Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat für Montagmorgen eine Krisensitzung seines Kabinetts anberaumt, während massive Waldbrände im Südwesten des Landes auf die Großstadt Bordeaux zusteuern. Die Lage wird durch eine für Dienstag prognostizierte Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius in einigen Gebieten weiter erschwert, was die Rettungsmaßnahmen komplizieren könnte, wie die BBC berichtet.
Bedrohung für Bordeaux und die Region Gironde
Im Département Gironde hat ein Brand, der seit Mittwoch wütet, bereits rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört – eine Fläche, die siebenmal so groß ist wie Manhattan. Laut dem Bürgermeister von Bordeaux, Thomas Cazenave, befand sich das Feuer etwa 15 Kilometer von den wichtigen Eingangspunkten zur Innenstadt entfernt. Obwohl die Stadtverwaltung derzeit keine Evakuierung der rund 850.000 Einwohner plant, ist die Lage angespannt; ein starker Brandgeruch liege über weiten Teilen der Stadt.

Besonders besorgniserregend ist die Entstehung eines sogenannten „Pyrocumulonimbus“. Die National Firefighters Federation of France (FNSPF) beschreibt dies als eine gewaltige Feuerwolke, die ihre eigenen Winde und Blitze erzeugt, was das Brandgeschehen unberechenbar macht. Eric Brocardi, Sprecher der FNSPF, bezeichnete die Situation als ein „David-gegen-Goliath-Szenario und erklärte, dass die Front ständig verschiebe und ein direkter Kampf gegen das Feuer nicht möglich sei. Zur Kontrolle des Brandes seien entweder drei Tage starker Regen oder ein strategisches Lenken des Feuers in Richtung Meer erforderlich.”
Die Auswirkungen in der Region Gironde sind massiv:
- Evakuierungen: Rund 220.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen.
- Tourismus: 45 Campingplätze wurden geschlossen, was die Urlaubspläne von etwa 40.000 Personen ruinierte. Der Präfekt der Region forderte Touristen auf, andere Reiseziele zu suchen.
- Schäden: Mindestens 240 Häuser wurden zerstört, viele davon im Dorf Le Porge.
Kritische Lage der Einsatzkräfte und Infrastruktur
Die körperliche und materielle Belastung der Rettungskräfte ist hoch. Seit Mittwoch wurden in der Region Gironde 84 Feuerwehrleute verletzt, wovon zehn evakuiert werden mussten. Sebastien Bouvier von der Gewerkschaft CFDT kritisierte zudem, dass es den Feuerwehrleuten an angemessener Schutzausrüstung gegen die toxischen Rauchgase fehle. Bürgermeister aus den betroffenen Gebieten berichten zudem von erschöpften Kräften.

Ausnahmezustand und Zerstörung in Spanien
Auch Spanien kämpft gegen einige der schlimmsten Waldbrände seiner Geschichte. Die Regierung hatte aufgrund der Feuer in der Umgebung von Madrid bereits den nationalen Notstand ausgerufen. Ministerin für ökologischen Übergang Sara Aagesen gab an, dass insgesamt etwa 77.000 Hektar betroffen sind, wobei der Brand in der Region Ávila als der größte in der jüngeren Geschichte des Landes gilt.
Insgesamt haben über 330.000 Menschen in Frankreich und Spanien ihre Häuser verlassen. In der Region Valencia forderte ein neuer Brand die Evakuierung von 15.000 Menschen. Das spanische Innenministerium bestätigte, dass bei einem Feuer in Valencia ein Mann ums Leben kam.
König Felipe VI. besuchte eine Notunterkunft in Villamanta am westlichen Stadtrand von Madrid und sprach von einem „unberechenbaren“ bzw. „unermesslichen“ Schaden am Naturerbe Spaniens. Premierminister Pedro Sánchez besuchte am Montag die betroffenen Gebiete in Valencia und warnte zuvor, dass „schwierige Stunden“ bevorstünden.”””
Ursachen und Kontext
Wissenschaftler führen die Intensität und Häufigkeit dieser extremen Wetterereignisse auf den Klimawandel zurück. Die Brände wurden durch eine extreme Trockenheit der Vegetation begünstigt, die durch aufeinanderfolgende Hitzewellen und einen Mangel an Regen seit Mai verursacht wurde, wie aus Berichten von cnbctv18.com hervorgeht. In Frankreich wurden seit Jahresbeginn insgesamt etwa 98.000 Hektar durch Brände zerstört.
Verwandte Artikel
