Eine im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Studie zeigt, dass die Menopause mit abrupten biologischen Veränderungen in zahlreichen Körpersystemen einhergeht. Forschende des Weizmann Institute of Science werteten hunderte Millionen Labordaten aus und bezeichnen den Übergang als physiologische Klippe, die sich teilweise mehr als zehn Jahre im Voraus ankündigt.
Die biologische Umstellung rund um den Zeitpunkt der letzten Menstruation verläuft nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen deutlich drastischer als bislang angenommen. Ein internationales Forschungsteam um Uri Alon vom israelischen Weizmann Institute of Science hat für eine im Oktober 2026 im Fachjournal Nature Medicine
vorgestellte Untersuchung mehr als 300 Millionen routinemäßig erfasste Labordaten von über einer Million Frauen aus den USA und Israel analysiert.
Dabei nutzten die Wissenschaftler ein mathematisches Verfahren, um den individuellen Zeitpunkt der Menopause rückwirkend zu bestimmen und Verzerrungen durch das statistische Durchschnittsalter von rund 51 Jahren auszugleichen. Die Datenbasis stammte aus den Jahren 1999 bis 2022 für die Vereinigten Staaten sowie aus den Jahren 2004 bis 2024 für Israel.
Labordaten belegen abrupte Veränderungen bei Leber, Nieren und Hormonen
Die Auswertung der US-Daten offenbarte bei 52 von 90 untersuchten Parametern statistisch signifikante und abrupte Sprünge rund um den Zeitpunkt der Menopause. Betroffen sind nach Angaben der Forschenden unter anderem die Leber- und Nierenfunktion, die Blutfette, der Knochenstoffwechsel sowie die Sexualhormone. Im Gegensatz dazu zeigten vergleichbare Analysen bei Männern im gleichen Alter einen deutlich graderen Verlauf ohne derartige abrupte Einschnitte.
Besonders bei den Hormonen kündigen sich die Umstellungen demnach weit im Voraus an. Ein spürbarer Abfall des Anti-Müller-Hormons als Marker für die Eizellenreserve zeigt sich demnach etwa 15 Jahre vor der letzten Blutung. Der Spiegel des follikelstimulierenden Hormons (FSH) steigt rund 14 Jahre vorher an, während Östradiol etwa zwölf Jahre davor abfällt. Die Forschenden sprechen im Zusammenhang mit diesen Prozessen von einer physiologischen Klippe
.

Medizinische Fachwelt diskutiert den Begriff der physiologischen Klippe
Die These stößt in der Fachwelt allerdings auch auf Kritik. Petra Stute, Gynäkologin und Leiterin eines Menopausen-Zentrums am Inselspital Bern, die nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnet den Begriff gegenüber dem Science Media Center als zugespitzt. Die Untersuchung zeige lediglich statistisch rekonstruierte Durchschnittsverläufe und keinen unmittelbar beobachteten Gesundheitsabfall bei einzelnen Patientinnen.
Die Menopause bleibe eine relevante physiologische Umstellung, betonte die Medizinerin, sei jedoch kein plötzlicher Krankheitsbeginn.
Auswirkungen auf Osteoporose, Arthritis und das Herz-Kreislauf-System
Mit dem Übergang beschleunigt sich laut der Untersuchung zudem der Abbau der Knochendichte, was das Risiko für Osteoporose ansteigen lässt. Darüber hinaus verzeichneten die Auswertungen bei Frauen nach der Menopause eine beschleunigte Zunahme der Inzidenz für Gelenk- und Stoffwechselerkrankungen wie Arthritis und Gicht sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Peyman Hadji, Leiter des Hormon- und Osteoporosezentrums in Frankfurt am Main, der ebenfalls nicht an der Studie beteiligt war, erklärte, die Ergebnisse stützten ein systemisches Verständnis der Menopause. Sie beträfe weit mehr als die reine Fortpflanzung und markiere einen messbaren Übergang mit potenziell langfristigen gesundheitlichen Folgen, der deutlich länger andauere als bislang angenommen.
Hormontherapie zeigt dämpfende Effekte auf biologische Veränderungen
Ein genauerer Blick galt in der Analyse auch den Frauen, die sich einer Hormontherapie unterzogen hatten. Bei diesen Anwenderinnen fielen zahlreiche der beobachteten körperlichen Veränderungen schwächer und weniger abrupt aus.
Unabhängige Experten und die Studienautoren betonen jedoch, dass sich daraus kein direkter, ursächlicher Schutzeffekt vor chronischen Erkrankungen ableiten lässt. Eine Hormontherapie, die unter anderem gegen schwere Schlafstörungen und andere Wechseljahresbeschwerden eingesetzt wird, ist stets mit individuellen Risiken verbunden, die sorgfältig gegen den möglichen Nutzen abgewogen werden müssen.
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