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Markus Söder empfiehlt Ilse Aigner als Bundespräsidentin

Während Parteichef Markus Söder Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner für das Bundespräsidentenamt empfiehlt, schweigt Bundeskanzler Friedrich Merz beharrlich zur Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier.

Söders Vorstoß für Ilse Aigner und der unerwartete Versprecher

Bereits am Freitag machte Markus Söder bei seiner 73-minütigen Rede auf dem CSU-Parteitag in München keinen Hehl aus seiner Präferenz für die Nachfolge im Amt des Bundespräsidenten.

In seiner Rede leistete sich Söder dabei einen emotionalen Versprecher, als er über die 61-Jährige sprach. Wörtlich sagte Söder:

Die Entscheidung wird woanders gefällt, aber ich würde mir es von Herzen gönnen, wenn Ilse Aigner nächste Bundespräsidentin werden würde. Das wäre eine tolle Sache.

Markus Söder, CSU-Chef

Als die Delegierten laut und anhaltend applaudierten, forderte CSU-Chef Markus Söder mit Bezug auf den am Samstag beim Münchner Parteitag gastierenden CDU-Chef Friedrich Merz: „Macht das morgen noch mal.“ Aigner selbst erklärte, sie habe sich wirklich sehr über die Reaktion des Parteitags gefreut und wertete dies als gewisse Bestätigung für ihre mehr als 40-jährige Arbeit für die CSU. Sie betonte jedoch, dass der Parteitag nicht über diese Frage entscheide, da dies die Aufgabe der Parteivorsitzenden sei.”

In der CDU wachsen derweil Zweifel, ob Söder Aigner wirklich als Bundespräsidentin will oder ob er nur so tut, um seiner CSU zu gefallen, während er selbst im Rennen um die Kanzlerschaft weiter fein raus ist.

Friedrich Merz erntet Jubel und lässt die Kandidatenfrage offen

Als Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz die Münchner Messehalle betrat, richteten sich alle Kameras auf das Zusammentreffen mit Aigner. Begleitet von der Live-Musik einer bayerischen Blaskapelle, die zu Beginn den Titel Eye of the Tiger – die berühmte Titelmusik des Box-Films „Rocky III“ aus dem Jahr 1982 – spielte, setzte Merz ein deutliches Zeichen. Er begrüßte Aigner bei seinem Einzug in den Saal mit Wangenküsschen rechts und links und nannte sie zu Beginn seiner Rede direkt nach Söder und vor dem Chef der Europäischen Volkspretiei, Manfred Weber, namentlich.

Markus Söder empfiehlt Ilse Aigner als Bundespräsidentin
Foto: Sueddeutsche

Die etwa 700 Delegierten in der Messehalle brachen daraufhin in Applaus und Jubel aus und erheben sich von ihren Plätzen, während Ilse Aigner in der ersten Reihe aufstand und winkte. Im Gegensatz zu den CSU-Parteitagen 2024 und 2025 nannte Merz Aigner namentlich und gleich so prominent an zweiter Stelle. Am Ende feierten die Delegierten Merz mit fast vier Minuten stehendem Applaus.

Zwar hatte die CDU-Führung kurz vor dem Parteitag betont, dass die CDU den Anspruch nicht aufgegeben habe, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus ihren Reihen zu nominieren. Doch Merz wich einer direkten Festlegung in München völlig aus, was ein CSU-Vorstand mit den parteiinternen Zwängen des Kanzlers begründete.

Die Machtfrage in der Union und der Druck der Koalition

Die Wahl des Bundespräsidenten findet im Januar statt; die Bundesversammlung wird zur Hälfte aus Bundestagsabgeordneten und zur Hälfte aus Wahlleuten der Länder bestehen. In der CDU gilt das Vorschlagsrecht der Union als unstrittig, doch die Frage reicht über das Amt des Bundespräsidenten hinaus und verbindet sich mit der Entscheidung, ob die CDU auf den Anspruch verzichtet, selbst eine Persönlichkeit aus ihren Reihen zu nominieren.

Zudem sorgt die Personaldebatte für Kontroversen. Die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier kritisierte die Auswahlkriterien und erklärte, dass es eine Armutserklärung für 80 Prozent der Bevölkerung wäre, wenn nur noch Juristen Bundespräsident werden könnten. Als mögliche CDU-Kandidaten oder Alternativen mit juristischem Hintergrund oder anderen Qualifikationen werden in Medienberichten neben Bildungsministerin Karin Prien auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, Hessens CDU-Fraktionschefin Ines Claus sowie der Präsident des Verfassungsgerichts Stephan Harbarth genannt.

PolitikerPartei / AmtPosition zur Bundespräsidentenwahl
Markus SöderCSU-Chef, MinisterpräsidentWirbt offen für die bayerische Landtagspräsidentin
Friedrich MerzCDU-Chef, BundeskanzlerLässt die Personalie offen und nennt keine Namen
Ilse AignerLandtagspräsidentin BayernFreut sich über den Rückhalt, betont aber, die Parteichefs entscheiden

Die Entscheidung muss in den kommenden Wochen getroffen werden, da die Wahl bereits im Januar ansteht. Dieser Parteitag hat Merz überdeutlich gezeigt, was die CSU will, während offen bleibt, ob Merz tatsächlich rechtzeitig eine Entscheidung ankündigt.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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