Beim Auslaufen aus dem Hafen von Bremerhaven ist das Kreuzfahrtschiff «Mein Schiff 3» von Tui Cruises am Abend des 25. Oktober 2026 von einer schweren Sturmböe erfasst worden und mit zwei Containerschiffen kollidiert. Verletzt wurde niemand, doch es entstand ein Millionenschaden, und die 20-tägige Kanaren-Kreuzfahrt wurde abgesagt.
Kollision an der Stromkaje
Am späten Sonntagnachmittag gegen 17:30 Uhr löste sich das knapp 300 Meter lange Kreuzfahrtschiff «Mein Schiff 3» von der Columbuskaje in Bremerhaven. An Bord befanden sich zu diesem Zeitpunkt 2.428 Passagiere und 922 Crewmitglieder, die sich auf eine zwanzigtägige Reise zu den Kanarischen Inseln freuten. Kurz nach dem Ablegen drückte eine heftige Sturmböe den Ozeanriesen trotz des Einsatzes von fünf Schleppern seitlich aus dem Kurs.
Das Schiff prallte gegen zwei an der Stromkaje festgemachte Containerfrachter. Dabei traf der Rumpf zuerst auf das größere Containerschiff MSC Victorine, an dessen Backbordseite ein rund zehn Meter langer Riss entstand und Containerführungen deformiert wurden. Auch ein zweites, kleineres Containerschiff wurde bei dem Zusammenstoß in Mitleidenschaft gezogen.
Die TUI-Reisenden erfuhren am Montagmorgen davon, dass sie das Schiff bis 18 Uhr verlassen müssen. Für den Rücktransport der Passagiere zum Bahnhof oder zu deren Autos organisierte Tui Cruises spontan Busse und Taxis, während die knapp 2.500 Gäste bereits die Heimreise angetreten haben und der Verbleib der mehr als 900 Crew-Mitglieder noch zu klären war. Das Fachmagazin „Cruisetricksberichtete darüber hinaus, dass den Betroffenen bei der erneuten Buchung einer Tui-Kreuzfahrt bis zum 31. Dezember 2026 ein Rabatt von zehn Prozent auf eine zukünftige Reise gewährt werden soll.
Millionenschaden und zerstörte Rettungsboote
Die Wucht des Aufpralls hinterließ an der «Mein Schiff 3» schwere Beschädigungen. Die «Mein Schiff 3» musste zurück an die Columbuskaje bugsiert werden.
Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden an allen beteiligten Schiffen auf eine Millionensumme. Als Werften für die nötigen Instandsetzungsarbeiten an dem Containerschiff MSC Victorine und der Mein Schiff 3 von TUI sind laut den Gesprächsberichten die Lloyd-Werft und Bredo Dry Docks im Gespräch, wobei ein Austausch zwischen der Rönner-Gruppe und den Reedereien stattfand.
Ermittlungen gegen den Kapitän und Reaktion der Reederei
Nach dem Schiffsunfall in Bremerhaven hat die Polizei eigenen Angaben zufolge ein Verfahren beziehungsweise ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Kapitän Jan Schubert der „Mein Schiff 3“ eingeleitet und prüft, ob er gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen hat. Der Hafenkapitän der Bremerhaven Port Authority, Stephan Berger, betonte auf Anfrage, dass die Lotsen den Kapitän zwar beraten und ihn auch dahingehend beraten können, ein Manöver nicht durchzuführen, die letztendliche Entscheidung aber bei ihm liegt.

Das Containerschiff MSC Victorine war ebenfalls im Begriff auszulaufen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der behördlichen Ermittlungen entfernte Tui Cruises Porträts und Videos des Kapitäns Jan F. Schubert von seiner Internetseite und aus den sozialen Netzwerken.
In der aktuellen Situation konzentrieren wir unsere Kommunikation bewusst auf die relevanten Informationen zum Vorfall und bündeln diese auf unserer Website. Andere Inhalte haben wir daher vorübergehend ausgeblendet.
Sprecherin, Tui Cruises
Abreise der Passagiere und offene Fragen zur Werft
Für die Passagiere bedeutete der Unfall das abrupte Ende des Urlaubs. Die Reederei sagte die Kanaren-Reise am Montagmorgen offiziell ab und organisierte den Rücktransport der Gäste per Bus und Bahn zum Bahnhof oder zu den eigenen Autos. Passagiere erhalten den Reisepreis in voller Höhe erstattet.
Die «Mein Schiff 3» und die MSC Victorine liegen vorerst fest an ihren Liegeplätzen in Bremerhaven und müssen für Reparaturen in eine Werft gebracht werden. Als mögliche Werften für die Instandsetzungsarbeiten gelten die Lloyd-Werft und Bredo Dry Docks. Völlig unklar ist bislang, ob der Zeitplan für spätere Fahrten gehalten werden kann. Als nächster planmäßiger Abfahrtstermin steht aktuell der 14. November 2026 für eine 14-tägige Nordkap-Kreuzfahrt ab/bis Bremerhaven im Fahrplan, deren Durchführung sowie weiterer Folgereisen jedoch vom Fortschritt der Reparaturen an den Rettungssystemen und der behördlichen Neuzulassung abhängt. Tui Cruises kündigte an, betroffene Kunden bei Änderungen an Folgereisen frühestmöglich zu informieren.
Weitere für das Jahr 2026 geplante Reisestarts umfassen eine viertägige Oslo-Kurzreise von Bremerhaven nach Kiel am 28. November, eine siebentägige Südnorwegen-Kreuzfahrt ab/bis Kiel am 2. Dezember, eine siebentägige Ostsee-Kreuzfahrt ab/bis Kiel am 9. Dezember sowie eine siebentägige Norwegen-Kreuzfahrt von Kiel nach Bremerhaven am 23. Dezember.
Zu den Liegegebühren merkte Bremens Hafensprecher Matthias Koch an, dass für ein Schiff der Größe «Mein Schiff 3» für die ersten sieben Tage ziemlich genau 7.000 Euro an reinen Liegegebühren fällig werden, zuzüglich gegebenenfalls Versorgungskosten für Wasser, Strom und Abfall.