Vertreter aus 69 Mitgliedsstaaten der Internationalen Organisation für Maße und Gewichte beraten am Donnerstag in Versailles bei Paris über die Abschaffung der Schaltsekunde. Sollte die Resolution angenommen werden, könnte die historische Anpassung von Weltzeit und Erdrotation ab Mai 2027 entfallen.
Die Zeitnehmer der Welt kommen am Donnerstag in Versailles nahe Paris zusammen, um über das Schicksal der Schaltsekunde abzustimmen wie Aljazeera berichtet. Seit 1972 haben die Behörden insgesamt 27 Schaltsekunden in die Koordinierte Weltzeit (UTC) eingefügt, um diese mit der ungleichmäßig rotierenden Erde abzugleichen. Die letzte dieser Korrekturen erfolgte am 31. Dezember 2016 . Da die Erdrotation langfristig langsamer wird, aber in jüngerer Zeit unvorhergesehen schwankt, geraten digitale Infrastrukturen zunehmend unter Druck. Die Zeitnehmer des Internationalen Büros für Maße und Gewichte tagen in dieser Woche in Versailles im Rahmen ihrer alle vier bis sechs Jahre stattfindenden Generalkonferenz.
Das Risiko der ersten negativen Schaltsekunde
Die Debatte hat in den vergangenen Monaten an Dringlichkeit gewonnen, da Experten erstmals den Bedarf an einer negativen Schaltsekunde vorhersagen. Anders als bisher müsste dabei keine Sekunde hinzugefügt, sondern eine Sekunde gelöscht werden, um die beschleunigte Erdrotation auszugleichen.

Ein solcher Eingriff wurde in der Geschichte der modernen Zeitmessung noch nie versucht. IT-Systeme und Rechenzentren sind darauf ausgelegt, zusätzliche Sekunden zu verarbeiten, während das Entfernen einer Sekunde nach Ansicht von Fachleuten zu schwerwiegenden Ausfällen führen könnte. Setnam Shemar, leitender Wissenschaftler am britischen National Physical Laboratory, erklärte, dass Schaltsekunden nur schwer zuverlässig zu implementieren seien und bei fehlerhafter Anwendung Netzwerkinterschiede verursachen können, was zum Ausfall von Systemen wie Mobilfunknetzen oder Stromnetzen führen könnte. Diese Risiken könnten sich weiter erhöhen, wenn eine negative Schaltsekunde zum ersten Mal umgesetzt werden müsste.
Ausfälle in Rechenzentren und Finanzmärkten
Bereits in der Vergangenheit haben eingefügte Schaltsekunden wiederholt zu massiven technischen Problemen geführt. So brachen beispielsweise im selben Jahr, in dem eine Schaltsekunde hinzugefügt wurde, die Ticketbuchungen der australischen Fluggesellschaft Qantas ein, und drei Jahre später gab auch die australische Wertpapier- und Investitionskommission eine Warnung heraus berichtet KSL News. Auch im Sommer 2022 warnten Ingenieure eindringlich vor den Folgen.
Ingenieure bei Meta erklärten laut Aljazeera: „Jede Schaltsekunde ist eine große Schmerzquelle für Menschen, die Hardware-Infrastrukturen verwalten.
Der Gegenvorschlag der Erhaltung
Nicht alle Staaten und Parteien befürworteten die Pläne in der Vergangenheit gleichermaßen. Russland hatte im Jahr 2022 Einspruch erhoben, da sein Globales Navigationssatellitensystem GLONASS im Gegensatz zu anderen Satellitennavigationseinrichtungen wie dem US-amerikanischen GPS oder dem europäischen System Galileo direkt Schaltsekunden einbindet; ein Aufschub würde Russland Zeit verschaffen, seine Satellitensysteme anzupassen. Auch das Vereinigte Königreich äußerte früher Bedenken aufgrund seiner kulturellen Verbundenheit zur historischen Rolle der Sternwarte in Greenwich, hat seine Haltung mittlerweile jedoch geändert.

Marek Ziebart, Professor für Weltraumgeodäsie am University College London, erklärte: „Wenn man die Schaltsekunde abschafft, wird sich eine Menge ändern müssen. Die Leute werden ihre Software überprüfen, sie neu entwerfen und reparieren müssen.
Die Resolution in Versailles und der Übergang zur Sprungstunde
Sollte die Versammlung der 69 Mitgliedsstaaten den Beschluss fassen, treten die Neuregelungen am 20. Mai 2027 in Kraft bestätigt The Register. Das Problem wird damit um Jahrhunderte verschoben; erst in ferner Zukunft müssten eventuell Korrekturen vorgenommen werden, wenn die Differenz weiter ansteigt.
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