Der 31-jährige Rapper Capital Bra sprach im Interview mit dem „Spiegel“ erstmals offen über seine langjährige Kokain- und Tilidin-Sucht. Nach einer Überdosis im April 2026, die er live auf TikTok streamte, wurde bei ihm eine Kokainpsychose diagnostiziert. Sein erklärtes Ziel ist es nun, clean zu werden, um für seine fünf Kinder da zu sein.
Der Absturz eines Chart-Königs. Capital Bra, der mit 22 Nummer-eins-Hits den deutschen Rekord hält und damit sogar die Beatles übertraf, zeigt sich derzeit in einer ungewohnt verletzlichen Form. Was für Fans oft als exzentrisches Image wahrgenommen wurde, entpuppt sich als ein jahrelanger Kampf gegen Abhängigkeiten, die tief in seine Kindheit zurückreichen.
Die Kokainpsychose: Ein Live-Stream aus dem Krankenwagen
Photo: NordbayernIm April 2026 sorgte der Musiker für massive Besorgnis in seinen sozialen Netzwerken. Während er live auf TikTok streamte, wirkte er verstört und nuschelte in die Kamera. Laut BILD bestand der fatale Cocktail an diesem Abend aus Xanax, Tilidin und Kokain. Der Vorfall endete in einem Krankenwagen, nachdem ein Passant den Notruf gewählt hatte.Die Diagnose im Krankenhaus war eindeutig: Kokainpsychose. In der Rückschau beschreibt der Rapper diesen Moment als lebensbedrohlich.„Diese Kälte, das war einfach nicht normal. Ich kenne mich mit Drogen ja aus, leider. Aber diese Kälte. Das war anders. Ich habe am ganzen Körper gezittert.“Capital Bra, via SpiegelEr gibt zu, dass Kokain mittlerweile seine größte Sucht ist und er es immer dann übertreibt, wenn er die Kontrolle verliert. Die Todesangst dieses Tages markiert einen Wendepunkt in seiner öffentlichen Wahrnehmung.
Die Tilidin-Abhängigkeit und das Rezept-Dilemma
Photo: BILDWährend Kokain für die akuten Zusammenbrüche verantwortlich ist, zieht sich die Abhängigkeit vom Schmerzmittel Tilidin durch fast sein gesamtes Leben. Der Musiker begann bereits im Alter von elf Jahren mit dem Konsum von Tilidin, Cannabis und dem Rauchen. Diese frühe Phase war geprägt von schwierigen Verhältnissen; er zog im Alter von sieben Jahren aus Sibirien nach Berlin-Hohenschönhausen und landete später in einem Jugendheim.Heute befindet sich der Rapper in einer paradoxen medizinischen Situation: Er bekommt Tilidin mittlerweile auf Rezept verschrieben. Laut Berichten von 20min.ch nutzt er das Medikament in Kombination mit Naloxon. Er betont, dass diese Mischung nicht berauschend wirke, aber essenziell sei, um Panikattacken und körperliche Schmerzen zu unterdrücken.Ohne diese Medikamente sei eine normale soziale Interaktion kaum möglich. Auf die Frage, ob er das Mittel auch unmittelbar vor seinem Interview eingenommen habe, antwortete er knapp mit „Ja“, da er sonst nicht in der Lage wäre, sich normal zu unterhalten.
Ein Doppelleben zwischen Hotels und Familie
SAMRA & CAPITAL BRA – WIEDER LILA [Official Video]Die emotional schwerste Last der Sucht ist für den Musiker die Auswirkung auf seine Familie. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Charlyn hat Capital Bra fünf Kinder: Elyas (11), Ilja (9), Alyssa (5), Aaliyah (3) und die drei Monate alte Tochter Aliyna.Um seine Kinder vor seinem Zustand zu schützen, führte der Rapper ein systematisches Doppelleben. Wenn er „high“ war, mied er den Kontakt zu seinen Söhnen und Töchtern. Wie Nordbayern berichtet, floh er in solchen Momenten oft in Hotels oder wartete, bis die Kinder schliefen.„Ich kann nicht auf Drogen nach Hause gehen. Ich kann meine Söhne und Töchter nicht anfassen!“Capital Bra, via SpiegelDie Heimkehr erfolgte oft im Geheimen. Er schildert, wie er sich heimlich durch das Haus schlich, um direkt in die Dusche zu gehen und sich zu desinfizieren. Diese Geheimhaltung und die wiederholten Enttäuschungen führten laut eigenen Angaben zu einer massiven Belastung seiner Ehe und führten zwischenzeitlich sogar zur Trennung von seiner Partnerin.
Gescheiterte Entzüge und die Dubai-Episode
Der Weg zur Nüchternheit erwies sich bisher als steinig. Capital Bra gibt an, bereits „zehn, zwanzig“ Entzugversuche hinter sich zu haben. Einer der radikalsten Versuche war ein einjähriger Aufenthalt in Dubai.Trotz der Isolation und der professionellen Hilfe blieb der Erfolg aus. Ein ganzes Jahr lang litt er unter extremen Schmerzen, bis er schließlich rückfällig wurde. Die Erkenntnis, dass er sein Leben nicht dauerhaft in diesem Zustand der Qual führen könne, führte zurück zum Konsum.Diese Spirale aus Hoffnung und Rückfall spiegelt sich auch in seiner Karriere wider. Während er musikalisch Rekorde brach, blieb er privat in einer Abhängigkeit gefangen. Laut brisant.de gibt es seit zwei Jahren keine neue Musik von ihm, was die Schwere seiner persönlichen Krise unterstreicht.
Der Ausblick: Kampf gegen die Psychiatrie
Trotz der zahlreichen Rückschläge ist das Ziel des 31-Jährigen, bürgerlich Vladislav Balovatsky, klar definiert. Er möchte die Spirale aus Klinikaufenthalten, abgesagten Konzerten und psychiatrischen Behandlungen durchbrechen.„Ich möchte nicht mehr in der Psychiatrie landen. Ich möchte irgendwann nicht mehr irgendwo einen Entzug machen müssen. Ich möchte clean werden. Und für meine Kinder da sein können.“Capital Bra, via SpiegelSein Glaube dient ihm dabei als letzte Stütze. Dass er trotz seiner Vergangenheit und der Überdosierungen noch lebt, wertet er als Zeichen Gottes. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die öffentliche Beichte und der Druck, ein vorbildlicher Vater zu sein, diesmal den nötigen Impuls für einen dauerhaften Ausstieg aus der Sucht liefern.
Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.
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