Iran setzt im Persischen Golf und in der Straße von Hormus neue Taktiken ein, um Ölexporte zu erschweren und die globalen Energiepreise vor den US-Zwischenwahlen im November hochzuhalten. Die iranische Revolutionsgarde verstärkt die Angriffe auf Handelsschiffe, während Washington mit einer Marineblockade und erweiterten Sanktionen dagegenhält.
Neue Taktiken und Angriffe im Persischen Golf
Die Führung in Teheran hat ihre Vorgehensweise bei Angriffen auf den Schiffsverkehr spürbar verändert. Nach Angaben zweier hochrangiger iranischer Vertreter, über die unter anderem Reuters berichtet hat, setzt das Land seit rund zehn Tagen auf neue offensive Methoden gegen Schiffe, die von den iranischen Behörden als sanktionswidrig eingestuft werden. Zu den neuen Mitteln gehören auch unbewaffnete Beobachter auf kleinen Booten, wie ein ungenannter US-Militärbeamter laut Reuters bestätigte; dabei handele es sich um Spotter der iranischen Revolutionsgarde, die potenzielle Ziele auskundschaften.
Ein anonymer US-Militärbeamter bestätigte die Beobachtung dieser Späher. US-Kräfte fingen ein solches Beobachtungsboot ab, forderten die Besatzung zum Verlassen auf und zerstörten das Boot anschließend. Parallel dazu weitet Teheran den geografischen Radius seiner Operationen aus. Die Angriffe beschränken sich längst nicht mehr nur auf die Straße von Hormus, sondern erstrecken sich laut Analysen, die sich auf Daten von UKMTO und Sicherheitsfirmen stützen, auch auf den Golf von Oman und Gewässer vor den Küsten von Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Das Ziel ist es, die Bemühungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten, die globalen Ölpreise zu senken, zu vereiteln.
Minenexplosionen und Schäden an Tankern
Die physische Gefahr für die Handelsschifffahrt hat sich in den vergangenen Tagen drastisch erhöht. The Independent meldete, dass ein Containerschiff mit mehr als 2.500 Containern nach dem Treffer auf eine Seemine in Brand geriet und im südlichen Teil der Straße von Hormus sank. Die iranische Revolutionsgarde erklärte dazu, das Schiff habe eine unautorisierte und gefährliche Route befahren.
Darunter befanden sich neben dem havarierten Containerschiff zwei Rohöl- und drei Produkttanker. Eine weitere Attacke traf den unter zypriotischer Flagge fahrenden Frachter GFS Galaxy, dessen 23-köpfige Besatzung von der omanischen Marine gerettet werden musste, während ein Ingenieur vermisst blieb.
Nach Angaben von Reuters erklärten zwei iranische Vertreter zudem, das Vorgehen sei vollständig mit dem herrschenden System des Landes abgestimmt. Die von den zuständigen Marinebehörden geführte Liste nicht konformer Schiffe diene dabei als Grundlage für gezielte Angriffe, während nach Angaben von Kpler gleichzeitig Ausfuhren über Küstenabschnitte des Golfs von Oman und des Roten Meeres einen Teil der wegfallenden Volumina durch die Meerenge ausgleichen. Ergänzend wies der britische Inlandsgeheimdienst MI5 darauf hin, dass die im September aufgedeckten Anschlagsplanungen auf den Stützpunkt der britischen Royal Air Force in Fairford kein Einzelfall seien und die iranischen Bestrebungen zur Ausweitung von Operationen gegen militärische Anlagen im Vereinigten Königreich unterstreichen. Die britische Polizei nahm im Rahmen dieser Ermittlungen sieben Männer fest, die jedoch inzwischen sämtlich gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurden, ohne dass bislang offizielle Anklagen erhoben worden wären.

In der Region kam es zu weiteren Zwischenfällen an kritischen Infrastrukturen und in der Handelsschifffahrt. Laut Angaben der saudieschen Behörden forderte ein Raketenangriff auf den König-Chaled-Flughafen in Riad insgesamt 13 Menschenleben und verletzte über 300 Personen. Ein Folgeantrag auf Angriffe am nächsten Tag hinterließ einen weiteren Toten sowie elf Verletzte. Unter den Opfern befanden sich ein indischer Staatsbürger auf einer Pilgerreise, eine ägyptische Flugbegleiterin und ein saudi-arabischer Pilot. Angesichts dieser Gefahren und der anhaltenden Blockade durch US-Einheiten, die laut Zentralkommando CENTCOM seit Juli 135 Schiffe abgewiesen und vier kommerzielle Schiffe manövrierunfähig gemacht hatten, bleibt die Lage für Reedereien extrem angespannt.
Reaktionen und Frachtraten im Wandel
Die anhaltenden Gefahren spiegeln sich in den globalen Transport- und Energiemärkten wider. Während US-Streitkräfte laut USNI News im Rahmen ihrer Blockade bis Oktober vier Handelsschiffe manövrierunfähig machten und 135 Schiffe abdrehten, versuchen regionale Akteure alternative Routen zu nutzen. Die Frachtraten auf bestimmten internationalen Routen gerieten unterdessen unter Druck, da Reedereien vermehrt auf das Rote Meer ausweichen.
| Handelsroute / Region | Marktentwicklung | Aktueller Wert (USD) |
|---|---|---|
| Mittelmeer-Frachtraten | Gesunken um 43 Prozent seit Juli | 4.007 USD je 40-Fuß-Container |
| Nordeuropa-Container | Gesunken um 34 Prozent | 3.645 USD im Durchschnitt |
| Ferner Osten – US-Westküste | Leichter Rückgang um 2 USD | 8.336 USD je 40-Fuß-Container |
Trotz dieser regionalen Entlastungen bei den Spotraten bleiben die Energiemärkte hochgradig volatil. Die Nordseesorte Brent notierte im Zuge der eskalierenden Angriffe um die Marke von 100 US-Dollar je Barrel, wobei The Guardian ebenfalls anmerkt, dass Brent die 100-Dollar-Marke überstieg. Die Reedereien und Sicherheitsbehörden fordern von den Besatzungen maximale Wachsamkeit, während die diplomatische Blockade zwischen Washington und Teheran keine Anzeichen einer Entspannung zeigt.

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