachrichtenagentur Human Rights Activists News Agency dokumentierte im Zuge der regierungskritischen Demonstrationen und der folgenden harten Niederschlagung mindestens 7.000 Tote und über 50.000 Festnahmen, wie unter anderem Berichte zeigen. Die Studentin wurde inhaftiert, nachdem sie am 31. Januar während der landesweiten Proteste gegen die Regierung festgenommen worden war.
Anklage vor dem Revolutionsgericht in Maschhad
Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen musste sich Amini im August vor dem Revolutionsgericht in Maschhad verantworten. Sie sah sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert, darunter Moharebeh
(Feindschaft gegen Gott), Sab al-Nabi
(Beleidigung des Propheten), die Zusammenarbeit mit Israel, die Beleidigung des Obersten Führers sowie Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Die Vorwürfe der Gottesfeindschaft und der Prophetenbeleidigung erwiesen sich als ausschlaggebend für die Verurteilung, da diese Straftatbestände im iranischen Strafrecht mit der Todesstrafe bedroht sind.

Laut Berichten der Nachrichtenagentur Human Rights Activists News Agency und des Iran Human Rights Monitor wurde die Studentin bei ihrer Festnahme durch die Cyberpolizei schwer misshandelt, verbrachte fast drei Monate in Isolationshaft auf der Sicherheitsstation des Vakilabad-Gefängnisses in Maschhad und befand sich insgesamt acht Monate in rechtlicher sowie administrativer Ungewissheit, während ihr grundlegende Verfahrensrechte vorenthalten wurden. Der Iran Human Rights Monitor berichtete, dass Amini während ihrer Untersuchungshaft keinen Zugang zu einem Anwalt ihrer Wahl hatte und nahezu drei Monate in der Sicherheitsstation des Vakilabad-Gefängnisses in Isolation festgehalten wurde. Die formelle Verkündung des Todesurteils erfolgte am 16. September 2026 durch Richter Assian von der 6. Strafabteilung des Revolutionsgerichts, nachdem Amini zuvor bereits acht Monate lang in willkürlicher Haft gehalten worden war.
Konsum von psychedelischen Pilzen und Reaktion des Gerichts
Die juristische Auseinandersetzung entzündete sich an Beiträgen, die Amini auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht hatte, nachdem ihre Online-Aktivitäten von der iranischen Cyberpolizei (Fata) überwacht worden waren. In ihrem Schlussplädoyer erklärte die Studentin, sie habe die entsprechenden Inhalte verfasst, während sie unter dem Einfluss von psychedelischen Pilzen stand, die sie zuvor mit Freunden konsumiert hatte, und sich in einem halluzinatorischen Zustand befunden.
Hilferuf aus dem Vakilabad-Gefängnis
Im September gelang es der inhaftierten Studentin, eine Audiobotschaft aus dem Zentralgefängnis von Mashhad an die Öffentlichkeit zu bringen, in der sie erklärte, die Botschaft am 18. September 2026 aufgenommen zu haben, nachdem sie zwei Tage zuvor über ihr Todesurteilung informiert worden war.
„Ich möchte mich heute nicht als Heldin darstellen. Ich will nur eines: Seid meine Stimme. Ich bin eine unschuldige junge Frau mit so vielen Hoffnungen und Träumen. Ich habe Eltern, die auf mich warten – eine Familie, die jede Nacht in Angst vor dem Verlust ihres Kindes verbringt.“
Internationale Warnungen vor Ausweitung der Todesstrafe
Menschenrechtsorganisationen wie die in Oslo ansässige Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) warnen vor einer massiven Zunahme von Hinrichtungen und Todesurteilen im Land. Nach Angaben von IHRNGO wurden im laufenden Jahr bereits mehr als 600 Menschen im Iran hingerichtet.
Vergleichbare Fälle von Todesstrafen wegen Blasphemie im Zusammenhang mit Online-Aktivitäten sind in der jüngeren iranischen Geschichte selten geblieben. Die bislang letzten dokumentierten Exekutionen in dieser Kategorie fanden am 8. Mai 2023 statt, als Yousef Mehrad und Sadrollah Fazeli-Zare nach entsprechenden Verurteilungen hingerichtet wurden. Das Urteil gegen Najmeh Amini ist zur Überprüfung beim Obersten Gerichtshof des Landes anhängig.